Einfluss der Digitalisierung auf Gesellschaft und Arbeitswelt


d!conomy

Die Digitalisierung hat nicht nur einen sehr wesentlichen Einfluss auf das private Leben der Menschen, sondern in ganz besonderer Weise auch auf das Arbeitsleben und den Arbeitsalltag.

Digitale Workflows und computergestützte Büro- und Wissensarbeit kennen wir schon seit der Einführung des PCs. Die weiter zunehmende Digitalisierung der Geschäftsprozesse ist wesentlicher Enabler oder Treiber einer immer globalisierteren
und vernetzteren Wertschöpfung. Dies führt in der Folge zu weitergehend digitalisierten Arbeitskonzepten und -prozessen.

Die Idee vom „papierlosen Büro“ wird zunehmend Wirklichkeit sein und auch d!conomy beschäftigt sich mit diesem Part der Digitalisierung. Aber nicht nur in den wissensintensiven Prozessen in Büro und Verwaltung, sondern auch in vielen Dienstleistungsbereichen und in der Industrie verändern sich durch die Digitalisierung die Arbeitsinhalte und -formen. Ohne mobiles Internet ist so gut wie keine Aufgabe mehr zu bewältigen. Intelligente Assistenzsysteme wie Leichtbauroboter oder Service Roboter, Teleserviceanwendungen oder Care-Apps werden die Arbeitswelt weiter revolutionieren und für die Beschäftigten ganz neue Chancen eröffnen und Herausforderungen induzieren.

mag_i - Das d!conomy Magazin

Die Digitalisierung und speziell das (mobile) Internet haben ganz neue Möglichkeiten der
Gestaltung von Arbeit mit sich gebracht. Vor allem für das Zusammenarbeiten, unabhängig von Raum und Zeit, bietet das Netz enorme Potenziale. Durch Cloud-Computing können Menschen von überall auf Datenbanken, Postfächer und Projektmanagement-Tools zugreifen.

Hierdurch können Arbeitszeiten zunehmend flexibler gestalten werden. Modelle unterschiedlicher Arbeitszeitkonten, die in Anwesenheits-, Heimarbeits- und
Bereitschaftszeiten funktionieren, sind eine Möglichkeit, die Interessen von Unternehmen und Beschäftigten zusammenzubringen. Wo Präsenzkultur unnötig und nicht sachdienlich ist, wo Selbstorganisation sinnvoll und angebracht ist, kann Ergebnisorientierung ein hilfreiches Gestaltungselement sein. Hierzu sind passende Führungsinstrumente  von besonders erfolgskritischer Bedeutung.

Die zunehmende Vernetzung führt auch zu einer stärkeren Arbeitsteiligkeit der Wertschöpfung. Die Arbeitswelt individualisiert sich dadurch, die Vielfalt an Beschäftigungsformen und -verhältnissen wird in der Tendenz zunehmen. Weiter flexibilisieren werden sich in der Folge auch die Mengen sowie die zeitliche und personale
Allokation von Arbeit. Das unternehmerische Risiko wird in der Folge auch verlagert, immer weiter hin zum Individuum, z. B. durch Leiharbeit, Crowdsourcing, Kundenarbeit etc. durch die zunehmende Mobilität von Arbeit entsteht eine Virtualisierung von Arbeit.

Nach den Ideen und Visionen der 1980er Jahre, wo durch CIM (Computer Integrated Manufacturing) die Fiktion der menschenleeren Fabrik aufkam, stellt sich diese Frage jetzt wieder und neu: Wieviel Beschäftigung werden wir in der Fabrik 4.0 noch haben und welche Art und Qualität werden die dann vorhandenen Jobs aufweisen?

In Deutschland wird von dieser Entwicklung nicht weniger als die vierte industrielle Revolution erwartet, aber auch andere Industriestaaten versprechen sich signifikante Produktionsgewinne durch die Digitalisierung und Automatisierung industrieller Wertschöpfung. In welchem Umfang dies zu Jobverlusten führen wird, ist derzeit nicht
seriös abschätzbar. Erste Studien sagen voraus, dass durch diese technologischen Entwicklungen bis zu 45 Prozent der einfacheren Jobs verloren gehen könnten. Vieles wird davon abhängen, inwieweit der erwartbare Arbeitsplatzverlust in den Fabriken durch neue Arbeitsplätze in der Entwicklung und Konstruktion sowie im Bereich Datensysteme und Software kompensiert werden kann.

Wenn wir in Deutschland nicht nur zu einem Leitmarkt für Industrie 4.0 werden, sondern uns an die Spitze der Entwicklung durch Innovation setzen können, dann ist auch ein Beschäftigungsaufbau möglich. Wenn wir also mit unserem starken und weltweit gut aufgestelltem Maschinen- und Anlagenbau auch im Bereich Elektronik und Software
Leitanbieter sein werden, dann ist auch dieses Szenario gut denkbar.

Der Autor

d!conomy
Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Bauer,
Institutsleiter, Fraunhofer-Institut
für Arbeitswirtschaft
und Organisation IAO