Mensch oder KI – wer ist hier der Boss?


KI Gabriele Sommer

Maschinen werden dank KI in ca. 5 Jahren ca. 3/4 aller Managementaufgaben übernehmen können. Die Frage ist: wollen wir das überhaupt? Gabriele Sommer, Global Head of Human Resources beim TÜV SÜD, betont in diesem Artikel, dass sich die deutsche Wirtschaft zunächst fragen sollte, welche Aspekte „Führen“ ausmachen bzw. was Führung ist.

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Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen –
Wer ist in dieser Beziehung der Boss und in welcher Kombination sollte sie eingesetzt werden?

Automatisierung in Kombination mit künstlicher Intelligenz (KI) hat das Potenzial die Produktivität kurzfristig zu verdreifachen. Mehr als 80% der repetitiven, prozessorientierten Aufgaben werden wahrscheinlich in den nächsten 3-5 Jahren automatisiert sein. Das ist eine Dynamik, die wir bislang so nicht kennen. Auch für eine Sachverständigenorganisation wie die unsere wird dies erhebliche Auswirkungen haben.

Aber, nicht nur einfache Aufgaben, auch das Management soll künftig von Algorithmen übernommen werden… Dieser schnelle Wandel wird zwar die verbleibende Arbeit wertvoller machen, ist allerdings mit großen Gaps zur heutigen Belegschaft verbunden – im Zuge der Einführung von KI werden neue Rollen, Berufe geschaffen werden müssen. Ausserdem ist mit einem kurzfristiger Mangel an entsprechend qualifizierten Fachkräften zu rechnen, da Unternehmen wie auch Universitäten nur sehr langsam anfangen auf diesen schnellen Wandel an notwendigen Fähigkeiten zu reagieren. Auch die soziale Thematik wird dabei eine große Rolle spielen – allerdings wird dieser u.a. der Demographische Wandel entgegenwirken.

KI kann Begeisterungsfähigkeit nicht ersetzen – bis auf weiteres

Es wird wohl noch einige Zeit dauern bis die Maschine zum Boss wird. Und die Frage ist: wollen wir das überhaupt zulassen? Laut verschiedener Studien können Maschinen in ca. 5 Jahren ca. 3/4 aller Managementaufgaben übernehmen. Boss sein heisst führen und dabei muß man sich grundsätzlich die Frage stellen, welche Aspekte „Führen“ ausmachen bzw. was Führung ist –> nur Management oder sogar Leadership. KI wird Führungskräfte in der Zukunft immer mehr unterstützen um sachlich fundierte Entscheidungen zu treffen und dabei sukzessive verschiedene logistische aber auch selektive Managementfunktionen übernehmen (Rekrutierungsentscheidungen, strategische Entscheidungen wie Investitionsentscheidungen, Kostensenkungsmöglichkeiten, Restrukturierungsentscheidungen u.a. Entlassungen, Admin/Logistik, etc.). Weil sachneutral und ohne Stereotypen bzw. „Nasenfaktor“. Dabei bleibt allerdings das inspirative, intuitive und empathische Führen auf der Strecke. Die Frage wird sein: was motiviert uns wirklich? Eine Vorbildfunktion, ein Mensch oder eine Maschine. Der verbindende Faktor zwischen Mensch und Mensch ist vor allem die Emotionalität – sprich Begeisterungsfähigkeit. Das wird KI bis auf weiteres nicht ersetzen können. Und Führen heisst vor allem Vorbild sein, begeistern, bewegen, emotional abholen insbesondere in Zeiten des Wandels. Wir müssen vor allem die Menschen mit in die Digitalisierung nehmen.

Nachfolgende Generationen werden besseres Verhältnis zu KI haben

Die Schnittstelle zum Menschen wird kurz- bis mittelfristig m.E. weiter von Menschen bedient werden müssen, was sich aber evolutionär durchaus verändern kann, da nachfolgende Generationen ein zunehmend anderes bzw. vielmehr positiveres Verhältnis zu Bots/KI etc. haben werden als z. B. meine Generation. Außerdem wird es eine Frage der Märkte werden, d.h. wie schnell reagieren Märkte bzw. Gesellschaften bzw. wie proaktiv werden Entwicklungen in einer globalen Welt von unterschiedlichen Märkten getrieben. Evolutionär auch deshalb, weil das für die meisten Unternehmen mit sehr hohen Investitionen verbunden ist.

In Deutschland ist derzeit noch die Gesetzgebung Puffer bzgl. des Treffens von Einzelentscheidungen durch einen Bot oder Roboter–> § 6 a I BDSG, (Einzelentscheidungen wie Leistungsbeurteilung, Einstellungsentscheidungen, Beförderungsentscheidungen). Nicht nur das BDSG auch der Rest der deutschen Arbeitsgesetzgebung hinken der Zeit hinterher und kollidieren mit der Realität (Arbeitszeitgesetz/Ruhezeiten etc…).

Es wird zumindest in Deutschland erst einmal dabei bleiben, dass der Mensch der Boss ist. Hoffentlich, dann aber mit der optimalen Unterstützung von KI, damit gerade die Fähigkeiten zur Geltung kommen können, die echtes Leadership so wertvoll machen – insbesondere in Zeiten des disruptiven Wandels.

Gabriele Sommer ist Speakerin bei der d!conomy im Oktober in 2017 in Düsseldorf.
Ihr Vortrag: Mensch-Maschine-Führung.

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KI sommer TÜVGabriele Sommer wurde in Heidenheim an der Brenz geboren und wuchs in São Paulo, Brasilien, auf. Sie studierte Angewandte und Ingenieurgeologie an der TU München und schloss ihr Studium 1990 als Diplomgeologin ab. Sie war viele Jahre als Auditorin für Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme für  TÜV SÜD tätig. Gabriele Sommer ist Mitglied des Aufsichtsrates der KSB AG der TÜV SÜD Industrie Service GmbH sowie der TÜV SÜD Auto Service GmbH und hält verschiedene Beiratsfunktionen u.a. der ESB Business School der Hochschule Reutlingen; desweiteren ist sie Mitglied des Akkreditierungsbeirates (BMWi) und des DAkks-Beirates für Konformitätsbewertungsstellen.