Ein Büro sollte wie eine Stadt funktionieren


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Direkt neben dem SAP Bestandsbau am idyllischen Jungfernsee steht ein vierstöckiger Glaskubus – das Innovation Center 2.0 der SAP. Realisiert wurde es vom Stuttgarter Architekturbüro SCOPE. Bei der Jahrestagung Future Workplace & Office haben Sie die Möglichkeit den Neubau zu besichtigen und live zu erleben, wie das Arbeiten von morgen aussieht. Im Vorfeld haben wir mit Mike Herud, Geschäftsführer, SCOPE Architekten GmbH über seine Zukunftsvisionen und die Arbeitsplatztrends von morgen gesprochen.

Welches Ziel stand/steht bei der Gestaltung Ihrer Gebäude im Vordergrund?

Unsere Arbeitswelt ist einem permanenten Wandel unterworfen. Dies betrifft nicht nur neue Arbeitsformen und Beschäftigungsverhältnisse, sondern vor allem auch die Gestaltung unserer Arbeitsorte. Wir greifen dabei gerne urbane Themen auf und interpretieren diese neu, denn ein gutes Büro, sollte wie eine Stadt funktionieren. Dabei lebt es – wie der urbane Raum auch – von der Vielfalt an Atmosphären und Nutzungsmöglichkeiten.

Gibt es einen Trend oder eine Zukunftsvision, die Sie bei Ihren Planungen besonders berücksichtigen/berücksichtigt haben?

Die Lösung scheint in einem ausgewogenen Mix unterschiedlicher Raumkonzepte zu liegen: Zonen, die verschiedene Arbeitsstile unterstützen und vor allem Raum für das persönliche Netzwerken bieten.

Welche Details machen Ihre Gebäude so besonders/einzigartig?

Durch einen offenen Grundriss werden ein hohes Maß an Flexibilität und Agilität, aber auch spezifische Bereiche für konzentriertes Arbeiten, Rückzug und Regeneration gewährleistet. Starre Strukturen werden komplett aufgelöst und, durch eine unkonventionelle Innenarchitektur verleihen wir einer neuen Philosophie der Teamarbeit Ausdruck.

Gestützt werden wir durch unzählige Studien, die belegen, dass räumliche Zonierungen in Kombination mit Gemeinschafts-, Team- und Einzeleinheiten sowie eine zonenspezifische Klimatisierung, Farbgebung und Schallschutz das konzentrierte Arbeiten, den kommunikativen Austausch, den Know-how-Transfer und damit die (soziale) Vernetzung fördern.

Welchen Tipp würden Sie Unternehmen geben, die gerade ihre neue Bürogestaltung planen?

Der Arbeitsplatz nimmt heute einen anderen Stellenwert ein und muss vielseitige Lösungen für immer komplexere Aufgaben bieten. Durch eine Gesellschaft, deren Arbeit immer weniger an Ort und Zeit gebunden ist, wächst die Bedeutung des Büros als Ort der Kollaboration und des direkten Wissenstransfers.

Forschung und Unternehmenspraxis bestätigen auch hier, dass nicht nur Motivation, Wohlbefinden und Leistungsbereitschaft von Mitarbeitern erheblich von der Arbeitsumgebung beeinflusst werden, sondern auch, dass, ein hoher Zusammenhang zwischen Innovationskraft eines Unternehmens und dem Maß persönlicher Interaktion, räumlicher Nähe und persönlicher Zusammenarbeit besteht. Diese Innovationskraft ist umso größer, je mehr die Arbeitsplatzgestaltung der Kultur, dem Tätigkeitsschwerpunkt des Unternehmens und dem Selbstverständnis der Mitarbeiter entspricht.

Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Arbeitsplatztrend, der in 10 Jahren nicht mehr wegzudenken ist?

„Urbanes Arbeiten“ definiert das Büro von morgen: Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Universität St. Gallen bestätigen ferner, dass sich der Arbeitsort von Menschen in flexiblen Arbeitsverhältnissen in Zukunft sogar noch mehr in den öffentlichen Raum ausbreiten wird. Physische Büros sind dann nur noch temporäre Ankerpunkte für menschliche Interaktion, die vor allem dem Netzwerken dienen.

Mike Herud, Geschäftsführer, SCOPE Architekten GmbH wird am ersten Konferenztag zum Thema Arbeit 4.0 sprechen. Hier geht’s zum vollständigen Programm