Das re:creation Prinzip – Interview mit Thomas Fundneider [theLivingCore GmbH]


Thomas Fundneider ist Geschäftsführer der theLivingCore GmbH und Referent der Future Workplace & Office Tagung. Im Interview sprach er bereits im Vorfeld der Veranstaltung mit uns über den lebendigen Kern, Wissens- und Innovationsarchitektur sowie das re:creation Prinzip.

1. theLivingCore – der lebendige Kern – ist der Name Ihres Unternehmens. Woraus besteht der lebendige Kern?

Thomas Fundneider: Der lebendige Kern besteht aus einer Gruppe von Menschen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund (Kognitionswissenschaften, General Management, Soziologie, Kommunikation, (Urban) Design, Technologie, Systemwissenschaften, etc.), die jedoch eine zukunftsgerichtete Haltung einnimmt. Als Zweck (warum gibt es theLivingCore?) sehen wir unsere Aufgabe darin, bei unseren Auftraggebern lebendige Ökosysteme zu gestalten und zu realisieren. Lebendig verstanden als selbsterhaltende und autarke Systeme, die durch einen magischen Kern (Prinzipien, Essenz) von der Zukunft “angezogen“ werden.

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2. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, zukunftsfähige und lebendige Organisationen zu entwickeln. Wie gehen Sie an diese Aufgabe heran?

Thomas Fundneider: Von innen nach außen. Wir starten nicht mit Funktionalitäten oder architektonischen Elementen, sondern mit der Erarbeitung eines fundamentalen Verständnisses des Kerns unseres Auftraggebers: wer sind wir? Warum tun wir die Dinge, die wir tun? Was und wer können wir in Zukunft sein? Welches Potential können wir für uns wirksam machen? Unsere Erfahrung ist, dass diese gemeinsame Arbeit zu einem tiefen Verständnis über die eigene Zukunft führt (“Zukunftsfähigkeit“), das um ein Vielfaches stärker und nachhaltiger ist, als “angeordnete Schnellschüsse“. Basierend auf diesem Grundverständnis (die Antwort auf das Warum), können wir dann die nächsten Schritte in Richtung neues Büro oder Aufbau einer Innovationskultur planen und umsetzen.

3. Wie funktioniert das re:creation Prinzip?

Thomas Fundneider: Die Idee hinter dem Prinzip ist einfach. Wie wir aus dem Sportbereich wissen, brauchen unser Körper UND Geist “Auszeiten“ und Erholung, um Spitzenleistung zu erbringen. Im Gegensatz zu früher, verrichten heute die meisten Menschen nicht mehr schwere körperliche Arbeit, sondern beschäftigen sich mit Wissensprozessen. Hierbei vergessen wir jedoch oft die notwendigen Regenerationszeiten, so dass sich Burn-outs und Leistungseinbrüche bemerkbar machen. Re:creation geht jedoch im Business-Kontext weit über Erholung hinaus, da das re:creation Prinzip die Grundvoraussetzung für Innovation und Breakthrough schafft: eine zweckfreie Aktivität, die als “Nebenprodukt“ die lang ersehnte Innovation hervorbringt.

4. Wie sieht der ideale Future Workplace in Ihren Augen aus?

Thomas Fundneider: Der beste und zukunftsfähigste Future Workplace ist die Manifestation einer zukunftsgetriebenen Unternehmensvision. Nach wie vor starten viele Organisationen Büroprojekte mit architektonischen Fragen und wundern sich, dass ihr neues Büro von den Mitarbeitern nicht angenommen wird bzw. Büroprojekten anderer Firmen sehr ähnlich sieht. Architektur kann organisationale Herausforderungen nicht lösen. Jedoch kann Architektur die Realisierung einer Unternehmensvision unterstützen, da sie direkt erlebbar auf die täglichen Routinen und Arbeitsabläufe der Mitarbeiter trifft. Dies ist auch der Hintergrund unserer Enabling Spaces Technologie: die richtigen Stellschrauben zu finden und zu integrieren (Architektur, Prozesse, Technologie, Ausbildung, Marke, Kultur, etc.), um ein Unternehmen in die gewünschte Zukunft zu begleiten.

5. Warum ist die Gestaltung des Arbeitsplatzes so wichtig geworden?

Thomas Fundneider: Alle Personen, die ich kenne und die länger von zu Hause aus gearbeitet haben, hatten nach einer gewissen Zeit eine starke Sehnsucht nach Kollegen. Dieses Bedürfnis ist zutiefst menschlich und erklärt den Aufstieg von Co-Working Spaces. D.h. unsere Büros sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Was jedoch oft missverstanden wird, ist, dass wir nicht ständig mit anderen kommunizieren wollen – wir brauchen auch Rückzug und Orte für fokussierte Arbeit. Diese Unterscheidung ist vor allem dann wichtig, wenn es um das Thema Innovation –womit sich ja alle Unternehmen beschäftigen müss(t)en– geht. Ich habe noch von keiner interessanten Innovation gehört, die in einem Großraumbüro mit 30 Personen entstanden ist.