Stimmige Arbeitswelten für Wohlfühlen und Kreativität


Coworking Space

Arbeitswelten verändern sich ständig und in immer schnelleren Zyklen. Man hat den Eindruck, dass man in Zukunft arbeiten kann wo, wann und wie man möchte. Da schließt sich auch gleich die Frage an: Braucht man in Zukunft überhaupt noch Büros? Ich würde ganz klar mit „ja“ antworten, denn es liegt in unserer menschlichen Natur, dass wir zu einer „coolen“ Gemeinschaft gehören und uns zugehörig und wohlfühlen möchten.

Eine gute Stimmung macht Menschen verträglicher, gesünder und regt uns an kreativer
zu denken. Dazu trägt auch ein optimistisches und authentisches Umfeld bei, das den Mitarbeitern Wahlmöglichkeiten und eine gewisse Kontrolle ermöglicht sowie Bewegung und Interaktion unterstützt. Neben diesen räumlichen Aspekten geht es auch um sinnvolle Tätigkeiten und gegenseitige Achtsamkeit und darum, den Mitarbeitern sowohl Orte für Austausch und Zusammenarbeit aber auch für Ruhe und Konzentration zur Verfügung zu stellen.

Ideen, Kundenorientierung, Schnelligkeit

Letztendlich bestimmt die Führung wieviel Wohlfühlfaktoren umgesetzt werden und wie man diese nutzen kann, gegenseitiges Vertrauen ist dafür unabdingbar. Statt starrer, hierarchischer Entscheidungsstrukturen sind in der neuen Wirtschaftswelt Ideen, Kundenorientierung und Schnelligkeit gefragt. Kreativität und neue Ideen entstehen nur, wenn diskutiert werden darf und die Meinung aller zählt; Langatmige Entscheidungsprozesse hemmen Ideenfindung und Dynamik. Neue Formen von Arbeit und Organisation sind gefragt: mehr Teams, kürzere Wege, weniger Hierarchien und mehr Zusammenarbeit, auch über Abteilungen hinweg und mit Impulsen von außen.

Spielräume und notwendige Freiräume

Chefs werden zu Coaches, die zuhören, loben, fördern und bereitwillig Feedback geben. Sie haben eine klare Vision und entwickeln Strategien mit denen sie sich und andere begeistern. Sie fördern und unterstützen ihre Mitarbeiter, übertragen ihnen Verantwortung und lassen ihnen Spielräume mit den dazu notwendigen Freiräumen. Sie sind geradlinig und gerecht, haben ein Gefühl für die eigene Stärke und genug Selbstreflexion, um menschengerecht führen zu können. Sie begreifen ihre Organisation als funktionierende Familie, mit der man pfleglich und vertrauensvoll umgeht.

Biophilic Design

Neben all diesen Aspekten zählen heute Nachhaltigkeit und Teilen in einer Sharing Economy immer mehr und damit trägt auch Biophilic Design zum weiteren Wohlfühlen bei. Pflanzen können Stress reduzieren und machen glücklicher, sie verbessern die Luftqualität und fördern Produktivität sowie Erinnerungsvermögen. Licht, besonders Sonnenlicht, verbessert die Lebensqualität und sorgt für gesunden Schlaf, es reduziert Stress und Angstzustände und erhöht die Produktivität. Der Blick nach Draußen entspannt die müden Augen von der ständigen Fixierung auf den Bildschirm. Nachhaltigkeit geht einher mit dem Wunsch nach echten Materialien, die eine haptische Erfahrung erzeugen und sich gut anfühlen. Gebäude und Räume vermitteln damit auch ein Gefühl. Die Natur ist nicht rechtwinkelig, so stehen Kurven und natürliche Formen
ebenfalls für Wohlfühlen. Abgerundet wird eine stimmige Gestaltung durch eine entsprechende ausgewogene Farbwahl. Farbe modifiziert das Licht und bestimmt die Atmosphäre, sie unterscheidet die verschiedenen Elemente in der Architektur und lenkt unseren Blick auf das Wesentliche, sie ermöglicht Kontrast und Individualität. Farbe muss immer im Kontext gesehen werden, die richtige Kombination erzeugt eine positive visuelle Erfahrung.

Bindung und Engagement

Flexibilität und eigene Zeiteinteilung lockt Mitarbeiter in den Job, reicht aber nicht, um sie dort auch zu halten. Junge Mitarbeiter brauchen Bindung und Engagement, interessante und überraschende Räume sowie Erlebnisse und eine inspirierende Umgebung. Fünf Prinzipien sind bei der Planung eines stimmigen Arbeitsplatzes für zufriedene Mitarbeiter wesentlich:

Prinzip 1: Es gibt Räume für unterschiedliche Aktivitäten, wie z.B. Konzentration und Kommunikation. Diese Räume unterstützen Kreativität und Lernen und bieten dem Mitarbeiter eigene Wahlmöglichkeiten.

Prinzip 2: Komfort ist der Schlüssel. Alle Dimensionen des Wohlfühlens sollten erfüllt sein, ebenso wie der physische Komfort, vom Arbeitsplatz über die Gemeinschaftsräume bis hin zu Rückzugs- und Erholungsräumen.

Prinzip 3: Natürlich belichtete Orte für Kommunikation und Austausch mit Aussicht ins Grüne fördern gutes Benehmen das Bewusstsein für die menschliche und räumliche Umgebung.

Prinzip 4: Flexibilität und Variabilität sind eine absolute Notwendigkeit, um auf wechselnde Bedingungen schnell und effizient reagieren zu können.

Prinzip 5: Raum in Verbindung mit Natur ist erstrebenswert, also Grün nach Innen holen und Ausblicke ermöglichen.

Prinzip 6: Ein Raum ist letztlich jedoch nur so gut wie die, die in ihm führen. Sie bestimmen wieviel Wohlfühlfaktoren umgesetzt werden und wie man sie nutzt – gegenseitiges Vertrauen ist dabei das Allerwichtigste.

Es geht darum die Beziehungen, die zum Erreichen der unternehmerischen Ziele wichtig sind, perfekt in Raum umzusetzen. Gute Räume sind immer ein Beitrag zum Unternehmenswert. Es ist wie bei einem guten Essen, die Gesamtstimmigkeit zählt, von der Begrüßung bis zur Verabschiedung des Gastes. So leistet das gesamte Büro mit seinem Umfeld und seiner Organisation den entscheidenden Beitrag für ein passendes
Arbeitsumfeld, das zu Wohlfühlen und Zufriedenheit der Mitarbeiter führt und damit den Erfolg eines Unternehmens sichert.

Prof. Dr. Christine Kohlert, RBSGROUPProf. Dr. Christine Kohlert,

RBSGROUP

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Handelsblatt Journal Immobilienwirtschaft November 2017

Dieser Beitrag ist Teil der Ausgabe des Handelsblatt Journals „Immobilienwirtschaft“, das Sie hier herunterladen können.