„Wir versuchen gezielt zufällige Begegnungen zu fördern“ – Christian Dzieia, Vice President Corporate Real Estate, adidas Group im Interview


Deutschlands größter Hersteller für Sportartikel, die adidas Group in Herzogenaurach, will mit innovativen Arbeitsplatzkonzepten und modernen Gebäuden Vorreiter im Sportsegment sein. Der Einsatz macht adidas selber zum Innovator im Bereich Future Workplace. So finden sich in der „World of Sports“, dem Campus von adidas in Herzogenaurach, das 2011 eröffnete Gebäude „Laces“, dass 1.700 Mitarbeitern Platz bietet, und das „Pitch“, in dem die rund 300 Mitarbeiter des Brand Managements seit 2015 an neuen Arbeitsplatzmodellen forschen und testen. 2018 soll mit „Arena“ ein weiteres Gebäude für rund 2.000 Mitarbeitern eröffnet werden, in dem sich die neuen Arbeitsplatzkonzepte wiederfinden sollen.

Wie diese neuen Gebäude und die damit verbundenen Arbeitsplatzgestaltungen die Kreativität fördern sollen, wird der Vize-Präsident Corporate Real Estate der adidas Group, Christian Dzieia, in seinem Vortrag bei der Future Workplace & Office am 20. Juni 2017 erläutern. Im Vorfeld stand er uns schon für einige Fragen zur Verfügung.

Welches Ziel stand/steht bei der Gestaltung Ihrer Gebäude im Mittelpunkt?

Im Fokus unserer Gebäudegestaltung steht immer der Mitarbeiter. Hierbei legen wir besonderen Wert auf die Aspekte Kollaboration und Serendipity mit den Zielsetzungen, unseren Mitarbeitern ein großartiges Arbeitsumfeld zu schaffen, und ihnen gleichzeitig Möglichkeiten zu bieten, zueinander zu kommen. Unsere Mitarbeiter sollen sich im Unternehmen oder auf dem Campus über den Weg laufen. Sie sollen sich treffen, kollidieren, neue Bekanntschaften machen oder alte Bekanntschaften pflegen.
Wir versuchen zufällige Begegnungen zu fördern. Stellen Sie sich ein Wasserloch in der Steppe vor, wo man zusammenkommt. Ein solches „Wasserloch“ kann im Unternehmen eine Treppe sein, ein Café, eine Teeküche… Wir versuchen gezielt zufällige Begegnungen zu fördern.

Gibt es einen Trend oder eine Zukunftsvision, die Sie bei Ihren Planungen besonders berücksichtigen/berücksichtigt haben?

Unsere Mitarbeiter sollen direkt miteinander reden, gerade da es bei uns natürlich auch den großen Trend zur Digitalisierung gibt oder wir im Homeoffice arbeiten. Wir wollen dem Mitarbeiter gute Gründe geben, ins Büro zu kommen. Wir wollen Menschen an Orte locken, wo sie im positiven Sinne kollidieren. Unsere Mitarbeiter sollen sich bewegen. So gibt es zum Beispiel nur wenige Teeküchen, diese sind dafür aber größer und attraktiver und laden zum Verweilen ein. Die Gastronomieangebote sind unterschiedlich gestaltet und wir bieten im Unternehmen verschiedenste Sportangebote an. Auch außerhalb von Meetings sollen sich unsere Mitarbeiter treffen, wohlfühlen und gut arbeiten können.

Welche Details machen Ihre Gebäude so besonders/einzigartig?

Die Entscheidung für ein neues Gebäude wird immer aus dem Inneren getroffen. Zielsetzung ist es nie, mit der Gestaltung Preise zu gewinnen. Die Gebäude sollen zur Marke passen. Sie sollen etwas mit Sport zu tun haben und auch ohne Logo funktionieren. Die Gebäude sollen optimale Arbeitsmöglichkeiten bieten und fördern; natürlich aber auch den Sport. So gibt es bei uns im Haus ein Gym, es gibt Duschen und Umkleiden. Wir bevorzugen Treppen, auch wenn es Aufzüge gibt.
Unsere Mitarbeiter haben einen Bezug zum Sport und wir sehen es natürlich sehr gerne, wenn sie aktiv Sport betreiben und fördern dies aktiv. So gibt es verschiedenste Sportangebote und Vertrauensarbeitszeit, die z.B. auch ein Sporttreiben in der Mittagspause ermöglicht.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Ihren Mitarbeitern zu den umgesetzten Ideen/Konzepten? Wie haben Sie Ihre Mitarbeiter in den Gestaltungsprozess eingebunden?

Naturgemäß ist der Arbeitsplatz ein Thema, das die meisten Mitarbeiter am stärksten berührt. Es ist wichtig, hier eine offene Diskussion zu führen: die Mitarbeiter müssen informiert und gut mitgenommen werden. Auch bei uns gibt es kontroverse Diskussionen, die aus mangelnder Information und damit einhergehender Unsicherheit entstehen.

Zu Beginn eines Umgestaltungsprozesses gehen wir in den Dialog mit unseren Mitarbeitern. Wir versuchen herauszufinden, was gut läuft oder was die Mitarbeiter stört. Wir führen Befragungen durch und geben den Mitarbeitern die Gelegenheit, Ideen einzubringen. Auf unserer Online-Plattform kommen dann schon mal 300 und mehr Beiträge zusammen, die wir nach Relevanz filtern.
Anschließend gehen wir eher in einen Informationsmodus über. Wir gestalten Websites zu einzelnen Projekten, bieten Touren über die Baustelle an und berichten darüber, wo wir stehen und was aktuell passiert.

Bei der konkreten Arbeitsplatzgestaltung können die Mitarbeiter dann wieder aktiver werden. Beraterteams unterstützen bei der Vorbereitung und Ausgestaltung der Arbeitsplätze.