Chancen des digitalen Strukturwandels

von Dan Schilbach und Hendrik Witsch*

Die Generation Y hinterfragt. Dieses Charakteristikum trägt sie bereits im Namen. Sie ist kritisch gegenüber bestehenden Traditionen und Strukturen. Besonders, wenn sie analog sind. Überraschend ist das bei der ersten Generation der „digital natives“ nicht.

Gleichzeitig scheinen für die Generation Y andere Bedürfnisse im Fokus zu stehen als für Generationen vor ihr. Begriffe wie Sicherheit und Beständigkeit, privat wie beruflich, erleben eine Renaissance. Gerade die Zukunft soll planbar sein.

Dieses vermeintliche Paradoxon zeigt, wieso die Versicherungsbranche auf die Generation Y angewiesen ist und wieso die Generation Y in der Versicherungsbranche finden kann, was sie sucht.

Manche Strukturen in der Versicherungsbranche wirken traditionell, gar angestaubt. Das, was aus so mancher IT-Abteilung von Versicherern vernommen werden kann, klingt überhaupt nicht nach Zukunft.

Auf der anderen Seite macht das Wesen der Versicherung genau das aus, wonach die Generation Y strebt. Sicherheit und Beständigkeit für die Zukunft.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft erlebt nun auch die Versicherungswirtschaft einen Strukturwandel, der die Branche für jüngere Generationen attraktiver werden lässt.

Dieser Strukturwandel äußert sich einerseits durch veränderte Kundenerwartungen. Der Abschluss, die Verwaltung und Schadenregulierung von Versicherungen sollen intuitiv, smart und zügig erfolgen. Andererseits ruft die Digitalisierung neue Risiken hervor, die mit bestehenden Produkten nur schwer in den Griff zu bekommen sind.

Hierbei entsteht Raum für Gestaltung. Nicht nur Vertriebswege müssen zeitgemäß genutzt werden. Gleichzeitig bedarf es auch ganz neuartiger Produkte, wie etwa die Cyberversicherung. Bereits hier zeigt sich eine kleine Revolution: Als Multi-Line-Police bündelt die Cyberversicherung Elemente der klassischen Sparten, wie etwa der Haftpflicht-, Sach- und Vertrauensschadensversicherung und verfolgt damit primär einen risikozentrierten Ansatz.

Die sich aus dem Strukturwandel ergebenden Aufgaben und Herausforderungen sollten gemeinsam beschritten werden. Die Versicherungsbranche kann dabei von dem „young spirit“ profitieren, den die Generation Y mit sich bringt. Das Streben, althergebrachte Strukturen zu hinterfragen und bewusst etwas verändern zu wollen, kann die Versicherungsbranche sich zu Nutze machen, um den bereits in Gang gesetzten Strukturwandel erfolgreich zu beschreiten.

Dass das Bewältigen dieser Herausforderungen für die Versicherungsbranche ohne die Generation Y erfolgreich sein wird, ist zweifelhaft.

*Die Autoren sind Wiss. Mitarbeiter und Doktoranden am Lehrstuhl von Univ.-Prof. Dr. Christian Armbrüster, Freie Universität Berlin.