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PSD 2 – Die Versicherungsprämie als Finanzdatum

Von Eva-Maria Georgen, Ince & Co Germany LLP
Große Aufmerksamkeit haben im Jahr 2017 die Vorbereitungen auf das Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung am 01.05.2018 erfahren. Weit weniger Aufmerksamkeit ist hingegen den anstehenden Vertriebs-Effekten einer anderen auf Daten bezogenen europäischen Rechtsänderung zugekommen, die schon ab dem 13. Januar 2018 Rechtswirklichkeit wird. Im neuen Jahr werden Kontoinformationsdienste gesetzlich gestärkt. Sie werden künftig unter den Begriff der Zahlungsdienstleistung subsumiert und unterfallen damit dem dazugehörigen Regulierungsregime. Mit dieser Regulierung geht nicht nur Aufsicht einher. Es wird auch die Position der Kontoinformationsdienstleister gegenüber den kontoführenden Zahlungsdienstleistern gestärkt. Ihnen wird der Weg frei gemacht, die Finanzdaten ihrer Kunden auszuwerten und zu Vertriebszwecken zu verwerten. Ein Finanzdatum, das so künftig Dienstleistern zugänglich wird, ist die Versicherungsprämie, die im Konkurrenzkampf des Versicherungsvertriebs eine erhebliche Erkenntnisquelle sein kann.

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FinTech-Geschäftsfeld der Kontoinformationsdienstleistung

Kontoinformationsdienste sind ein Geschäftsmodell des FinTech-Zeitalters. Es geht dabei zunächst nicht um Versicherungswirtschaft, sondern um Online-Zahlungsverkehr. Ein FinTech bereitet Daten eines oder mehrerer Konten eines Zahlungsdienstnutzers (Bankkunde) auf dessen Wunsch hin auf. Der kontoführende Zahlungsdienstleister (Bank) ist künftig gesetzlich verpflichtet, dem FinTech dafür die Daten über eine Schnittstelle online zur Verfügung zu stellen. Der Nutzen des Kunden ist im Idealfall ein vereinfachter Gesamtüberblick über den Stand der betroffenen Konten in Echtzeit. Der Nutzen des Kontoinformationsdienstleisters ist die Einsicht in die Daten des Bankkunden, die es ihm ermöglichen, Produktangebote auf den Nutzer individuell zuzuschneiden.

Gesetzlicher Hintergrund

Grundlage für diese Neuerung ist die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie vom 25. November 2015 (EU/2015/2366 – Payment Services Directive 2). Alle Mitgliedstaaten sind aufgerufen, die Vorgaben der Richtlinie ins nationale Recht zu implementieren. Deutschland ist dem europäischen Handlungsauftrag mit einem Umsetzungsgesetz vom 17. Juli 2017 nachgekommen und hat unter anderem das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) novelliert. Diese Novelle tritt am Tag des Ablaufs der Umsetzungsfrist (13. Januar 2018) in Kraft.

§ 1 Abs. 34 ZAG 2018 enthält eine Legaldefinition für Kontoinformationsdienste. Zahlungsdienstleister, die ihre Tätigkeit auf Kontoinformationsdienste beschränken, müssen sich schriftlich durch die BaFin registrieren lassen (§ 34 ZAG 2018). §§ 50 ff ZAG 2018 regeln den Zugang zu den Zahlungskonten, die eigene Pflichten des FinTechs und die Pflichten der Bank. Sowohl Bank als auch FinTech sind vom Gesetzgeber aufgefordert, auf sichere Weise zu kommunizieren. Banken werden daran erinnert, Datenanforderungen der FinTechs ohne Benachteiligung zu behandeln; die andersartigen FinTechs sollen nicht von eingesessenen Instituten diskriminiert werden. Nur in Ausnahmefällen dürfen Daten zurückgehalten werden. Im Zentrum der Regelung steht schließlich der ausdrückliche zu äußernde Wunsch des Kunden, ohne den kein Dienstleister tätig werden kann. Es bedarf der ausdrücklichen Zustimmung zur Kontoinformationsdienstleistung. Durch den Inhalt des gewünschten Auftrags wird der Umfang der Datenspeicherung, der Zugriff auf die Daten und ihre Verwendung bestimmt.

Auswertung der Versicherungsprämie als Finanzdatum im Versicherungsvertrieb

Zahlungsdaten von Verbraucherkonten sind ein verlockender Anknüpfungspunkt für InsurTechs, die sich auf maßgeschneiderte Angebote in der individuellen Ansprache und Risikobewertung sonst nur bedingt offen stehenden Massengeschäft bewegen. Die Versicherungsprämie ist ein aussagekräftiges Finanzdatum.
Ein Verbraucher, der eine Versicherungsprämie über sein Konto laufen lässt, hat offensichtlich Interesse an der Absicherung eines bestimmten Risikos. Seine Kontodaten geben seinen Versicherer preis, denn er ist Zahlungsempfänger. Der Verwendungszweck soll die Zuordnung beim Zahlungsempfänger ermöglichen. Wird die Versicherungsscheinnummer angegeben, lassen sich dadurch aber oft auch Rückschlüsse auf die Sparte ziehen. Die Höhe der Prämie gibt dann Hinweise auf den Deckungsumfang. Der Zeitpunkt der Prämienzahlung kann Aufschluss über Beginn und Ende der Versicherungsperiode und auf die nächste Kündigungsmöglichkeit geben.

Mit diesen Daten wird es bei entsprechender Auswertung in der Versicherungsvermittlung möglich, Konkurrenzangebote zu erstellen und einen Wechsel vorzuschlagen. Außergewöhnliche versicherungsfremde Kontobewegungen wie etwa Umzugskosten, Reisebuchungen oder Kaufpreiszahlungen an einen Kfz-Händler können ergänzende Hinweise auf ein geändertes oder neu entstandenes Versicherungsbedürfnis sein. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich diese Daten im Versicherungsvertrieb auswirken werden.

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