„Drohnen werden nur Nischenbereiche bedienen können“


Der Online-Handel erlebt in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung. Dies hat zur Folge, dass die bisherigen Logistik-Wege stark überlastet sind. Innovationen sind daher besonders in den Metropolen notwendig, um die Auslieferung von Waren auch weiterhin pünktlich zu gewährleisten. Wie moderne Logistikkonzepte aussehen können, diskutiert und erprobt die Logistik-Initiative Hamburg. Vorsitzender der Initiative ist Prof. Dr. Peer Witten, der bei der 18. Euroforum-Jahrestagung „Die Logistik-Immobilie“ als Referent an der Podiumsdiskussion „Wachstumsmarkt E-Commerce – Ausblick 2025“ teilnehmen wird. Im Vorfeld hat er uns zu diesem Thema einige Fragen beantwortet.

Sehr geehrter Herr Professor Witten, auf der Jahrestagung „Logistik-Immobilie“ diskutieren Sie zum Thema „ Wachstumsmarkt E-Commerce – Ausblick 2025“: Zugespitzt formuliert, glauben Sie, dass der E-Commerce-Umsatz den des stationären Handels in 2025 überholt haben wird?
Die Frage wird sich voraussichtlich erübrigen, da 2025 Online- und stationärer Handel aufgrund des sich schon heute durchsetzenden Omnichannel-Ansatzes nicht mehr zu trennen sein werden.

Derzeit wird im Bereich der Logistik viel experimentiert, von Drohnen bis hin zum Roboter. Gibt es eine Technologie, bei der Sie besonders viel Potential sehen?
Drohnen bzw. Zustellroboter werden nur Nischenbereiche bedienen können, z.B. Insel- oder Almbelieferung bzw. die Abendzustellung in Einfamilienhaus-Siedlungen. Wichtiger wird das Lastenfahrrad und angelehnte Technologien, wie beispielsweise der TRIPLE. Voraussetzung für deren Einsatz ist ein Netz von Microhubs, aus denen urbane Bereiche beliefert werden können. Die Lieferung in diese Microhubs selbst muss mit Elektro- oder CNG-Fahrzeugen erfolgen.

Die sogenannte „Letzte Meile“ gehört derzeit zu den großen Herausforderungen. Gibt es eine Lösung, die Sie als besonders erfolgsversprechend erachten?
Es gibt nicht die eine Lösung. Eine Vielzahl bereits existierender Ansätze muss ineinander greifen, nebeneinander existieren oder sich ergänzen. Nutzt der Paketdienstleister ein Microhub und stellt mit dem Lastenrad zu, so ist es eminent wichtig, dass der erste Zustellversuch gelingt. Dazu bedarf es intelligenter Techniken, die den Zugang in Mehrfamilienhäuser möglich machen, um die Sendung auch rechtskonform zuzustellen, selbst wenn der Empfänger nicht angetroffen wird, z.B. in Paketkästen oder -taschen.

Wenn man einen Blick über den Tellerrand wirft, welche internationalen Logistikansätze finden Sie besonders interessant?
Paris testet wegweisende Microhub-Lösungen. In Amsterdam wird Ladung über Grachten transportiert. Solche Prozesse sind auch auf Hamburgs Fleeten denkbar. In Singapur experimentiert man mit unterirdischen Tube-Systemen.

Die Elbvertiefung bereitet dem Hamburger Hafen große Probleme. Welche Perspektiven sehen Sie für Hamburg als Logistikstandort?
Ich gehe davon aus, dass das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Frühjahr 2018 grünes Licht für die Fahrrinnenanpassung der Elbe geben wird. Damit wird Hamburg weiterhin die logistische Drehscheibe Nordeuropas bleiben.