Das Stadtwerk im sozialen Netzwerk

von Stefan Sagmeister

Viele Stadtwerk-Chefs leben noch in dem Glauben, dass wenn ihr Unternehmen nicht auf Social-Media-Plattformen vertreten ist, auch niemand schlecht darüber schreiben kann. Irrtum: Niemand kann sich den sozialen Netzwerken entziehen, schon gar nicht Unternehmen. Auch wenn man als Versorger auf keinem Portal aktiv ist, heißt das noch lange nicht, dass man dort nicht vorkommt. Die Nutzer tauschen trotzdem gute und schlechte Erfahrungen aus. Diese Information wird dann gelikt, geteilt und kommentiert. Im schlimmsten Fall führt es zum wohlbekannten Shitstorm. Und ein Unternehmen, das nicht in den sozialen Netzwerken aktiv ist, hat keinerlei Handhabe dagegen vorzugehen.

Social Media ernst nehmen

Social-Media-Experten empfehlen daher, das Thema Ernst zu nehmen. Nur wer aktiv mit dabei ist, kann auch reagieren. Es muss auch nicht immer negativ sein: Soziale Netzwerke bieten eine Chance, mit den (potenziellen) Kunden ins Gespräch zu kommen. Das Unternehmen sieht sofort, was schief, aber auch was besonders gut läuft, und kann reagieren. Soziale Medien sind sehr unmittelbar.
Was sie zudem interessant macht: Aktionen in sozialen Medien lassen sich messen. Die Fans, User, Follower oder Abonnenten geben ihnen sofort Feedback. Über 78000 Abonnenten haben beispielsweise die Stadtwerke München bei Facebook. Die Stadtwerke Hannover kommen mit dem Markenauftritt von Enercity auf knapp 9000 Abonnenten. Die Facebook-Seite der Stadtwerk Bielefeld haben knapp 3500 Personen abonniert. Auf Instagram haben die Stadtwerke Münster rund 770 Abonnenten. Die Stawag aus Aachen kommt auf dem Portal auf 657 Follower.

Ist das viel oder wenig? Mercedes Benz kommt auf Facebook auf über 20 Millionen, Bayern München auf rund 43 Millionen Abonnenten. Auf Instagram folgen dem Popstar Britney Spears 18,4 Millionen Fans. Kennen Sie Daniel Fuchs alias „magic_fox“? Auf Instagram folgen dem Model rund 1,4 Millionen Personen. Er gilt als einer der wichtigsten Influenzer in Sachen Mode in Deutschland. Jedes Foto auf Instagram mit den entsprechenden Markenklamotten lässt er sich von den Modefirmen glänzend bezahlen. Seine Einkünfte daraus sollen im sechstelligen Bereich liegen. Aber das nur nebenbei.

Kunden identifizieren sich mit ihren Marken

Die Abonnentenzahlen sind ein Hinweis, wie sich Menschen emotional mit etwas identifizieren. Strom, Gas, Wärme sind Commodities und für den Verbraucher eher unsexy. Zudem sind Stadtwerke regionale Unternehmen. Die absoluten Abozahlen sind daher so nicht vergleichbar. Wichtiger ist: Es gibt Menschen, die sich für das Unternehmen interessieren und das aktiv bekundet haben, in dem sie ihm folgen. Diese Menschen/Kunden/Stakeholder sind wohl die besten aber auch kritischsten Botschafter, die ein Unternehmen haben kann. Das sollten die Unternehmen nutzen.

Über Stefan Sagmeister:

Stefan Sagmeister
Stefan Sagmeister ist seit 2016 Chefredakteur bei Energie & Management und Vorsitzender der Euroforum Stadtwerke Tagung 2018.