Mieterstrom

Möglichkeiten der Digitalisierung – Mieterstrom als Nukleus für ein digitales Quartier

Die digitale Transformation, ein Thema, das die meisten kaum noch hören können, welches aber nach wie vor wichtig und aktuell ist. Sie beginnt mit der Digitalisierung und Automation von bestehenden Prozessen. Darüber hinaus ist es die Neuausrichtung von produktbasierten Geschäftsmodellen zu einem digitalen service-orientierten Ökosystem und nutzergetriebener Empfehlungslogik. Wer hier nicht mit macht, hat bereits verloren.

Energieversorgungsunternehmen agierten bis heute mit den Zielen die Versorgungssicherheit und operative Exzellenz sicher zu stellen. Ziele wie Innovation und Digitalisierung waren eher zweitrangig und generierten möglicherweise Zielkonflikte zum Risikomanagement und der Regulatorik.

Doch mit einer leistungsstarken Unternehmenssteuerung lässt sich dem durch die Nutzung modernster Technologien, wie Big Data, entgegenwirken. Die Veränderung der etablierten Geschäftsmodelle kann antizipiert, ein effizientes Risikomanagement etabliert werden und das alles im Rahmen der notwendigen (IT-) Sicherheit.

Laut Eric Hirsch, Senior Information Systems Architect bei HP werden: „die Geschäftsmodelle der Energieversorger künftig in großem Ausmaß auf der Auswertung und Verarbeitung von Energiedaten beruhen. Durch Near-Time Analytics können beispielsweise Energieflüsse nahezu in Echtzeit optimiert werden. Fehlfunktionen in Anlagen und Geräten werden frühzeitig erkannt oder prognostiziert, bevor sie Probleme bereiten. Dabei spielen leistungsfähige, skalierbare und hochverfügbare Backends, Data Analytics und Data Management ebenso eine zentrale Rolle wie der Schutz dieser sensiblen Daten.“

Zentraler Treiber der Digitalisierung des Energiesektors ist außerdem das Ziel zu erreichen, dass die Energie-Erzeugung und -Verbrauch ausgleichend gesteuert wird, basierend auf Informations- und Kommunikationstechnologie.

Die Verbreitung von „smarter“ Technologie im öffentlichen und privatem Bereich nimmt rapide zu. Der Smart City Markt in Deutschland wird sich in den kommenden Jahren laut einer Studie von Eco und Arthur D. Little mehr als verdoppeln: bei einem erwarteten durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 16,5% auf 20,4%, in Summe auf 43,8 Mrd. €.

Für Energieversorger ergibt sich dabei die Chance und die Notwendigkeit, sich vom reinen Energielieferanten zum umfassenden Serviceanbieter in diesen Bereichen zu entwickeln.
Es bestehen vielfältige Möglichkeiten, auch für kleinere Stadtwerke, mit digitalen Geschäftsmodellen neue Kunden zu gewinnen, bestehende zu binden und natürlich auch Geld zu verdienen. Es gibt den Bedarf für neue Mehrwertdienste und intelligente Infrastrukturen in Städten.

Der Zeitpunkt des Markteintritts ist dabei mehr denn je von entscheidender Bedeutung für Erfolg und Misserfolg. Aufgrund sinkender oder für die ältesten Anlagen demnächst gänzlich entfallender Förderung, müssen sich Betreiber mit neuen Erlösmodellen beschäftigen. Für die Energieversorger bedeutet das, genau jetzt Lösungen wie Mieter-oder Quartierstrom umzusetzen und anzubieten, denn sonst tun es andere.

Mieter und Wohnungseigentümer erhalten die Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Energien zu nutzen, der im oder am eigenen Objekt oder Quartier produziert wird. Eine EEG-Anlage (z. B. Photovoltaik oder ein BHKW im Keller) erzeugt den Strom, der dann direkt in den Haushalten verbraucht wird. Die Menge des vor Ort nicht verbrauchten Stroms soll dabei minimiert werden, da dies die Erlöse der einspeisenden Partei maximiert. Im Prinzip wird damit ein sogenanntes „Micro Grid“ errichtet.

Zunächst geht es nur um den optimierten Absatz und den vergünstigten Bezug regenerativ erzeugten Stroms. Doch die für die Umsetzung der Lösung für den Mieterstrom aufgebaute Infrastruktur bildet gleichfalls den Nukleus für etwas Größeres. Sobald die Datenübertragungstechnik, die IoT-Plattform, das Frontend und die User-Apps einmal etabliert sind, lassen sich einfach weitere Anwendungsfälle für ein digitales Quartier integrieren. Das können physisch geprägte und naheliegende sein, wie eine intelligente Beleuchtung der öffentlichen Außen- und Innenbereiche, ein Parkraummanagement, das Monitoring der Belegung von Stellplätzen an E-Ladesäulen oder ein verbessertes Abfallmanagement usw. Oder es können sicherheitsrelevante Services sein, angefangen vom Objektschutz bis zum Monitoring des Rohrleitungssystems in Haus oder Wohnung.

Höhere Ausbaustufen liefern dann Plattformen für soziale Interaktion wie z. B. ein digitales schwarzes Brett oder die den Trend zu intelligenter Selbstversorgung bedienende lokale Tauschbörse nicht nur von Waren, sondern auch von Dienstleistungen.
Die Quanto bieten ihren Kunden hierzu einen Baukasten als Lösung. Angefangen von Technologie zur Übertragung von Daten (neben den klassischen Lösungen z. B. auch LoRaWAN) über Zähler- und Sensortechnik, einer hochperformanten Datenbank auf SAP HANA Basis bis zum Frontend für den internen Bedarf eines Stadtwerks und der App für den Endnutzer. Für einen effizienten Betrieb muss eine Lösung zwingend in die vorhandene Prozess- und IT-Landschaft integriert werden. Auch hier kann Quanto mit Erfahrung und Innovationskraft sowie Umsetzungsknowhow unterstützen.

Wir freuen uns Sie auf der Stadtwerke 2018 zu sehen und Ihre Möglichkeiten zu besprechen. Denn im Bereich Digitalisierung gibt es nie nur den einen richtigen Weg.

Von: Ferdinand Lenniger, Geschäftsführer IoT-Deutschland GmbH und Head of IoT & Digitization der Quanto AG