Straßenbeleuchtung 2018


nachbericht 2018Infrastruktur in Kommunen muss regelmäßig erneuert werden, das gilt auch für das Thema Beleuchtung. Neu ist die Vielfalt der Optionen – wer heute Entscheidungen treffen will, muss sich viele Fragen stellen:

Sollen wir unsere Leuchten bereits jetzt durch LED ersetzen, oder warten wir, bis die alten Leuchten ihre Abschreibungslaufzeitdauer erreicht haben? Wieviel Strom können wir sparen? Wieviel Strom können wir sparen, wenn die Leuchten vernetzt und dynamisch regelbar sind? Wollen wir eine digitale Plattform einsetzen, die sowohl Leuchtendaten als auch weitere Umweltdaten wie Luftqualität, Pollenflug, Verkehrsaufkommen und anderes verarbeiten und darstellen kann? Wie können wir solche Daten sinnvoll nutzen? Welche Städte haben damit schon Erfahrungen gemacht? Was brauchen wir wirklich, wie bewahren wir uns einen kritischen Geist im Thema Smart City? Wie gehen wir mit dem Thema Lichtverschmutzung um? Welche Lichtfarbe wählen wir für unsere Leuchten? Welche Lichttechnik verwenden wir – Reflektor-  oder Linsentechnik? Wie können wir vermeiden, dass neue Leuchten von Anwohnern abgelehnt werden? Was heißt eigentlich heutzutage Lichtausbeute? Gibt es neue technologische Entwicklungen?

Antworten auf diese Fragen gab der 17. EUTROFORUM-Kongress „Straßenbeleuchtung 2018“ am 28. Februar und 1. März 2018 in Berlin.

Prof. Khan vom Fachgebiet Lichttechnik in Darmstadt stellte ein neues Forschungsergebnis zum Thema Lichtausbeute vor, das auf dem Weg zu einer EU-Gesetzesinitiative ist: In Zukunft soll die Lichtausbeute Lumen/W um einen Korrekturfaktor erweitert werden, der die höhere Blauempfindlichkeit der Augen bei Dunkelheit berücksichtigt. Dadurch wird die Lichtausbeute von LED-Leuchten mit höheren Kelvintemperaturen noch einmal deutlich höher, die von Natriumdampfleuchten sinkt deutlich. Um das gleiche Helligkeitsempfinden zu erreichen, muss mit höheren Farbtemperaturen so weniger Energie aufgewendet werden. Dies scheint eine sehr große Errungenschaft, was die Implementierung von Forschungsergebnissen in die Praxis betrifft. Die aktuelle Diskussion um Lichtverschmutzung wird dadurch allerdings noch einmal befeuert, wünschen sich die Gegner von Lichtverschmutzung doch am liebsten Licht mit einem sehr geringen Blauanteil im Spektrum.

Deutliche Einsparungsmöglichkeiten im Bereich Energie von mehr als 20% bietet auch die Verwendung von Midpower-LEDs, wie Michael Heidinger vom KIT in Karlsruhe aufzeigte. Hier können Leuchten neu entworfen und Kühlkörpergrößen gering gehalten werden. Etwas kritisch ist hier das Thema Entblendung, hierzu muss noch weiter geforscht werden. Das Thema steht noch am Anfang, verspricht aber interessante Chancen zur Energieeinsparung.

Neue Möglichkeiten der digitalen Leuchtenverwaltung und Vernetzung wurden unter anderem in Workshops durch die Firma Cisco und Vossloh Schwabe dargestellt. Ein EU-Forschungsprojekt zu digitalem Licht unter Federführung der Hochschule Wismar offenbarte einen spannenden Einblick in die Zukunft der nutzerzentrierten Beleuchtung.

Gleichzeitig erinnerten MinR Ralf Schulze vom BMVI und Matthias Hessling vom ELEA daran, immer auch einen kritischen Blick zu bewahren und nur die digitalen Methoden zu nutzen, die wirklich auch benötigt werden. Die von der Dialogplattform Smart Cities der Bundesregierung erarbeitete Smart City Charta gibt dazu gute Leitgedanken und sei jeder Kommune zur Orientierung empfohlen.

Deutlich wurde auf der „Straßenbeleuchtung 2018“ erneut, dass es international und national sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten gibt, in denen die technologische Revolution im Bereich städtische Infrastruktur voranschreitet, und dass jede Kommune Lösungen nach ihrem persönlichen Bedarf erarbeiten muss. Der interdisziplinäre Austausch ist dafür essentiell.

Der nächste Straßenbeleuchtungskongress findet vom 19. bis 21. Februar 2019 in Hamburg statt – merken Sie sich diesen Termin bereits jetzt vor.

Dipl.-Ing. Etta Dannemann
Studio Dannemann
Light and Innovation

www.studiodannemann.berlin