Assetklasse Quartier

Win-Win-Win für Investoren, Projektentwickler und Nutzer? EUROFORUM Konferenz4. und 5. September 2019, Frankfurt am Main


Interview mit Prof. Dr. Thomas Beyerle

Managing Director
Catella Property Valuation GmbH

 

Trendthema Quartier: Wie genau erreicht man eine erfolgreiche DNA im Mixed Use?

Herr Prof. Dr. Beyerle, immer mehr Projektentwickler planen gemischt genutzte Quartiere, woher kommt aus Ihrer Sicht diese Entwicklung?

Wir stehen inmitten der größten städtebaulichen Veränderung in Europa seit 50 Jahren: Die Doktrin der seinerzeit massiv propagierten „autogerechten Stadt“ findet zunehmend ihre Ablösung durch das Konzept der „kompakten Stadt“. Hinter dem schlicht anmutenden Begriff verbirgt sich ein grundlegender Transformationsprozess, der die westlich geprägten Gesellschaften in diesem Jahrhundert stark verändern wird. Investoren, Projektentwickler, Finanziers und Planer stellt er vor die Frage: Wie kann ein zukunftsfähiges Konzept für die „kompakte Stadt“ aussehen, in welchem Wohnen, Arbeiten, Konsumieren und Freizeitaktivitäten in idealer Weise kombiniert werden?

Welche sind in Investment und Projektentwicklung aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen in der Quartiersentwicklung?

Viele Nutzungen auf engem Raum erfordern für Investoren eine völlig neue Form der Partizipation bei der Ideenfindung, Planung und Gestehung. Denn das „Klötzchenschieben der Nutzungen“ ist bei den neuen Konzepten die erste grundsätzliche Nuss, die es zu knacken gilt. Welche Gewichtungen gesteht man Wohnen im Verhältnis zu Büro oder Retail zu? Fragen nach dem Parkraummanagement, dem privaten und öffentlichen Raumanteil innerhalb einer solchen Struktur schließen sich an. Wenn sich die städtebauliche Dynamik an den Hauptachsen und Knotenpunkten der Schienenstränge entfaltet, wird deutlich, dass es offensichtlich eine starke gesellschaftliche Metamorphose hin zu veränderten Mobilitätsanforderungen gibt.

Gibt es etwas was die deutsche Immobilienwirtschaft von internationalen Quartierskonzepten lernen kann?

Definitiv, zumal der Nutzungsmix uns 50 Jahre lang in der Lehre, Planung und Umsetzung ausgetrieben wurde. Der Nutzungsmix, neudeutsch Mixed-Use, entpuppt sich immer mehr zum Nukleus der zukünftigen Stadtstruktur, gerne auch mit einem Höhenwachstum der Gebäude versehen. Und wenn gar – wie dieser Tage zu bestaunen - die Altstadt von Frankfurt genau nach dieser historischen Vorgabe kompakt wieder aufgebaut wird, scheint das nur die neue Übersetzung eines historisch erfolgreichen Modells zu sein. Als Kopie für den Rest Europas dient es allerdings kaum. Deshalb: raus nach Europa und sich gute Beispiele wie Kings Cross in London, in Dublin das Bolands Quai oder das REDI in Helsinki anschauen und auf die deutschen Nachfrageverhältnisse übertragen.

Raus aus den Assetklassen - Liegt die Zukunft der Immobilienwirtschaft im Mixed Use?

Zwangsweise, zumal sich die Planungsbehörden immer stärker reinrassigen bzw. monofunktionalen Gebäuden wiedersetzen. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass eine Ansammlung von monofunktionalen Gebäuden also Wohnturm, Büroturm, Hotelturm oder Shopping Mall die Ingredienzien eines funktionieren Quartiers sind. Monofunktionalität im räumlichen Zusammenspiel kann dann ein lebendiges Quartier ergeben.