Assetklasse Quartier 2020

Win-Win-Win für Investoren, Projektentwickler und Nutzer? EUROFORUM Konferenz

Die Mischung macht’s: Lebendiges Quartier versus Bürostadt

Interview mit Prof. Dr. Alexander von Erdély, CEO, CBRE

Warum sind Mixed-Use-Quartiere im Moment ein großer Trend in der Immobilienwirtschaft?

Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen stellt die Immobilienbranche endlich den Nutzer – und damit meine ich den Menschen und nicht das Unternehmen – stärker in den Mittelpunkt. Und für den Menschen wirkt sich ein Mixed-Use-Quartier mit Nutzungen aus den Bereichen Büro, Einzelhandel, Gastronomie, Freizeit, Kultur und eventuell Logistik und Produktion in vielfacher Hinsicht sehr positiv aus. Denken Sie nur an die Möglichkeiten für die Work-Life-Balance, für flexible Arbeitszeitmodelle oder an die kurzen Wege im Allgemeinen. Die Alternative im Status Quo sind tagsüber ausgestorbene Wohnsiedlungen und nachts totenstille Büro- und Shoppingviertel in der Innenstadt.

Der andere Grund ist der Diversifikationsdrang der Immobilieninvestoren – je mehr unterschiedliche Nutzungen in ein Quartier integriert werden können, desto geringer wird die Abhängigkeit der Investoren gegenüber einer einzelnen Nutzungsart. Dies ist beispielsweise auch bei Mixed-Use-Hochhäusern zu erkennen, die in Deutschland immer öfter entstehen.

Ist das Ende der Assetklassen in der Immobilienbranche zum Greifen nah?

Überhaupt nicht! Dafür sind die Anforderungen der Nutzer der verschiedenen Assetklassen an ihre jeweiligen Flächen auch einfach zu unterschiedlich. Vielmehr geht es um eine wirtschaftlich, städtebaulich und sozial gleichermaßen sinnvolle und engere Verzahnung der verschiedenen Assetklassen. Dies ist ja gerade die Kunst: Flächentypen, auf denen völlig unterschiedliche Dinge passieren, miteinander sinnvoll in Einklang zu bringen.

Wie gelingt es ein lebhaftes Quartier zu gestalten, das moderne Lebenswelten kreiert?

Das ist die entscheidende Preisfrage, die sich jedoch leider nicht pauschal beantworten lässt – es gibt schlicht zu viele relevante Faktoren wie Quartiersumfeld, Makrolage, Infrastruktur und viele weitere. Dennoch sind einige wichtige Grundsätze bei erfolgreichen Quartiersentwicklungen durchaus erkennbar. So braucht es einen identitätsstiftenden, wahrnehmbaren zentralen Ort als Mittelpunkt des Quartiers – sozusagen als „Herzstück“. Da sich unsere Gesellschaft in einem steten und immer schnelleren Wandel befindet, müssen auch Quartiere entsprechend flexibel sein und leicht anpassbare Baukörper und Strukturen bieten. Zudem ist es wichtig, dass der Mensch und seine Anforderungen im Fokus steht – beispielsweise bei der Planung von Plätzen und Wegstrecken.

Wie können ein identitätsstiftendes Branding und eine erfolgreiche Mieterbindung im Quartier erreicht werden?

Es muss beides aufeinander ausgerichtet sein: Branding, Mieter und andere Nutzer aber auch die Gestaltung und Atmosphäre müssen zueinander passen und gegenseitig die gewünschte oder bestehende Kultur des Quartiers verstärken und kanalisieren. Damit ist es aber nicht getan. In Deutschland tendieren wir ja manchmal dazu, alles perfekt planen zu wollen und diesem Plan dann stur zu folgen. Aktives Quartiersmanagement bedeutet aber auch, dass man flexibel bleibt und sich Veränderungen gegenüber nicht verschließt. Die Attraktivität des Quartiers ist das A und O– dabei können Aktionen und Events helfen, welche die Nutzer zusammenbringen.