11. EUROFORUM-Jahrestagung

Baufinanzierung 2017

Ertragschancen in Zeiten von Niedrigzins und digitaler Revolution EUROFORUM JahrestagungDiese Veranstaltung hat bereits am 28. und 29. März 2017 in Köln stattgefunden!

Die Zinsen sind im Dauertief, der Wettbewerb zieht an, neue Player drängen in den Markt. Wie können in Zukunft noch Erträge im Baufinanzierungsgeschäft erwirtschaftet werden? Lesen Sie hier die ersten Antworten von unseren Experten, die wir im Vorfeld der Tagung interviewt haben.

 

Bianca de Bruijn-van der Gaag
Stv. Leiterin Vertrieb Immobilienfinanzierung
ING-DiBa AG

 

1. Die Margen sind unter Druck. Wie können Erträge auch in Zukunft erwirtschaftet werden?

Wir erwarten, dass der Druck auf die Margen langfristig nachlassen wird. Natürlich schauen auch wir, wie wir unsere Marge noch weiter optimieren können. Die Belastung unserer Kunden mit Gebühren ist für uns – Marge hin, Marge her – im Moment kein Thema. Was wir uns dagegen sehr gut vorstellen können, ist, dass wir unsere aufgeklärten Kunden in Zukunft noch intensiver mit Self-Services unterstützen. Die Digitalisierung ist und bleibt für uns hier ein sehr wichtiges Thema.

2. Wie sehen Sie die Entwicklung der Zinsen sowie die Gefahr einer Immobilienblase?

Eine Immobilienblase zeichnet sich in Deutschland nicht ab. Ja, die Kauf- und Mietpreise sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Wer genauer hinsieht, merkt aber schnell, dass es dabei regional sehr große Unterschiede gibt. Auch der Blick auf die Verschuldung der deutschen Haushalte beruhigt: Sie hält sich nicht nur in Grenzen, sie ist seit 2000 sogar gesunken. Es gibt noch zwei weitere Punkte, die gegen eine Immobilienblase sprechen. Erstens: Ein Großteil der Deutschen folgt dem Vorsichtsprinzip und finanziert solide. Das zeigen vor allem die Finanzierungsausläufe, die mit einem Anteil von 80 % am Kaufpreis sehr angemessen sind. Und zweitens ist die anfängliche Tilgung über die letzten Jahre kontinuierlich gestiegen, so dass wir sagen können: Der größte Teil unserer Immobilienkredite wird mit einer moderaten Haushaltsbelastung bedient.

3. Welche Erkenntnisse möchten Sie den Teilnehmern der Tagung mitgeben?

Wir wollen die Entwicklung der Immobilienfinanzierung frühzeitig mitgestalten. Dabei stellen wir den Kunden und seine Bedürfnisse in den nächsten Jahren noch stärker in den Mittelpunkt. Letztendlich wird es darum gehen, unseren Kunden einen selbstbewussten und eigenständigen Umgang mit ihren Finanzen zu ermöglichen. Auch in der Immobilienfinanzierung. Dafür brauchen wir die Digitalisierung. Sie ist für uns kein Projekt, sondern eine immer wieder neue Herausforderung, der wir uns heute wie in Zukunft stellen werden.

 

Jens Fehlhauer
Geschäftsführer
Genopace

 

1. Die Margen sind unter Druck. Wie können Erträge auch in Zukunft erwirtschaftet werden?

Insbesondere durch neue Geschäftsmodelle und der Erweiterung der Vertriebskanäle in der Baufinanzierung steckt eine große Chance für Regionalbanken ihre Erträge in der Zukunft zu stabilisieren und auszubauen.

2. Wie sehen Sie die Entwicklung der Zinsen sowie die Gefahr einer Immobilienblase?

Die Gefahr einer Immobilienblase in Deutschland sehe ich aktuell nicht. Ich erwarte, dass die Turbulenzen rund um Länder wie, Italien, Griechenland und Großbritannien eher dafür sorgen werden, dass das Zinsumfeld in Deutschland sich auf niedrigen Niveau seitwärts bewegen wird. An Turbulenzen durch aktuelle politische Entwicklungen von +/- 0,2 % hoch oder runter werden wir uns aber ebenfalls gewöhnen müssen.

3. Welche Erkenntnisse möchten Sie den Teilnehmern der Tagung mitgeben?

Durchbrechen Sie alte Strukturen in der Baufinanzierung und öffnen sich neuen Vertriebskanälen und neuen Absatzmärkten.

 

Thomas Killius
Bereichsleiter Regionales Kundengeschäft
Berliner Volksbank eG

 

Die Margen sind unter Druck. Wie können Erträge auch in Zukunft erwirtschaftet werden?

Die private Baufinanzierung steht schon seit vielen Jahren unter erheblichem Margendruck. Gleichwohl ist der Immobilienerwerb wohl die bedeutendste Finanzentscheidung eines Privatkunden. Daher sehen wir die damit verbundene Finanzierung als einen wichtigen Anker in der langfristigen Kundenbindung. In unsere Finanzierungsvorschläge integrieren wir für unsere Kunden neben bankeigenen Produkten, die Produktlösungen unserer Verbundpartner und insbesondere auch die vielfältigen Möglichkeiten der staatlichen Förderung. Weiterhin steht die langfristige finanzielle Begleitung unserer Kunden im Fokus. Hierzu gehören auch zunehmend kreative Ideen über Assist Leistungen oder Kooperationen rund um die Immobilie. Zusammengefasst bildet die genossenschaftliche Beratung die Basis unserer Baufinanzierung und damit die Grundlage für die Erwirtschaftung unserer Erträge.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Zinsen sowie die Gefahr einer Immobilienblase?

Die Entwicklung der Zinsen beobachte ich seit längerer Zeit aufmerksam. Wir haben uns jedoch in der Berliner Volksbank eG auf entsprechende Rahmendaten im Kontext der Beratung und Betrachtung der Vorgaben aus der Wohnimmobilienkreditrichtlinie verständigt. Weiterhin erfolgen unsere Wertermittlungen mit engen Leitplanken. Diese geben uns die Sicherheit für evtl. Veränderungen.

Welche Erkenntnisse möchten Sie den Teilnehmern der Tagung mitgeben?

Wir haben in Berlin und Brandenburg nach wie vor einen wachsenden Bedarf an Wohnraum. Gleichzeitig ist der Anteil der Immobilienbesitzer im Vergleich zum Ausland in Deutschland und insbesondere in Berlin und Brandenburg unterdurchschnittlich und damit auf sehr niedrigem Niveau. Deshalb begleiten wir die Veränderungen des Marktes (Digitalisierung, Vermittlergeschäft) aktiv und verändern uns stetig. Dies bildet die Grundlage unseres Erfolges.

 

Dr. Johannes Feuling
Gründungsmitglied und Geschäftsführer
Gute-banken.de

 

1. Die Margen sind unter Druck. Wie können Erträge auch in Zukunft erwirtschaftet werden?

Einfache Antwort: Man sollte sich vor allem auf diejenigen Elemente konzentrieren, die man auch beeinflussen kann. Nachdem die generelle Zinsentwicklung für einzelne Häuser nicht steuerbar ist, bleibt die Qualität der ausgereichten Darlehen eine wesentliche Größe zur Sicherung von Ertrag und Existenz. Hier sollte gelten: Man muss nicht jedes Geschäft machen, nur weil man es machen kann. Je weniger Distress man sich sehenden Auges einkauft, desto nachhaltiger die Erträge.

2. Wie sehen Sie die Entwicklung der Zinsen sowie die Gefahr einer Immobilienblase?

Hier dürfte schon bald die normative Kraft des Faktischen greifen. Eine weitere künstliche Zins-Depression wirkt sich auf nahezu allen gesellschaftlich relevanten Ebenen kontraproduktiv aus. Bereits heute gefährdet der Niedrigzins die Infrastruktur der Altersvorsorge für Millionen Menschen. Um den Kollaps von Lebensversicherern und Pensionsfonds zu vermeiden, wird der Zins steigen. Eine Immobilienblase entsteht, wenn überhitzte Immobilienpreise ohne kritischen Blick auf die langfristige Machbarkeit finanziert werden.

3. Welche Erkenntnisse möchten Sie den Teilnehmern der Tagung mitgeben?

Das Primat der rein ökonomischen Rationalität hat sich erschöpft. Wir bewegen uns auf eine Phase zu, in der die Bedeutung gesellschaftlicher Aspekte wieder wachsen wird. Dazu gehört neben Initiativen wie UNPRI und ESG-Kriterien auch das social web. Wir bekommen einen extrem starken Kunden. Der Wettbewerb wird dabei nicht über Produkte, Preise oder Kanäle, sondern über Sinnstiftungsmodelle geführt, denen die Kunden folgen wollen. Wer hier auf Augenhöhe kommuniziert, den Kontakt zum Kunden behält und gesellschaftliches Engagement lebt, wird als starke Marke bestehen bleiben. Gerade regionale Häuser könnten hier Vorteile ausspielen. Gehen Sie damit um!

 

Christoph Pape
Persönlich haftender Gesellschafter
Christoph Pape & Partner

 

1. Die Margen sind unter Druck. Wie können Erträge auch in Zukunft erwirtschaftet werden?

Dazu gibt es zwei Hebel:
1) Die Banken und Sparkassen müssen sich noch viel mehr um die Hebung Ihres Datenschatzes kümmern. Nur so erreichen Sie den immer mehr in die digitale Welt abdriftenden Kunden und können die Kundenbindung entsprechend erhöhen. Und nur dann bieten Sie Ihrem Kunden die Baufinanzierung an, wenn er sie benötigt. Davon profitieren beide Seiten.
2) Die Banken und Sparkassen müssen die Prozesskosten in der operativen Marktfolge durch Digitalisierung der Prozesse extrem reduzieren um endlich das Ziel der Vertriebsbank / Vertriebssparkasse zu erreichen.

2. Wie sehen Sie die Entwicklung der Zinsen sowie die Gefahr einer Immobilienblase?

Die Zinsen werden noch eine geraume Zeit auf dem jetzigen Niveau verharren und anschließend langsam steigen. Jede andere Vorgehensweise, die natürlich die EZB zu verantworten hat, würde die Volkswirtschaften in ganz Europa in starke Turbulenzen führen. Es wird aufgrund der jetzigen Zinssituation zu selektiven Überhitzungen z.B. In Großstädten kommen. Aber grundsätzlich sehe ich keine Immobilienblase.

3. Welche Erkenntnisse möchten Sie den Teilnehmern der Tagung mitgeben?

Die Teilnehmer sollten Impulse aufnehmen, wie Sie in Ihrem beruflichen Umfeld die oben beschriebenen Herausforderungen meistern können.