Euroforum Jahrestagung

Chemie- und Industrieparks

EUROFORUM Jahrestagung26. und 27. November 2019, Frankfurt

Interview mit Herrn Stadtrat Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und Feuerwehr der Stadt Frankfurt am Main

Frankfurt wird von vielen als  Flughafen- und Bankenstadt wahrgenommen. Macht es überhaupt Sinn, gerade hier eine Chemietagung zu veranstalten?

Ja, auf jeden Fall, denn Frankfurt am Main ist auch eine Industriestadt. Ich möchte betonen, dass die Industrie für Frankfurt von herausragender gesellschaftlicher Bedeutung ist. Sie steht für attraktive Ausbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten, ist Impulsgeber für Innovationen und leistet einen ganz erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens unserer Stadt.

Das gilt auch für die Chemie?

Richtig. Gerade die chemisch-pharmazeutische Industrie ist traditionell stark in Frankfurt am Main verwurzelt und trägt seit über 150 Jahren zum Wohlstand in unserer Stadt bei. Deshalb freue ich mich, dass die Euroforum Jahrestagung Chemie- und Industrieparks in diesem Jahr wieder bei uns in Frankfurt am Main stattfindet. Fragen der Standortentwicklung von Chemie- und Industrieparks berühren auch unmittelbar die Entwicklung unserer Stadt, und umgekehrt betrifft die Stadtentwicklung auch die Chemieparks. Daher sind wir gerne wieder Gastgeber für eine Fachveranstaltung, die ich als ein sehr hochkarätig besetztes Forum von Expertinnen und Experten erlebe.

Eine wichtige Rolle wird in diesem Jahr die Frage spielen, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit Chemie-Standorte in Deutschland nicht nur eine stolze Tradition, sondern auch weiterhin eine Zukunft haben. Welchen Beitrag kann die lokale Politik hierzu leisten?

Zunächst einmal möchte ich hervorheben, dass die Grundlagen für diese Zukunft bereits heute gelegt werden: Alleine im Industriepark Höchst sind seit dem Jahr 2000 in Summe über 7,6 Milliarden Euro investiert und etliche Innovationen vorangetrieben worden. Der Industriepark Höchst ist ein Investitionsmagnet.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen, beispielsweise was globale ökonomische und politische Entwicklungen betrifft. Gerade deshalb halte ich es jedoch für wichtig, dass wir vor Ort einen gemeinsamen Standortdialog führen zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft. Im Rahmen des Masterplans Industrie mit insgesamt 30 Projekten auf acht Handlungsfeldern, der 2016 vom Magistrat der Stadt Frankfurt verabschiedet wurde, pflegen wir diesen Dialog intensiv und das trägt mit der Zeit dann auch Früchte.

Ich denke da etwa an die gemeinsame Vereinbarung der Stadt Frankfurt am Main mit den Betreibern und Nutzern der Industrieparks Höchst, Griesheim und in Fechenheim zur Umsetzung der Seveso-III-Richtlinie, über die das Stadtplanungsamt bei der letzten Euroforum Jahrestagung Chemie- und Industrieparks berichtete. Frankfurt ist Vorreiter Im Umgang mit der Abstandsproblematik. Gemeinsam konnten wir eine Vorzeigelösung erarbeiten, die die Entwicklungsfähigkeit der Unternehmen in den Industrieparks wahrt und gleichzeitig neue Perspektiven für die Stadtentwicklung eröffnet.

Wichtig ist letztlich vor allem eines: Wenn es um Stadtentwicklung geht, dürfen wir die Industrie nicht als fünftes Rad am Wagen betrachten. Wir brauchen die Industrie als eine treibende Kraft – erst Recht in einer wachsenden Stadt wie Frankfurt am Main.