INNOVATIONSTAG

Digitale Transformation - Strategien für Stadtwerke

CHEFSACHE DIGITALISIERUNG – jetzt umsetzen! EUROFORUM KonferenzDiese Veranstaltung hat bereits am 29. September 2015 in Stuttgart stattgefunden!

Interview mit


Bernhard Fenn
HEAG Südhessische Energie AG (HSE)

 

Bernhard Fenn ist seit 2007 Prokurist der HSE AG. Er ist in verschiedenen europäischen und deutschen Forschungsprojekten für die Energieversorgung der Zukunft als Projektleiter und Konsortialführer tätig. Seit 2009 ist Herr Fenn außerdem auch technischer Geschäftsführer des gemeinnützigen NATURpur Institutes für Klima- und Umweltschutz gGmbH. Neben seiner Tätigkeit als Referent und Fachdozent an verschiedenen Lehreinrichtungen hat Herr Fenn auch zahlreiche Fachpublikationen für unterschiedliche Bereiche der Energieversorgung verfasst.

1. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ihr Unternehmen aus?
Die Digitalisierung hat deutliche Auswirkungen auf unser Unternehmen. Wir werden hierdurch noch mehr zur Datendrehscheibe.

2. Wo stehen Sie heute?
Wir stehen noch am Anfang und verwalten derzeit "nur" die regulierten Daten in einer eigenen Tochter.

3. Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
Wir möchten zusätzlich die vertrieblichen Daten für alle Vertriebe und Kunden zur Verfügung stellen.

4. Wie beurteilen Sie Kooperationen und Partnerschaften?
Kooperationen und Partnerschaften erachten wir als ganz wichtig! Die Aufbereitung und Verteilung von Daten ist nur bedingt unser Geschäft – hier sind wir auf Partner angewiesen.

5. Welche Eigenschaften müssen Partner mitbringen?
Bei der Partnerwahl stehen Erfahrungen auf dem Gebiet der Digitalisierung an erster Stelle. Wir arbeiten heute schon mit Partnern in diesem Bereich zusammen.

6. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Ihren Vertrieb?
Unser Vertrieb muss sich durch die Digitalisierung noch mehr auf die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen fokussieren. Dies geschieht häufig zusammen mit Partnern.

7. Wie gehen Sie mit den Anforderungen des "digitalen Kunden" um?
Um die neuen Anforderungen der Kunden besser kennenzulernen, binden wir diese in Pilotprojekten ein.

Interview mit


Andrea Vogt
Stadtwerke Troisdorf GmbH

 

Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre in Bonn war Andrea Vogt zunächst ab 1990 bei der Ernst & Young Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft mbH als Prüfungsleiterin tätig. 1994, nach bestandenem Steuerberaterexamen, wechselte sie als kaufmännische Abteilungsleiterin zu den Stadtwerken Troisdorf.

Seither ist sie in verschiedenen Führungspositionen bei der städtischen TroiKomm GmbH und ihren Beteiligungen tätig.

Zeitgleich mit ihrer Ernennung zur Geschäftsführerin der Stadtwerke Troisdorf GmbH wechselt sie zum 1. April 2013 auch in die Geschäftsführung der TroiKomm GmbH. Dort trägt also ebenfalls das Führungsduo Peter Blatzheim und Andrea Vogt die Verantwortung.

1. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ihr Unternehmen aus?
Die Digitalisierung wirkt sich grundsätzlich auf alle Wertschöpfungsstufen eines Unternehmens aus.
Im Bereich der Stromverteilung ist die Nutzung der Daten auf der Basis digitalisierter Infrastrukturen die Grundlage für "smarte Netze". Im Hinblick auf die zunehmende Anzahl dezentraler Erzeugungsanlagen auf der Verteilnetzebene ist zur Sicherstellung der Netzstabilität sowie zur Netzsteuerung eine zeitnahe Bereitstellung und Verarbeitung der entsprechenden Daten notwendig.
Gleichzeitig wird auf der Nachfrageseite eine stärkere Kundensegmentierung erfolgen. Die Analyse und Auswertung der Kundendaten wird an Bedeutung zunehmen, um spezifisch für Kundengruppen neue Produkte anbieten zu können. Die Kunden erwarten individualisierte Angebote, angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse. Durch neue mobile Endgeräte werden zunehmend auch Dienstleistungen in Form von Apps und Services angeboten.

Für Gewerbe- und Industriekunden dient die automatische Energiedatenerfassung als Grundlage für Einführung von Energiedatenmanagement-Systemen zur Realisierung von Einsparmaßnahmen und zur effizienteren Gestaltung von Produktionsprozessen. Dies ist die Grundlage für weitergehende Dienstleistungsangebote.

Auch der Kontakt zum Kunden verändert sich. Das www als zentrales Schaufenster zur Kundenkommunikation sowie die Nutzung von Social Media als Informationskanal werden zunehmend wichtiger.

Mit zunehmender Digitalisierung gewinnen die IT sowie die IT-Sicherheit an Bedeutung. Dies führt zu steigenden Kosten in diesem Bereich.

2. Wo stehen Sie heute?
Bereits jetzt erfolgen viele Prozesse (z.B. Lieferantenwechsel) Richtung Marktpartner standardisiert über Marktkommunikation in einheitlichen Formaten.

Allerdings ist eine hohe Datenqualität Voraussetzung für eine Verarbeitung und Auswertung der Daten. Hierzu ist in vielen Fällen eine Bereinigung der vorhandenen Daten sowie eine stärkere Verknüpfung der Datenbanksysteme notwendig.

Die Stadtwerke haben hierzu ein Projekt aufgelegt, um die vorhandenen Daten zu bereinigen und eindeutige Informationen aus einem einheitlichen System zu erhalten. Vor dem Hintergrund erheblich steigender Datenmengen in der Zukunft ist dieses Projekt notwendig, um ausgehend von dieser Datenbasis die Daten strukturiert weiterverarbeiten zu können.

Um den Kunden individuelle Angebote unterbreiten zu können, fehlen uns zurzeit in vielen Fällen noch Informationen über das individuelle Verbrauchsverhalten.

Darüber hinaus sind viele Informationen im Hinblick auf zukünftige Kommunikationskanäle zum Kunden, z.B. e-mail-Adresse oder Mobilfunknummer, noch unbekannt.

3. Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
Die Bedeutung der digitalen Kundenschnittstelle wird zunehmen, und es wird für jeden Kunden eine größere Transparenz über Energieverbrauch und Kosten geben, als es derzeit in der analogen Welt möglich ist.
Die individuelle Datenanalyse und –auswertung wird die Grundlage für die Entwicklung neuer Produkte.

4. Wie beurteilen Sie Kooperationen und Partnerschaften?
Aufgrund des erheblichen Anstiegs der zu verarbeitenden Daten wird der Informationstechnologie eine erhebliche Bedeutung zukommen. Inwieweit jedes Unternehmen die Systeme in eigener Verantwortung vorhalten sollte, ist vor dem Hintergrund hoher Fixkosten fraglich. Hier sind Kooperationen sinnvoll, um durch die Bündelung eine Kostendegression zu erzielen. Bereits jetzt wird z.B. im Zusammenhang mit der Einführung der smart meter über Kooperationen beim Gateway Administrator diskutiert.

5. Welche Eigenschaften müssen Partner mitbringen?
Entscheidend ist, dass die Stadtwerke den Kontakt zum Endkunden nicht verlieren.

6. In welchen Bereichen sehen Sie Chancen für digitale Geschäftsmodelle?
Durch die Erfassung der Daten auf Erzeugungs- und Verbrauchsseite ist zukünftig eine bessere Abstimmung zwischen Angebot und Nachfrage möglich. Dies trägt zur Netzstabilität bei und erleichtert die Netzsteuerung. Gleichzeitig können auf der Grundlage individueller Verbrauchsdaten auf den Kunden zugeschnittene Angebote entwickelt werden.

7. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Ihren Vertrieb?
In Zukunft entstehen branchenübergreifend vollkommen neue Nutzungs- und Kommerzialisierungsmöglichkeiten für die aus den unterschiedlichsten Datenquellen erhobenen Daten.
Wir sehen ein erhebliches Veränderungspotenzial in unserem Geschäftsmodell durch die fortschreitende Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf das Kundenverhalten bzw. Kundenbedürfnisse und stellen uns z.B. darauf ein, indem wir zunächst unser Kerngeschäft um zusätzliche Services im Online-Angebot ergänzen. Darüber hinaus sehen wir die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Kundenmanagements. Informationen über den Endkunden werden systematisch ausgewertet und führen zu individuellen Angeboten bezogen auf das jeweilige Nutzungsverhalten. Diese Angebote gehen weit über den eigentlichen Energieverkauf hinaus.
Gleichzeitig werden neue Formen der Kundenkommunikation z.B. über Online-Kanäle weiter an Bedeutung gewinnen.

8. Wie gehen Sie mit den Anforderungen des "digitalen Kunden" um?
Wir werden durch die Gestaltung neuer Produkte den sich verändernden Kundenbedürfnissen Rechnung tragen, und durch die Bündelung verschiedener Dienstleistungen den Kunden an uns binden, um den Zugang zum Haushalt nicht zu verlieren.