IFRS 17

UMSETZUNG DES INTERNATIONALEN RECHNUNGSLEGUNGSSTANDARDS FÜR VERSICHERER EUROFORUM KonferenzDiese Veranstaltung hat bereits am 14. und 15. November 2019 in Köln stattgefunden!

IFRS 17 für Versicherungsverträge: Auf der Zielgerade zur Erstanwendung

Prof. Dr. Joachim Kölschbach
Partner bei KPMG, Köln




IFRS 17 liegt seit gut über zwei Jahren vor. 20 Jahre hatte die Entwicklung gebraucht. 2021 sollte er nun erstmals anzuwenden sein. Das IASB hat die Versicherer bei der Umsetzung eng begleitet und zahlreiche Bedenken sowie Umsetzungsprobleme festgestellt. Um diesen Rechnung zu tragen und um die Umsetzung zu erleichtern, hat es im Juni Änderungen des IFRS 17 in sieben Bereichen vorgeschlagen. Um den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, die Änderungen noch umzusetzen, schlägt das IASB vor, die Erstanwendung um ein Jahr bis zum 1. Januar 2022 zu verschieben.

Versicherer sind derzeit unter bestimmten Voraussetzungen befreit, Finanzinstrumente nach dem neuen Standard IFRS 9 abzubilden; sie sollten die Bilanzierung von Kapitalanlagen – das sind weitestgehend Finanzinstrumente – und von versicherungstechnischen Rückstellungen gleichzeitig umstellen dürfen. Das IASB hat daher vorgeschlagen, auch hier den Anwendungszeitpunkt auf 2022 zu verschieben.

IFRS 17 ist erstmals ein einheitlicher internationaler Rechnungslegungsstandard für Versicherungsgeschäfte. Die derzeitige Bilanzierung nach dem Übergangsstandard IFRS 4 erlaubt keine Vergleichbarkeit, da er erlaubt alte Praktiken fortzusetzen. Es ist verständlich, dass Analysten und Investoren jetzt endlich eine wirklich vergleichbare und transparente Rechnungslegung der Versicherer fordern, denn das, was die Versicherer derzeit unter IFRS und Solvency II berichten, ist für eine Performancemessung unzureichend. Und es ist auch im Interesse der Versicherer ihre Projekte nicht weiter zu verzögern und zu verteuern. IFRS 17 ist ein sehr komplexer Standard und stellt hohe Anforderungen an die Umsetzung. Die Umsetzung betrifft nicht nur das Rechnungswesen und das Aktuariat, sondern auch viele andere Bereiche. Daten, Systeme und Prozesse sind anzupassen. Deutsche Versicherer sind mit der Umsetzung relativ weit fortgeschritten: Die Früchte der aufwendigen Arbeiten sollen jetzt geerntet werden. Das Anliegen aus anderen EU-Staaten, die Erstanwendung weiter zu verschieben, ist daher kritisch zu sehen.

Welche Erleichterungen und Änderungen schlägt das IASB vor?

  • Bestimmte Kreditkarten und Darlehen, die Versicherungsdeckungen beinhalten und in der Regel von Nichtversicherungsunternehmen ausgegeben werden, müssen nicht zwingend nach IFRS 17 bilanziert werden; der Anwendungsbereich des IFRS 17 bleibt damit im Wesentlichen auf Versicherungsunternehmen begrenzt.
  • Bei bestimmten Verträgen, die Investmentmanagement-Dienstleistungen beinhalten, werden Gewinne auch entsprechend deren Erbringung und nicht nur entsprechend dem erbrachten Versicherungsschutz vereinnahmt; so wird die tatsächliche Performance besser dargestellt.
  • Kosten für den Abschluss von Versicherungsverträgen werden auch auf erwartete Vertragsverlängerungen, außerhalb der Vertragsgrenzen des ursprünglichen Vertrages, verteilt; damit werden die Abschlusskosten in Perioden aufwandswirksam, in den die erwarteten Margen zu ihrer Deckung ertragswirksam werden.
  • Bestimmte Risikominderungen über Rückversicherung können entsprechend dem Risikomanagement auch im Abschluss berücksichtigt werden, so wie im bisherigen IFRS 17 schon für Derivate vorgesehen.
  • Der Ausweis von Versicherungsverträgen als Aktiva oder Passiva aus Versicherungsverträgen wird auf Portfolio-Ebene ermittelt; das erleichtert die Zuordnung von fälligen Beitragsforderungen und anderen Abrechnungsposten zu den Bilanzierungseinheiten.
  • Soweit erwartete Verluste quotal vom Rückversicherer getragen werden, dürfen entsprechende Gewinne aus Rückversicherung simultan ausgewiesen werden.
  • Die Bilanzierung von vor dem Übergang auf IFRS 17 im Rahmen von Unternehmenserwerben übernommenen Schadenrückstellungen wird erleichtert.

Nicht übernommen hat das IASB die Petition der Branche, auf eine Bewertung auf der Basis von Jahresscheiben sowie auf die Anpassung der Vorjahreszahlen bei der Erstanwendung verzichten zu können. Ein weiteres operatives Problem ist es, dass sich das Jahresergebnis aus der Addition der Zwischenergebnisse ergeben soll; es hängt damit von der Berichterstattungsfrequenz ab. Durch ein begrenztes Einlenken, ohne die Prinzipien des Standards zu verbiegen, könnte das IASB die Anwendung des IFRS 17 hier vereinfachen

Die Veröffentlichung der endgültigen Änderungen ist bis Mitte 2020 vorgesehen. Vor Anwendung muss der Standard noch von der EU angenommen werden. Das heißt die weiteren Schritte der EU-Gremien zu beobachten.

In der IFRS 17 Konferenz am 14. und 15 November in Köln werden wir all das diskutieren und die Teilnehmer können sich fitmachen für 2022.