2. EUROFORUM-KONFERENZ

Intraday-Handel Strom

Digitalisierung und Automatisierung als Wachstumstreiber EUROFORUM Konferenz5. bis 7. Dezember 2018, Düsseldorf

EUROFORUM  Intraday-Handel am 07./08.12.2017


Zusammenfassung der Konferenz
Das Energiesystem durchläuft derzeit einen hochdynamischen Transformationsprozess. Die D4 - Dekarbonisierung, Dezentralisierung, Demokratisierung und Digitalisierung sind die großen Treiber, die die Umgestaltung des Energiesystems bereits seit einiger Zeit, und künftig in deutlich höherem Maße prägen werden. Auf der 1. EUROFORUM-Konferenz „Intraday-Handel“ wurden insbesondere Aspekte der Digitalisierung beleuchtet, die als industrieübergreifender Mega-Trend von zentraler Bedeutung für alle EVU ist, die am Markt auch in Zukunft eine Rolle spielen möchten. Es wurde u.a. diskutiert, welche Chancen und Herausforderungen sich im Zusammenhang mit zunehmender zeitlicher und geografischer Integration der Märkte, der Vermarktung von Flexibilität und der Automatisierung des Handels ergeben. Insgesamt lässt sich ein Wechsel der Aufgabenfelder von EVU erkennen, weg von kapitalintensiven Asset-Giganten hin zu agilen Anbietern Know-how basierter Dienstleistungen – vorzugsweise in der Cloud. In Anlehnung an die IT-Branche werden Geschäftsmodelle zunehmend als flexible as a Service Lösungen angeboten wie z.B. Portfoliooptimierung as a Service oder Algo-Trading as a Service.

Marktübergreifende Flexibilitätsvermarktung
In einem zunehmend von fluktuierenden Erneuerbaren Energien geprägten Markt mit hoher Preisvolatilität gewinnt die Vermarktung von Flexibilität stetig an Bedeutung. Während die Margen auf den Regelleistungsmärkten seit Jahren sinken und die Unsicherheit aufgrund erwarteter Änderungen des Marktdesigns wächst, wird parallel dazu die Teilnahme am Regelleistungsmarkt vereinfacht. Gleichzeitig nimmt die Handelsaktivität auf den Intraday-Märkten beständig zu und die europäische Integration der Märkte schreitet weiter voran. Vor dem Hintergrund zunehmender Dezentralisierung und steigender Akteurszahlen wächst der Bedarf an markübergreifenden Optimierungs-Dienstleistungen unter komplexen Randbedingungen. Eine wichtige Unterstützung für eine effiziente Portfolio-Bewirtschaftung ist dabei die Möglichkeit einer Just-in-Time Ansteuerung der Anlage durch den Handel. Im Rahmen einer zunehmenden Automatisierung kommt dieser Schnittstelle eine wachsende Bedeutung zu.

Automatisierung des Handels
Die Automatisierung des Handels ist einer der elementaren Transformationsprozesse in der Energiewirtschaft, der vor etwa zwei Jahren leise begonnen hat und für viele EVU mittlerweile von fundamentaler Bedeutung ist. Automatisierter Handel bietet die Möglichkeit, deutlich mehr Informationen in kürzester Zeit zu verarbeiten und Handelsentscheidungen von menschlicher Irrationalität zu entkoppeln. Je nachdem, welcher Entscheidungsspielraum der Handelssoftware eingeräumt wird, kann zwischen Auto-Trading und Algo-Trading unterschieden werden. Geht es darum von Menschen getroffene Entscheidungen, statisch auszuführen (durch-rooten), handelt es sich um Auto-Trading. Trifft die Software jedoch selbst Handelsentscheidungen, die das Resultat der dynamischen Verarbeitung von Marktinformationen sind, handelt es sich um Algo-Trading.

Wie neu das Algo-Trading für die Energiebranche ist, zeigt sich auch daran, dass bisher kein eigener rechtlicher Rahmen zur Regulierung des algorithmischen Handels in der Energiewirtschaft besteht. Als Blaupause für den automatisierten Handel und speziell das Algo-Trading gilt häufig die Finanzwirtschaft, in der sich die aktuellen Entwicklungen der Energiewirtschaft bereits vor Jahren abgespielt haben. Im Vergleich zur Finanzwirtschaft zeichnet sich die Energiewirtschaft jedoch durch deutliche schärfere Regulierungen und physikalische Einschränkungen aus, was den gesamten Automatisierungsprozess deutlich komplexer gestaltet. Einher mit der Automatisierung des Handels geht die Wandlung der Aufgaben des Traders. Die Übernahme von traditionellen Trader-Aufgaben durch die IT entlastet diesen und lässt neue Freiräume entstehen. Auf der anderen Seite stehen Handelsabteilungen nun neuen Herausforderungen gegenüber. Kompetentes Monitoren der Handelsalgorithmen und Kenntnisse im Bereich quantitativer Methoden, gepaart mit energiewirtschaftlichem Know-how, sind die neuen Schlüsselfähigkeiten. Wer in der Lage ist, die komplexe Algorithmen zu bauen, hat gute Chancen, auch in Zukunft im Wettbewerb zu bestehen.

Autor: Sofian Makhloufi, TU Berlin, Student
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