7. EUROFORUM-Jahrestagung

Kreditprozesse der Zukunft

Innovativ, praxisnah und inspirierend für das Retail- und Firmenkundengeschäft EUROFORUM TagungDiese Veranstaltung hat bereits am 20. und 21. November 2017 in Düsseldorf stattgefunden!

Kreditprozesse der Zukunft

Ulf Meyer
Interview mit Gerrit von der Hardt

Leiter Digitalisierung und Automatisierung, TARGO Dienstleistungs GmbH
 

5 Fragen – 5 Antworten

Herr von der Hardt, Sie sind in diesem Jahr Gastgeber des Besichtigungsprogramms, und wir freuen uns im Rahmen der Tagung exklusiv hinter die Kulissen des TARGO Dienstleistungscenters in Duisburg blicken zu dürfen. Vorab möchten wir Ihnen gern 5 Fragen stellen, damit Sie uns neugierig machen können.

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Kreditprozesse der Zukunft

Ulf Meyer
Interview mit Ulf Meyer

Geschäftsführer SWK Bank
 

4 Fragen –4 Antworten

Herr Meyer, Sie sind in diesem Jahr Referent auf der 7. EUROFORUM Jahrestagung „Kreditprozesse der Zukunft“ und werden über die „Zukunft der digitalen Kreditbearbeitung“ sprechen. Vorab sind wir neugierig und möchten Ihnen 4 brennende Fragen stellen.

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Digitalisierung 2.0 im Kreditgeschäft

FinTech-Angriff abgeblasen, nur nicht im Kreditgeschäft

Der Markt der FinTechs befindet sich in einer deutlichen Konsolidierung, es vergeht kaum eine Woche ohne eine Insolvenz oder den Notverkauf eines FinTechs. Die Disruption, ja die avisierte Zerstörung der Banken ist vorerst abgeblasen. Mittlerweile setzen die meisten FinTechs auf Kooperationen mit Finanzdienstleistern und fühlen sich wohl in der friedlichen Koexistenz. Der Grund liegt in den zumeist unterschätzten Problemen der Markenbildung, der dadurch recht teuren Neukundengewinnung und letztlich in den geringen Margen der Geschäftsmodelle, insbesondere im Investment- und Payment-Bereich. Hingegen verzeichnen FinTechs mit einem Fokus im Kreditgeschäft einen positiven Geschäftsverlauf. In ihrem Geschäftsmodell agieren sie in der Regel mit höheren Volumina und Margen und haben daher mehr Geld für Investitionen in Werbung und Kundengewinnung.

auxmoney ist zum Beispiel nach eigenen Angaben mit 500 Mio. € Finanzierungsvolumen die größte Peer-to-Peer-Kredit-Plattform in Europa. Dieses Start-Up richtet sein Angebot derzeit an eher bonitätsschwachen Privatkunden aus, besetzt hier eine recht große und stark wachsende Nische und lässt sich die Kreditvermittlung mit 3% vergüten. auxmoney setzt dabei auf einen voll automatisierten Online-Prozess mit Real-Time-Zusagen, der fast ohne jegliche manuelle Bearbeitung auskommt. Im Januar 2017 hat der niederländische Versicherer und Vermögensverwalter Aegon verkündet, das weitere Wachstum von auxmoney mit 1,5 Mrd. € zu finanzieren. Sollte sich dieser Kreditmarktplatz-Anbieter eines Tages entschließen, sein Geschäftsmodell auf bessere Bonitäten auszurichten, könnte den Banken ein veritabler Konkurrent mit minimalen Grenzkosten drohen.

Das Imperium schlägt zurück: Banken im E2E-Digitalisierungs-Rausch

Lange haben Banken dem FinTech-Boom nur abwartend zugeschaut. Mittlerweile haben fast alle Institute ihre digitalen Hausaufgaben angenommen und investieren signifikant in die Digitalisierung der Kundenschnittstelle und des gesamten Geschäftsmodells.

Auf allen Umsetzungsplänen stehen mittlerweile der private und gewerbliche Online-Kredit und die komplette E2E-Digiatlsieung der Kreditstrecken. Dabei wurden in den letzten Monaten weitere regulatorische Hürden, wie das Onboarding von Neukunden via Video-Ident und die elektronische Unterschrift bei Kreditverträgen überwunden. Wir erwarten, dass sich diese beiden Neuerungen zu einem Marktstandard etablieren werden und sich die Geschwindigkeit im Kreditgeschäft noch weiter erhöhen wird. Bereits heute bieten einige Finanzdienstleister den privaten, aber auch langsam den gewerblichen Kredit, in durchgehend digitalen Online-Strecken mit dem Einsatz von Robotik an (zum Beispiel Wüstenrot Bank, S-Kreditpartner, teambank). Damit können diese Institute mit den neuen Wettbewerbern in Bezug auf Schnelligkeit und Effizienz bereits mithalten.

Was Banken können und FinTechs nicht (so gut): Digitale Ökosysteme

Ökosysteme sind komplexe Wirkungsgefüge verschiedener Lebewesen und deren Umwelt. Unter einem digitalen Ökosystem versteht man Plattformen, auf denen Unternehmen ihren Kunden neue Produkte und Leistungen von unterschiedlichen Anbietern über eine Vernetzung anbieten können. Banken könnten via eines digitalen Ökosystems somit ihr Angebot deutlich ausbauen und ihren Kunden weitere Produkte außerhalb des Bank- und Versicherungs-geschäfts anbieten.

Bei Banken kommt nun ein gravierender Vorteil hinzu: Sie haben einen großen Kundenstamm und über die Kontoverbindung eine ideale Interaktionsmöglichkeit zum Kunden. Wenn es ihnen nun gelingt, die Kundendaten besser zu nutzen, so haben. die Banken über die Transaktionsdaten eine perfekte Datengrundlage, um gezielt und zum richtigen Zeitpunkt Angebote zu unterbreiten. Voraussetzung ist, dass Banken sie sich explizit die erweiterte Datennutzung vom Kunden in ihren AGBs genehmigen lassen. Ökosystem-Vorreiter in Deutschland ist die Deutsche Bank, sie hat mittlerweile für Privat- und Firmenkunden digitale Welten geschaffen, in denen Leistungen von Dritten über die Öffnung der API angeboten werden. Damit hat die Bank eine Agilität wie ein Start-Up, aber Kundenzugang und Vertrauen wie kein FinTech es jemals erreichen kann.


Dr. Ingo KipkerDr. Ingo Kipker,
Partner, Horváth & Partners Management Consultants