PKV aktuell

EUROFORUM KonferenzDiese Veranstaltung hat bereits am 3. und 4. September 2014 in Berlin stattgefunden!

Die PKV der Zukunft – heute schon Realität

Roland Weber

Das System der PKV steht von vielen Seiten in der Kritik. Berichten zufolge sehen sich vor allem ältere PKV-Versicherte mit überproportionalen Beitragserhöhungen konfrontiert. Doch solche Meldungen beruhen zumeist auf einer kleinen Zahl von Einzelfällen. Denn in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Branche gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde und dem Gesetzgeber ein Vielzahl von Maßnahmen entwickelt, damit die im Gesundheitswesen unvermeidlichen Kostensteigerungen nicht zu unbezahlbaren Beiträgen für die Versicherten führen.

Moderate Beitragserhöhungen im Alter
Diese Mechanismen führen bereits heute dazu, dass es im Bestand etwa ab einem Alter von 80 Jahren nur noch geringe Beitragserhöhungen, aber immer häufiger Beitragssenkungen gibt. Da die gesetzlichen Maßnahmen erst zukünftig durch die längere Ansparphase und den Zins- und Zinseszinseffekt vollständig zur Geltung kommen, werden sich die Alter, ab denen die Beiträge sinken, nach vorne verschieben. Schon ab 65 Jahren erhöhen sich heute die Prämien durchaus moderat, sodass zukünftig auch ab diesem Alter mehr Entlastung zu erwarten ist.

Der PKV-Beitrag braucht aber auch schon heute keinen Vergleich mit dem GKV-Beitrag zu scheuen: Die durchschnittlichen Prämien für eine Private Krankenversicherung für einen Komforttarif mit stationären Wahlleistungen liegen etwa beim Marktführer Debeka im Querschnitt in allen Altern weit unter dem GKV-Höchstbeitrag von zuletzt 610,31 EUR (Grafik). Der Anteil der Versicherten mit einer monatlichen Prämie von über 600 EUR liegt unter 0,2 Prozent.

Die Kapitaldeckung funktioniert
Angesichts der niedrigen Zinsen wird immer wieder behauptet, dass die Finanzierung der Versicherungsleistungen durch Ansparung und Verzinsung von Kapital nicht mehr der richtige Weg sei. Die Alterungsrückstellungen würden „dahinschmelzen“. Die Zahlen belegen etwas anderes: Die Alterungsrückstellungen wurden bei allen Privaten Krankenversicherern kontinuierlich weiter aufgebaut. Auch in den Jahren der Finanzmarktkrise, von 2007 bis 2012, stiegen sie von 120 auf 180 Milliarden EUR – also um 50 Prozent! Die Finanzierung der PKV steht. Und sie ist verfassungsrechtlich vor politischen Begehrlichkeiten geschützt.

Die PKV hat kein Altenproblem
Steht die PKV nur deshalb gut da, weil ihre Versichertenbestände im Durchschnitt noch jünger sind als in der GKV? Wird sie also in Zukunft Probleme bekommen, wenn ihre Bestände altern?

Diese Sorge ist unbegründet. Zunächst einmal sind die höheren Leistungsausgaben, die durch das Älterwerden verursacht werden, in den Beitrag zur PKV einkalkuliert. Daneben gibt es die weiteren Beitragsdämpfungsmaßnahmen.

Die PKV hat bereits bewiesen, dass sie mit den wachsenden Leistungsausgaben eines älter werdenden Kollektivs zurechtkommt: Im Beamtenbestand der Privaten Krankenversicherer sind die höheren Lebensalter inzwischen stärker vertreten als in der GKV; das war vor 15 Jahren noch anders. Die Beitragssteigerungen in den Beamtentarifen waren jedoch nicht stärker ausgeprägt als in den Normaltarifen.

Die Zukunft im Blick
Die PKV hat mit ihrem System schon immer die Zukunft im Blick gehabt und berücksichtigt bei ihrer Kalkulation heutige und zukünftige Entwicklungen. Natürlich gibt es auch in der PKV immer wieder Verbesserungsbedarf. So wie bei den Beamten der Vorwurf der „Rosinenpickerei“ schon vor 25 Jahren durch die Öffnung auch für schwerstkranke Antragsteller und ihre Angehörigen entkräftet werden konnte, sollten noch mehr Versicherer denen folgen, die jetzt auch für Angestellte eine solche Öffnungsklausel eingeführt haben. Die Möglichkeit, innerhalb des Unternehmens in andere, günstigere Tarife zu wechseln, muss offensiv genutzt werden. Die soziale Funktion des brancheneigenen Standardtarifs anstelle des Bürokratiemonsters Basistarif muss gestärkt werden.

Einerseits mehr Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit für die GKV zu fordern, gleichzeitig aber die PKV abschaffen zu wollen, ist widersprüchlich und nicht weiterführend. Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit bei der Finanzierung ist im dualen Gesundheitssystem durch die PKV bereits etabliert. Keine Bundesregierung wird es sich leisten können, das Gesundheitssystem durch Abschaffung der PKV zu schwächen.