EUROFORUM-Konferenz

SMALL SCALE LNG

Gas geben mit LNG im Tank EUROFORUM Konferenz26. und 27. November 2019, Hamburg

Christian P. Höpfner
geschäftsführender Gesellschafter
Wessels Marine GmbH, Hamburg



Herr Höpfner, Sie beschäftigen sich bei der Wessels Marine GmbH u.a. mit der Umrüstung von Frachtschiffen auf LNG-Antrieb. Ist ein Umbau bei allen Schiffstypen möglich?

Ob ein Frachtschiff auf LNG-Betrieb umgerüstet wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu sind kommerzielle, operative und technische Voraussetzungen erforderlich. Zunächst muss die Antriebsanlage umrüstbar sein und die Schiffsstruktur die Unterbringung eines LNG Tanks inkl. Gasaufbereitung erlauben. Dann gilt es zu prüfen, ob eine LNG Versorgung in dem Fahrtgebiet des Schiffes gewährleistet werden kann. Und letztlich muss eine Umrüstung finanzierbar und betriebswirtschaftlich sinnvoll sein.

In wie weit unterscheidet sich der Wartungsaufwand von den konventionellen Antrieben? Mit welchen Kostenstrukturen muss bei Instandhaltung und Reparatur gerechnet werden?

Die umgerüstete Hauptmaschine geht mit Null Betriebsstunden wieder in den Betrieb und damit in den Wartungslauf. Dies reduziert die OPEX erheblich. Darüber hinaus reduziert sich der Wartungsaufwand im allgemeinen Betrieb der Antriebsanlage, da LNG sauberer verbrennt und das System deutlich geringer beansprucht und verschleißt. Zudem entfallen die bei der Verwendung von Schweröl anfallenden Arbeitsprozesse wie u.a. Kraftstofferwärmung, Kraftstofffilterung und die Entsorgung von Ölrückständen. Das LNG System selbst verursacht keine spürbar höheren Wartungskosten bzw. Wartungsaufwand.

Das Thema „Green Shipping“ ist durch den aktuellen IMO-Beschluss (wieder) in aller Munde. Wie können auch kleine und mittelständische Reeder die ambitionierten Ziele umsetzen?

Der „Sulphur Cap 2020“ bietet aktuell 3 wesentliche Handlungsalternativen:

  • Die Verwendung von niedrigschwefeligen aber teureren Treibstoffen (compliant fuels).
  • Die weitere Nutzung des günstigen Schweröls unter Einbau und Verwendung eines aufwendigen und teuren Abgaswäschers (scrubber).
  • Die Nutzung von preislich sehr attraktivem LNG nach Umrüstung der Antriebsanlage und Einbau eines Gassystems inkl. LNG Tank.

Eine LNG-Umrüstung ist momentan ohne Förderung für die Mehrzahl der kleinen bis mittelständischen Reedereien nicht finanzierbar, obwohl sie die beste und nachhaltigste Lösung wäre. Hier bietet Wessels Marine interessierten Reedereien Hilfestellung bei der Finanzierung und Beantragung von Förderungen an. Die Mehrzahl aller weltweit fahrenden Schiffe werden aber kurzfristig auf niedrigschwefelige Treibstoffe, den sog. „compliant fuels“ ausweichen. Die Verwendung von Open Loop Scrubbern, bei denen das verunreinigte Abgaswaschwasser ins Meer abgeführt wird, wird zunehmend Kritisch gesehen und vielerorts als Mogelpackung bezeichnet. Ich finde, da ist was dran!