Interview mit Dominik Schniertshauer


Befragt wurde: Dominik Schniertshauer, Initiator, Glasschair
Er spricht im Startup-Pitch der Konferenz.

  1. Ihr habt mit Glasschair eine Lösung entwickelt, die Menschen mit Behinderungen hilft, sich im Rollstuhl unabhängig zu bewegen. Wie kamt Ihr auf die Idee?

Glasschair startete als Studentenprojekt des Mobility Services Lab (www.mobility-services.in.tum.de) an der TU München. Jedes Team hatte zur Aufgabe, bestehende Mobilitätsprobleme zu identifizieren und Lösungsvorschläge zu konzipieren, die mit Smart Glasses umsetzbar sind. 

Bei Smart Glasses ist natürlich die „hands-free“ Bedienung ein großer Vorteil, so dass wir bei der Problemsuche insbesondere Menschen/ Situationen mit eingeschränkter Funktionalität der Hände fokussierten. Menschen zu helfen, die auf Rollstühle angewiesen sind aber gleichzeitig ihre Hände nicht oder nur erschwert verwenden können, war sowohl die spannendste als auch herausforderndste unserer Ideen – deshalb hatten wir uns entschieden, diese zu realisieren.

  1. Ist Eure Entwicklung erst der Anfang, um die Mobilität von Menschen mit Behinderungen mit digitalen Hilfsmitteln zu verbessern? Wo seht Ihr weiteres Potenzial?

Ja natürlich, die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und werden in Zukunft hoffentlich auch umgesetzt. 

Potential besteht meiner Meinung nach überall da, wo aktuell dedizierte Geräte verwendet werden, deren Funktionalität auch von Wearables übernommen werden kann. Zum Beispiel entstehen durch die Vielzahl an Sensordaten in Smart Glasses viele Anwendungsmöglichkeiten, die aktuelle Lösungen überflüssig machen können. Hervorzuheben sind zum Beispiel Bestrebungen, die Mobilität von Parkinson-Patienten zu verbessern. Bewegungsarmut gilt als ein Kardinalsymptom dieser Krankheit. Dazu zählt auch das sogenannte Einfrieren/ Freezing.  Dem Patienten ist es vorübergehend unmöglich, bestimmte Bewegungen durchzuführen. Durch visuelle Unterstützung kann die Dauer des Freezings reduziert und damit Mobilität erhöht werden, weshalb bereits 2014 Forscher der Newcastle University die Anwendbarkeit von Smart Glasses in diesem Fall untersuchten. 

  1. Ihr seid ein junges Unternehmen. Welche weiteren Pläne habt Ihr für die Zukunft?, z.B. um GlassChair weiter zu entwickeln? Oder arbeitet Ihr bereits an weiteren Geschäftsideen im Gesundheitswesen?

Glasschair ist aktuell noch nicht am Markt verfügbar. Da wir aber von der Idee zu 100% überzeugt sind und unser Prototyp bereits viel positives Feedback erzeugt hat, sind wir natürlich in erster Linie damit beschäftigt, Realisierungsmöglichkeiten zu untersuchen und passende Geschäftspartner zu finden. Davon hängt am Ende die finale Umsetzung ab. Außerdem gibt es viele Erweiterungsmöglichkeiten für Glasschair, an denen wir aktuell arbeiten. Geplant ist zum Beispiel das Einbinden von Open Street Map in unsere Applikation, da wir dadurch barrierefreie Navigation ermöglichen können.

Parallel zu Glasschair untersuchen und konzipieren wir auch bereits weitere Ideen für das Gesundheitswesen, da hier Smart Glasses aus unserer Sicht enormes Potential bieten. 

  1. Durch die neuesten Technologien (Apps, Wearables etc.) wird sich im Gesundheitssystem Vieles ändern. Was glaubst Du: Wie sieht die gesundheitliche Versorgung der Zukunft aus?

Pauschal ist das schwer zu beantworten, persönlich bin ich jedoch der folgenden Überzeugung: Egal wie stark die Informatik den Medizinbereich auch durchdringen mag, die letzte und entscheidende Instanz muss auch in Zukunft immer der Arzt (bzw. Fachmann) bleiben. 

Ich hoffe jedoch, dass durch neue Technologien sowohl für Patienten als auch für Mediziner vieles einfacher wird – sei es in der Forschung, Verwaltung oder Versorgung. Wichtig ist hierbei nur, dass Lösungen immer mit einem sinnvollen Anwendungsfall im Hintergrund entwickelt werden und nicht nur, weil es technologisch möglich ist. 

Das Team von Glasschair schaut auf jeden Fall gespannt in die Zukunft und hofft auf viele hilfreiche Neuheiten.