Führung in der digitalen Transformation

Dr. Ralf Kölbach, Vorstand, Westerwald Bank eG

„Digitalisierung“ und „Digitale Transformation“

Das Wort „Digitalisierung“ ist in aller Munde und stößt aufgrund seiner permanenten Kommunikation zunehmend auf Sättigungsgefühle, ja Ablehnung. Ist dazu nicht schon längst alles gesagt? Ist nicht jedem Unternehmen klar, dass es gravierenden Handlungsbedarf gibt und alle Unternehmen diesen abarbeiten müssen?

Nun, die Bedeutung des Einsatzes aktueller Technologie dürfte in der Tat (fast) überall angekommen sein. Laute Stimmen mit der Botschaft „diese Digitalisierung geht vorbei; das wird völlig überschätzt“ sind kaum noch zu vernehmen.

Aber Grund zur Entspannung besteht dennoch nicht, denn allzu oft wird unter Digitalisierung lediglich die Digitalisierung vorhandener (schlechter) analoger Prozesse verstanden. Und dann geht der Mehrwert der neuen Technologien gegen Null.

Mindestens genau so gefährlich ist jedoch die Unterschätzung der eigentlichen, tieferen Bedeutung der Veränderungen: der richtigere Begriff ist deshalb „Digitale Transformation“, denn „Digitalisierung“, richtig angewendet, transformiert Unternehmen und Gesellschaften grundlegend und hat den Charakter einer volkswirtschaftlichen Basisinnovation.

„Führung“

Welche Art von „Führung“ ist der adäquate Führungsstil im Kontext der Digitalen Transformation? Offensichtlich sind es nicht alte Führungsstile aus der Zeit des Industriezeitalters; insbesondere der direktive Stil passt nicht zu selbstbewussten Beschäftigten, die Zugriff auf das gesamte Wissen haben und Mitverantwortung anstreben.

Führung in der digitalen Transformation muss sich mit dem Kernthema befassen, dass gerade deshalb wichtiger wird, weil so viel digitalisiert wird: der Emotion.

Menschen müssen in diesem Umfeld, im Kontext einer VUCA-Welt, eng begleitet werden.

Hier bieten sich der „Transformationale Führungsstil“ und das „Empowering Leadership“, je nach Situation an, da beide auf enge Beziehungen zwischen Führenden und Geführten setzen.

„Agilität“

Während das Wort „Digitalisierung“ schon seinen Gipfel überschritten hat, befindet sich „Agilität“ aktuell genau dort. Alles muss „agil“ sein – muss es das? Was ist überhaupt „Agilität“? Gibt es wirklich neue Inhalte oder handelt es sich lediglich um alten Wein in neuen Schläuchen?

Betrachtet man das Wort „agil“ für sich, so handelt es sich um eine für jedes Unternehmen selbstverständliche Anforderung, denn welches nicht-agile Unternehmen hat jemals auf lange Sicht überlebt?

Im Kontext der Digitalen Transformation jedoch kann der Begriff durchaus als mit neuen Inhalten angereichert verwendet werden. Die Besonderheiten der VUCA-Welt verlangen ein neues, deutlich gesteigertes Niveau der Beweglichkeit eines Unternehmens. Die Geschwindigkeit, in der sich Märkte verändern, Wertschöpfungsketten angegriffen und umgebaut werden, ist beispiellos.

Insofern ist die aus der Softwareentwicklung stammende agile Toolbox sehr wohl in Teilen interessant auch für Unternehmen anderer Branchen.

Das Paket macht den Unterschied

Letztlich genügt es nicht, die technologische Seite der Digitalisierung zu beherrschen. Ebenso wenig ist es mit neuen Führungsstilen getan. Und auch der isolierte Einsatz von Elementen der agilen Toolbox ist nicht zielführend.

Es ist vielmehr die simultane Umsetzung aller drei Themen, die ein Unternehmen befähigen, die Digitale Transformation zu meistern. Nur das perfekte Zusammenspiel von Technik und Kultur ergibt den berühmten „Schuh“.

Technologie und Kultur sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille, genannt Digitale Transformation.“