Wir brauchen bessere Designs für die hässliche Hardware


Torben Østergaard

Auch Torben Østergaard wird auf dem DAB Jahreskongress „Kunst Material Technik“ zu Gast sein. Der Partner vom Kopenhagener Büro 3XN sprach bereits jetzt mit uns über die Kunst, Material und Technik in Einklang zu bringen

Worauf achten Sie bei der Materialwahl?
Wir wollen Form, Funktion, Kontext, Narrativ und ein den menschlichen Umgang förderndes Ambiente in Einklang bringen. Eine sorgfältige Materialwahl bringt die Architektur zum Atmen und lädt den Nutzer zur Interaktion mit dem Raum ein. Wir legen Wert darauf, dass unsere Gebäude innen und außen einen gewissen Charme ausstrahlen, was oft Naturmaterialien und solide Baustoffe erfordert.

Wie beeinflusst die Funktion das Material?
Wenn wir etwa in der Fassade viel Glas einsetzen wollen, benötigen wir ausgeklügelte technische Lösungen. Zum Glück ist die Glasindustrie sehr innovativ, aber die Entscheidungen über Fassaden sind nach wie vor sehr komplex und müssen gut abgestimmt werden. Das Gleiche gilt für Innenräume. Ein Raum kann noch so schön sein, aber wenn er für die Nutzer nicht funktioniert, wozu dann das Ganze? Jahrelange Erfahrung ist hilfreich dabei, den richtigen Materialmix für gute Akustik, Tageslichtverteilung, Luftqualität und für einen guten architektonischen Raum zu schaffen.

Welche Materialien wünschen sich Ihre Bauherren?
Es zeichnet sich ab, dass sich die Präferenzen von Architekten und Bauherren annähern. Das mag mit einer wachsenden Sensibilität – vielleicht sogar einer Sehnsucht – für das  Echte, das Taktile, das Haptische zu tun haben, vielleicht als Reaktion auf die digitale Welt. Denken Sie an das wachsende Interesse an Holz-Hochhäusern. Auch Zertifizierungssysteme haben in diesem Bereich ein Bewusstsein geschaffen.

Welche Kriterien abseits von Ökonomie oder Ökologie sind Ihnen wichtig?
Wir wollen vor allem Räume entwerfen, in denen Menschen miteinander in Kontakt treten können. Tageslicht ist wahrscheinlich die wichtigste Substanz in unseren Gebäuden. Doch um es wirklich zu erleben, brauchen wir dunklere und hellere Bereiche sowie geeignete Materialien, um Licht zu reflektieren. Entsprechend unserer skandinavischen Tradition verwenden wir gerne Holz in Innenräumen, wohl weil es uns daran erinnert, das swir biologische Wesen sind. Doch auch Materialien wie Beton und Textilien können auf etwas andere Weise Ähnliches ausstrahlen. Aber es gibt keine Patentrezepte. Selbst ein zu 100 Prozent synthetisches und künstliches Umfeld kann ein sehr gemütliches und angenehmes Ambiente schaffen.

Welche gestalterischen Innovationen brauchen wir?
Die Digitalisierung von Gebäuden, die intelligentere und intuitive Schnittstellen ermöglicht, finden wir zwar sehr spannend, aber wir wollen nicht noch mehr Gadgets in den von uns entworfenen Räumen sehen. In der TGA gibt es also noch einigen Verbesserungsbedarf. Wir brauchen schöne und besser integrierte Designs für all die hässliche Hardware, die in unsere Räume eindringt. Oder aber wir müssen intelligentere Baumaterialien und Methoden entwickeln, die eine Kompensierung durch technische Geräte überflüssig machen.

Die Fragen stellte
Heiko Haberle

Übersetzung aus dem Englischen von
Matthias Müller