Blockchain ist kein Allheilmittel – sinnvolle Use Cases der Blockchain-Technologie

Blockchain ist kein Allheilmittel – sinnvolle Use Cases der Blockchain-Technologie

Der IT-Dienstleister compacer befasst sich mit der Integration und Automatisierung geschäftskritischer Prozesse und setzt dabei unter anderem auf die Blockchain. Dennoch warnt der IT-Experte Lumir Boureanu davor, die Technologie als Allheilmittel zu betrachten.

Lumir Boureanu ist Geschäftsführer und CTO bei der compacer GmbH und spricht bei Best of Blockchain im April 2018 in Düsseldorf zum Thema „Wann macht Blockchain wirklich Sinn? – Best Practices: Umsetzung eines Szenarios im klassischen Sinne sowie mit Blockchain“.

Herr Boureanu, der Hype um Blockchain ist groß und in jeglichen Branchen suchen Unternehmen nach sinnvollen Use Cases. Worauf muss ich denn achten, wenn ich Blockchain in meinem Unternehmen einsetzen will? Was sind die Fallstricke?

Bevor ich mich als Unternehmen überhaupt dafür entscheide, eine Blockchain einzusetzen, muss ich mir darüber im Klaren sein, welche Aufgaben mit dieser Technologie gelöst werden sollen. Schließlich will man ja nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen und die Blockchain-Technologie kann extrem teuer werden. Sie macht nur dann Sinn, wenn das Unternehmen bereits über einen gewissen Digitalisierungsgrad verfügt – sprich eine Vielzahl der Prozesse bereits digital abläuft. Ganz wichtig aber ist, dass man die Möglichkeiten dieser Technologie differenziert betrachtet, denn Blockchain ist nicht gleich Blockchain. Vielfach wird der Begriff als Gattungsmarke verwendet und deshalb muss man bei der konkreten Umsetzung durchaus sensibel sein und analysieren welche Blockchain-Technologie man einsetzen will.

Gibt es aus Ihrer Sicht bestimmte Kriterien, die man bei der Prüfung, ob der Einsatz von Blockchain für die eigenen Prozesse sinnvoll ist, heranziehen sollte?

Blockchain ist nicht für alles sinnvoll. Aber wenn man Prozesse hat, in die mehrere Parteien unabhängig voneinander involviert sind, in denen es um Leistungen und Nachweise, das Vertrauen in Partner und die Automatisierung von Prozessen, beispielsweise der Bezahlung, geht, macht diese Technologie durchaus Sinn. Ein Fakturierungsprozess lässt sich also mit einer Blockchain sehr gut aufsetzen und auch für verschiedene Security-Projekte eignet sie sich. Man muss sich also immer fragen, was das Ziel ist – was die Blockchain besser kann als die bestehende Technologie.

Gibt es Unternehmensprozesse, die sich grundsätzlich besonders für die Anwendung von Blockchain eignen? Wenn ja, welche?

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich diese Technologien sehr gut für Audit- und Security-Prozesse anbietet. Immer wenn Schnittstellen ins Spiel kommen, wie beispielsweise bei IOT, ist Blockchain durchaus eine Option. Das ist auch der Grund warum die Blockchain so gehypt wird, denn die Vernetzung zwischen der realen und der virtuellen Welt ist in den letzten Jahren ja exponentiell gestiegen und damit auch der Bedarf an Plattformen, diese Vernetzung sicher abzubilden.

Gibt es auch Fälle, in denen der Einsatz von Blockchain keinen Mehrwert bietet?

Blockchain ist die teuerste, ineffizienteste und langsamste Technologie, die man sich vorstellen kann; sie ist kein Allheilmittel. Sie ist auch nicht dafür geeignet als Datenbank zu fungieren oder für Messagingprozesse genutzt zu werden. Wenn es aber um die Unveränderbarkeit von Prozessen oder Dokumenten geht, hat die Blockchain einen bisher nicht dagewesenen Mehrwert.