Blockchain und Healthcare – Bonner Start-up will medizinische Forschung revolutionieren

Blockchain und Healthcare – Bonner Start-up will medizinische Forschung revolutionieren

Das Bonner Start-up healthbase möchte mittels Blockchain dem Patienten die Hoheit über seine medizinischen Daten zurückzugeben. Philipp Kanaan erklärt, warum sowohl Patienten als auch die medizinische Forschung von diesem Ansatz profitieren…

Philipp Kanaan ist Chief Product Officer von healthbase und spricht bei Best of Blockchain im April 2018 in Düsseldorf zum Thema „Blockchain and healthcare – Unprecedented opportunities for the healthcare sector“.

Herr Kanaan, wenn ich etwas über meine Gesundheitsdaten herausfinden will: Wo sind die aktuell gespeichert?

Der Großteil Ihrer Gesundheitsdaten liegt aktuell verteilt auf den diversen Systemen der Arztpraxen und Krankenhäuser, die Sie bisher aufgesucht haben. Dazu kommen dann natürlich noch Daten von Gerätschaften wie bspw. einer Smartwatch, einem Fitness-Armband, usw.. Manche Daten werden auch heute noch auf dem Papier festgehalten- ein Beispiel dafür ist der Impfpass. Möchten Sie sich also einen Überblick über Ihre Gesundheitsdaten verschaffen, so ist dies ein ziemlich aufwendiges Unterfangen. An wirklich alle Ihre bisherigen Daten zu kommen, kann sogar unmöglich sein.

Welche Folgen hat das? Für mich? Ärzte? Meine Krankenkasse?

Die hauptsächlichen Folgen liegen auf der Hand: Der Zugriff auf Gesundheitsdaten ist zu aufwendig- wenn überhaupt möglich. Ganzheitliche Therapien bzw. Ursachenbekämpfung werden somit verhindert, während vermeidbare medizinische Fehler alltäglich bleiben.

Und wo setzt die Idee von Healthbase da an?

healthbase sammelt alle Gesundheitsdaten in einem verteilten System und legt den Zugriff in die Hände des Patienten. Dieser kann seinen Ärzten, sowie der medizinischen Forschung dann wiederum Zugriff auf seine Daten gewähren. In letzterem Fall werden seine Daten natürlich vollkommen anonymisiert.

Wie weit ist die App aktuell? Wie testen Sie diese?

Wir sind bisher mit einer Software für den Dentalbereich gestartet, welche wir in zwei medizinischen Versorgungszentren testen. Eine prototypische Patientenapp mit Blockchainanbindung ist ebenfalls in Entwicklung. Im Grunde testen wir die Datenerhebung seitens des Arztes mit anschließender Übertragung an den Patienten, der dann Zugriffe mit Hilfe der Blockchain steuern kann.

Ihre Situation ist wahrscheinlich stellvertretend für viele Blockchain- Startups: Sie haben ein Produkt für unterschiedliche an einem Prozess beteiligte Parteien. Wie kriegt man die in ein Boot?

Ich sehe das eher so, dass die Parteien in unserem Fall bereits in einem Boot sitzen, welches die Zusammenarbeit nur noch nicht ausreichend fördert. Wir müssen also einen Weg schaffen, der für alle Parteien die Situation verbessert, ohne dass irgendwo ein Mehraufwand entsteht.

Welche Schritte sieht der Healthbase Business Plan für 2018 vor?

2018 startet mit der Vorbereitung und anschließenden Durchführung eines ICO. Mit dem dabei gesammelten Geldbetrag werden dann die nächsten Schritte des Projektes eingeleitet. Das umfasst vor allem die Fertigstellung einer ersten Version der Software bis Ende 2018, inklusive der dazu nötigen, rechtlichen Maßnahmen. Parallel wird frühstmöglich damit begonnen, das System als ersten, großen Usecase in Indonesien zu etablieren.