Blockchain wird Mainstream und verändert ganze Branchen

Christian Schultze-Wolters, Geschäftsbereichsleiter Blockchain Solutions DACH IBM

Herr Schultze-Wolters, Blockchain war 2018 das beherrschende IT-Thema. Wie wird sich der Hype entwickeln?

Blockchain wird – auch abseits der Anwendung in Kryptowährungen – zum Mainstream. Supply-Chain-Management, Lebensmittelsicherheit und Identitätsmanagement sind nur drei Bereiche, in denen es bereits erfolgreiche Projekte gibt. Das zeigt auch die Entwicklung bei IBM: Wir messen Blockchain eine hohe Bedeutung zu und beschäftigen in diesem Bereich weltweit über 1.600 Experten, Tendenz steigend. Der Verbraucher wird dabei aber kaum merken, dass er von dieser neuen, jungen Technologie profitiert. Der Wandel vom Hype zum Mainstream vollzieht sich für ihn deshalb weitgehend unbemerkt.

Blockchain bringt viele Akteure zusammen und schafft Vertrauen. Wie wird das die Märkte verändern?

Ein Blockchain-Trend ist, dass immer mehr offene Netzwerke entstehen. Diese Netzwerke schaffen Systeme, in denen verschiedenste Unternehmen weltweit und in der Regel branchenübergreifend involviert sind – vom Hersteller über den Logistiker bis hin zum Qualitätsmanagement oder Händler. Unternehmen können dabei drei Ansätze verfolgen, wenn sie Teil der Bewegung werden wollen:

Sie können einem offenen Netzwerk wie TradeLens oder IBM Food Trust beitreten, um zusätzliche Mehrwerte für das eigene Unternehmen zu schaffen wie z. B. Prozessoptimierung, Kostenreduzierung und/oder Effizienzsteigerung. Oder sie schließen sich mit anderen Marktteilnehmern zusammen, um einen Prozess zu beschleunigen oder Kunden besser zu erreichen. Ein Beispiel hierfür ist die Plattform we.trade, die von zahlreichen führenden europäischen Großbanken gemeinsam geschaffen wurde, um den Handel – vor allem für den Mittelstand – zu vereinfachen. Oder aber sie bauen eine eigene Blockchain auf, die im jeweiligen Ökosystem individuelle Herausforderungen adressiert.

Welcher Ansatz für ein Unternehmen der richtige ist, hängt von der Unternehmensstrategie, dem Reifegrad in Sachen Blockchain-Know-how und den zur Verfügung stehenden Ressourcen ab.

Welchen Ratschlag geben Sie den Unternehmen an die Hand, wenn sie sich zum ersten Mal mit Blockchain befassen?

Zunächst würde ich sie beglückwünschen, denn sie haben damit schon mal einen ersten Schritt in Richtung Zukunftssicherung getan. Blockchain wird Strukturen auf der ganzen Welt und in jeder Branche verändern und man kann nur Schritt halten, wenn man sich diesen Herausforderungen aktiv stellt. Gerade deutsche Unternehmen sollten ihre Zurückhaltung in dieser Hinsicht ablegen.

Dann würde ich ihnen raten, zunächst das eigentliche Business-Problem zu identifizieren. Denn Blockchain ist nicht die Lösung für alle Herausforderungen und viele Projekte scheitern an falschen Erwartungen und Zielsetzungen. Nur wer frühzeitig alle relevanten Beteiligten in einer Organisation einbezieht und Prozesse gesamtheitlich durchdenkt, kann dem tatsächlichen Business-Problem auf den Grund gehen. Methoden wie Ideation oder Design Thinking Workshops und das Erstellen eines sog. Minimum Viable Product kommen dann in den nächsten Phasen zum Tragen.