Kurzinterview: GAIA-X, 5G und Schrems II – 3 Fragen an Dr. Claus Ulmer, Global Data Privacy Officer Deutsche Telekom AG

Kurzinterview: GAIA-X, 5G und Schrems II – 3 Fragen an Dr. Claus Ulmer, Global Data Privacy Officer Deutsche Telekom AG

Sehen Sie es als Problem für den Datenschutz und die Datensicherheit, wenn bei GAIA-X, der europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur, ausländische wie z.B. US-amerikanische Technologiekonzerne beteiligt würden?
Entscheidend ist, dass die Entwicklung der Standards für GAIA-X auf europäischen Grundlagen und unter Berücksichtigung der europäischer Kultur erfolgt. Dann soll aber natürlich jeder seine Dienste danach ausrichten und anbieten dürfen. Es geht ja nicht darum, andere auszuschließen, sondern darum, ein gutes Datenschutz-Level zu gewährleisten. Das ist mit Blick auf „Schrems II“ umso wichtiger.

Wird sich der Umgang mit dem Datenschutz Ihrer Meinung nach durch die Einführung und Nutzung von 5G verbessern oder verschlechtern?
5G führt meines Erachtens weder zu einer Verbesserung, noch Verschlechterung des Datenschutzes. Allerdings werden wir Datenschützer wegen der erhöhten Datenmengen und Daten-Verfügbarkeiten ein genaues Auge auf die Lösungen haben müssen, die im Kontext 5G entstehen. Mehr Bedenken habe ich da wegen der vermehrt eingesetzten KI-Anwendungen, da diese oft auf den (auch unbewussten) Vorprägungen der Entwickler aufsetzen und nicht sicher ist, ob das bei verfügbaren Angeboten geprüft wurde.

Corona hat die Digitalisierung in Deutschland beschleunigt. Können Deutschland und Europa den Rückstand zu Asien und den USA in Bezug auf Schlüsseltechnologien und Digitalisierung aufholen?
Ich glaube, dass wir von der Forschung her und konzeptionell durchaus auf der Höhe von den USA und den asiatischen Staaten sind. Bei uns mangelt es vor allem an der konkreten Umsetzung der Konzepte im Alltag – z.B. Digitalisierung der Administration, des Gesundheitswesens oder der Lern-Infrastruktur. In diesem Bereich werden wir noch brauchen, um uns den anderen anzunähern.