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Krise? Was für eine Krise? Rechtzeitig auf anstehende Herausforderungen vorbereitet sein

Dr. Dirk Andres, Rechtsanwalt und Partner, Fachanwalt für Insolvenzrecht, AndresPartner

Die Meldungen aus der Wirtschaft sind hervorragend! Die Auftragsbücher sind voll, das Geschäft brummt. Also alles im „grünen“ Bereich? Ja und nein. Immer mehr Unternehmen spüren den Druck, der durch die zunehmende Globalisierung und die Digitalisierung der betrieblichen Abläufe entsteht. Viele Probleme in den Unternehmen werden aktuell durch die gute Auslastung sowie die äußerst günstigen Finanzierungsmöglichkeiten zugedeckt. Dennoch sollten Geschäftsführer gerade in der jetzigen Zeit ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen, um sich fit für eine vielleicht schwierigere Zukunft zu machen.

Ist es wirklich sinnvoll alle Arbeitsschritte in der Produktion im eigenen Haus durchzuführen oder können nicht bestimmte   Dienstleister   oder   Spezialisten   günstiger fertigen,  als  Sie  in  der  Lage  dazu  sind?  Wenn  trotz  der aktuell hervorragenden Konjunktur die Ergebnisse eines Unternehmens nur leicht positiv sind oder Sie nur eine „schwarze Null“ schreiben, ist es erforderlich, sich frühzeitig  Gedanken  zu  machen,  wie  man  die  Situation  im Unternehmen verbessern kann. Sollte sich die Auftragssituation auch nur leicht verschlechtern,  steuert  man schnell  auf  eine  Unternehmenskrise    zu,    in der  vielfältige  Gefahren drohen.

Wenn    die    Kreditfinanzierer ihre aktuell sehr     nachsichtigen Finanzierungsrichtlinien    wieder    anziehen, sind etwaig aktuell noch   vorhandene   zeitliche   und   finanzielle   Handlungsspielräume    schnell    geschmolzen und dem Unternehmen droht  dann  schnell  die  Zahlungsunfähigkeit. Daher ist es angeraten, gerade in guten Zeiten daran zu arbeiten, das Unternehmen für eine mögliche Krisensituation zu rüsten.

Nebeneffekte des Outsourcings berücksichtigen

In den vergangenen Jahren war festzustellen, dass viele Unternehmen  Teile  ihrer  Produktion  auslagern,  um  so  die  Produktionskosten  zu  senken  und  damit  flexibler  auf  Marktschwankungen  reagieren  zu  können.  In  der  Folge  stellt  sich  allerdings  oftmals  das  Problem,  dass  ein erheblicher Personalanpassungsbedarf besteht. Die Kalkulation der Personalabbaukosten ergibt dann häufig,  dass  aufgrund  der  langen  Betriebszugehörigkeiten  sowie  der  Tarifstruktur  erhebliche  Beträge  erforderlich  sind,  die  das  Unternehmen  oftmals  gar  nicht  besitzt  und auch nicht in absehbarer Zeit erwirtschaften kann. Selbst,  wenn  im  Unternehmen  die  finanziellen  Mittel  vorhanden  sind,  werden  sie  durch  diese  Maßnahme  aufgezehrt  und  fehlen  dann  für  dringend  notwendige  Investitionen  in  die  zukünftige  Entwicklung  des  Unternehmens.

Zwei Seiten einer Medaille

Finanzierer sind in aller Regel auch nicht bereit, die Personalanpassung  zu  finanzieren.  In  diesem  Fall  stehen  Geschäftsführer vor dem Problem, dass sie eine an sich dringend   notwendige   Maßnahme   zum   dauerhaften   Erhalt  des  Unternehmens  nicht  durchführen  können  oder sich für eine von zwei möglichen Maßnahmen entscheiden müssen, die jede für sich aber nicht ausreicht, um  die  dauerhafte  Fortführungsfähigkeit  des  Unternehmens  zu  gewährleisten.  Das  Unternehmen  steuert  dann über kurz oder lang auf eine existenzbedrohende Situation zu. Für diesen Fall macht es Sinn, sich mit den  Möglichkeiten  auseinanderzusetzen,  die  ein  Eigenverwaltungs- oder Schutzschirmverfahren bietet.

Frühzeitiges Handeln ist entscheidend

Der Gesetzgeber hat mit diesen beiden Verfahrensarten (Stichwort: ESUG) die Möglichkeit geschaffen, sich rechtzeitig bei Eintreten einer Unternehmenskrise unter  den  Voraussetzungen  der  Insolvenzordnung zu sanieren und das Unternehmen  für  die  Zukunft  neu  aufzustellen.  Durch  das  darüber    zur    Verfügung    stehende  Instrumentarium  lässt  sich  eine  Vielzahl  von  Maßnahmen  umsetzen,  wie  es  außerhalb dieser Verfahren nicht möglich wäre. Diese betreffen vor allem die Bereiche der Trennung von Immobilienmietverträgen     und     sonstigen  Miet-  oder  Leasingverträgen.  Die  Zahlung  des   Insolvenzgeldes   für   drei   Monate  durch  die  Arbeitsagentur  gibt  dem  Unternehmen  zudem  zusätzliche  finanzielle  Mittel, um neue Bewegungsspielräume zu erschließen. Hierdurch  lassen  sich  auch  die  für  die  Sanierung  des  Unternehmens    erforderlichen    Personalmaßnahmen besser umsetzen.

Verfahren erleichtern dringend erforderliche Sanierung

Zwar  sind  die  Möglichkeiten  für  eine  Personalanpassung  im  Rahmen  dieser  Verfahren  keine  grundlegend  anderen  als  außerhalb  eines  Verfahrens.  Es  gibt  aber  einige   wichtige   Begrenzungen,   die   außerhalb   nicht   gelten.   Beispielsweise   sind   die   maximalen   Kündigungsfristen  von  Arbeitnehmern  auf  drei  Monate  zum  Monatsende  begrenzt.  Das  Sozialplanvolumen  ist  auf  maximal  2,5  Bruttomonatsgehälter  pro  Arbeitnehmer  beschränkt. Hinzu kommt, dass es möglich ist, die Kontrolle der Sozialauswahl auf grobe Fehlerhaftigkeit durch eine Namensliste zu beschränken. Die Kosten für diese notwendigen Maßnahmen sinken dadurch erheblich.

Maßnahmen sichern Unternehmen und Arbeitsplätze

Auch, wenn das Unternehmen in anderen Bereichen ungünstige  vertragliche  Bindungen  eingegangen  ist,  die  bei  Fortbestehen  zu  einer  existenzvernichtenden  Unternehmenskrise  führen,  ist  es  sinnvoll,  sich  mit  den  Möglichkeiten  eines  Eigenverwaltungs-  oder  Schutzschirmverfahrens   auseinanderzusetzen.   In   einem   solchen Verfahren können ungünstige Mietverträge über Immobilien mit der  gesetzlichen  Kündigungsfrist   beendet   werden.   Die   vertraglich       vereinbarte       Frist,  und  sei  sie  noch  so lang, gilt dann nicht mehr.   Sonstige   Dauerschuldverhältnisse, wie     Leasing-     oder    Mietverträge        können  ohne  Einhaltung  einer    Frist    beendet    werden.   All   dies   sind   Vorteile,    die    gegebenenfalls  auch  im  Vorfeld  bei Verhandlungen mit dem Vertragspartner     eingebracht werden können.

In  der  Praxis  haben  diese  Beschränkungen  bereits  oftmals  geholfen,  viele  Unternehmen  zu  retten  und  dauerhaft für die Zukunft neu aufzustellen. Außerhalb eines Verfahrens  hätten  die  Unternehmen  diesen  wichtigen  Umbau  nicht  bewerkstelligen  können.  Durch  die  Möglichkeiten   in   einem   Eigenverwaltungs-   oder   Schutzschirmverfahren hatten sie aber die Luft, um neben den Personalanpassungsmaßnahmen   dringend   benötigte   Investitionen  in  die  Zukunft  des  Unternehmens  vorzunehmen.  So  konnten  dann  auch  die  verbliebenen  Arbeitsplätze   im   Unternehmen   dauerhaft   gesichert   werden.

Nicht immer ist ein Verfahren auch  erforderlich

In vielen Fällen ist es auch gar nicht erforderlich, sich in ein solches Verfahren formell zu begeben. Es kann durchaus sinnvoll sein, im Vorfeld alle zur Verfügung stehenden Optionen einmal im Detail überprüfen zu lassen und dann anschließend zusammen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft einen Weg zu finden, wie eine Anpassung und gegebenenfalls auch eine neue Tarifstruktur außerhalb eines Verfahrens mit moderaten und vom Unternehmen auch wirtschaftlich erfüllbaren Forderungen gestemmt werden kann. Alle Handlungsoptionen zu kennen, ist bei den Verhandlungen von Vorteil.

Unterstützung bei Planung und  Umsetzung

Wichtig ist, dass dem Unternehmen ein starker und vor allem  erfahrener  Verhandlungspartner  zur  Seite  steht,  der  solche  Szenarien  rechtlich  und  betriebswirtschaftlich  planen  und  umsetzen  kann.  Spezialisierte  Berater  kennen  die  Fallstricke  und  Potenziale  und  können  den  Geschäftsführer  zielsicher  durch  die  notwendigen  Schritte führen. Damit haben Sie dann ausreichend Zeit, um die eigentlichen Sanierungsschritte voranzutreiben, ohne  sich  nicht  auch  zusätzlich  mit  den  juristischen  Details beschäftigen zu müssen.