Privatvorsorge Kucera

Persönliche D & O: Privatvorsorge sinnvoll (Gastbeitrag von Dr. Brigitta Schwarzer)

Führungskräfte sollten sich laut Dr. Brigitta Schwarzer nicht allein auf die firmenfinanzierte D & O-Versicherung verlassen. Um gegen Schadenersatzansprüche gewappnet zu sein, ist eine Privatvorsorge als zusätzliche Absicherung auf eigene Rechnung ratsam.

Topmanager leben zunehmend gefährlich: Auch abseits von Megaskandalen wie der VW-Dieselaffäre steigt die Zahl der Managerhaftpflichtfälle seit einigen Jahren rasant an. Bei echtem oder vermeintlichem Versagen von Managern wird heute immer häufiger geklagt Was die Situation für Führungskräfte zusätzlich verschärft: Hier gilt die Beweislastumkehr, bei einem Schadensfall muss also der Manager beweisen, dass er die Sorgfaltspflicht eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiter eingehalten hat.
Für Vorstände und Aufsichtsräten von Großunternehmen ist deshalb eine D & O-Versicherung mittlerweile bereits Standard. Die D & O-Prämie zahlt das Unternehmen, die Versicherungssumme steht für alle versicherten Personen – in der Regel sind das der Vorstand bzw. die Geschäftsführung sowie die Aufsichtsräte – gemeinsam zur Verfügung. Auch bei den Geschäftsführern von kleineren Firmen steigt in jüngster Zeit das Interesse für den Abschluss einer Managerhaftpflichtversicherung.
Aber die vom Unternehmen abgeschlossene D & O bietet oft keinen ausreichenden Schutz für die Führungskräfte. Die Anwalts- und Gerichtskosten sind hoch, manchmal müssen zusätzlich teure Sachverständige bezahlt werden. Da sind auch Deckungssummen, die auf den ersten Blick hoch erscheinen, rasch verbraucht, Manager oder Aufsichtsräte stehen „ im Regen“ und werden selbst zur Kasse gebeten. Im Extremfall – gehaftet wird ja mit dem gesamten Privatvermögen – kann das existenzbedrohend sein.

Weil in den vergangenen Jahren bei D & O-Versicherungen ein extrem scharfer Wettbewerb die Prämien kräftig sinken ließ, ist diese Sparte für viele Versicherungsgesellschaften zum Verlustgeschäft geworden. Sie versuchen deshalb verstärkt, sich bei Schadenfällen aus der Affäre zu ziehen und die Deckung zu verweigern.

Aus den genannten Gründen ist es für Manager, Aufsichtsräte & Co. ratsam, sich neben der firmenfinanzierte D & O-Polizze zusätzliche eine persönliche D & O-Versicherung zuzulegen. Im Bereich Gesundheit ist Privatvorsorge schon weit verbreitet, bei der Absicherung von Managern gegenüber Schadenersatzklagen macht sie ebenfalls Sinn. Der größte Vorteil dabei: Wer auf eigene Rechnung eine persönliche D & O abschließt, besitzt seine eigene Deckungssumme, die er nicht mit anderen Vorstands- oder Aufsichtsratsmitgliedern teilen muss. Weiters hat man selbst sofort Zugriff auf die Versicherungspolizze und wird persönlich von der Versicherung betreut.

Wenn ein Manager oder Aufsichtsrat im Streit aus dem Unternehmen ausscheidet, ist die persönliche D & O-Versicherung besonders wichtig. Sollte ein Unternehmen für seine Führungskräfte keine D & O-Versicherung abgeschlossen haben, ist sie natürlich ein Muss. Dass man über eine solche Absicherung verfügt, sollte man übrigens im Unternehmen nicht an die große Glocke hängen, sondern diskret behandeln. Sonst heizt man womöglich das Anspruchsverhalten an.

Wie teuer eine D & O-Versicherung ist, hängt vom Geschäftsumfang des Unternehmens sowie vom Risiko der Branche, in der es tätig ist, ab. Als Faustregel gilt, dass bei einer Versicherungssumme von einer Million Euro die Jahresprämie rund 1000 Euro beträgt, zusätzlich fallen elf Prozent Versicherungssteuer an. Bei der Bemessung der Versicherungssumme sollte man sich am „maximum probable loss“ orientieren.

Ganz wichtig ist, sich beim Abschluss einer persönlichen D & O-Versicherung eingehend beraten zu lassen. Hier kommt es ganz besonders auf das „Kleingedruckte“ im Vertrag an, die Versicherungsbedingungen in der D & O sind extrem komplex, die Beiziehung eines erfahrenen Maklers ist daher ratsam. Nur so ist gewährleistet, dass man im Haftungsfall tatsächlich abgesichert ist.

Dr. Brigitta Schwarzer, MBA, ist Juristin und gerichtlich beeidete Sachverständige für Governance, Compliance und D&O-Versicherungen. Sie bekleidete viele Jahre Managementfunktionen in namhaften Industrie- und Immobilienunternehmen und verfügt über umfassende Geschäftsführungs- und Aufsichtsratserfahrung. Als geschäftsführende Gesellschafterin der INARA GmbH, einer unabhängigen Governance & Compliance Wissens- und Serviceplattform für Vorstände und Aufsichtsräte entwickelt sie ihre facheinschlägige Expertise im Austausch mit der Zielgruppe laufend weiter. Ihre Tätigkeit als Versicherungs- und Immobilienmaklerin ermöglicht ihr den laufenden Praxisbezug. Sie ist Mitautorin zahlreicher Publikationen, wie z.B. dem „Handbuch für den Aufsichtsrat“, dem Buch „Bilanzfälschung“ und Co-Herausgeberin des Praxiswerks „Gefangen im Stiftungszweck?“