Die Herausforderungen des Handels in der digitalen Transformation


Andreas Bartmann

Interview mit Andreas Bartmann, Geschäftsführer, Globetrotter Ausrüstung, Vizepräsident des Handelsverband Deutschland

Als Vizepräsident des Handelsverband Deutschland sind Sie nah an der Praxis. Wie würden Sie die derzeitige Situation des deutschen Einzelhandels beschreiben?

Oberflächlich ist die Situation gut zu beurteilen. Die positiven Rahmenbedingungen und Grundstimmungen in unserem Land beflügeln den Konsum. Schaut man jedoch etwas tiefer, befindet sich die Branche in einem gewaltigen Umbruch und vor großen Herausforderungen. Dabei haben gerade mittlere und kleinere Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten den Marktanforderungen gerecht zu werden. Die Umsätze im Offlinebereich werden auch weiter spürbar in den Onlinebereich abgehen, was entsprechende Auswirkungen im stationären Bereich mit sich bringen wird.

Können Sie auch von Erfahrungen aus dem Ausland berichten? Manche Länder sind schon länger mit dem E-Commerce konfrontiert und haben vielleicht neue Konzepte entwickelt?

Die USA und Teile der asiatischen Märkte sind vielfach experimentierfreudiger in der Implementierung neuer Ideen und Konzepte. Vieles hat dabei aber auch mit der Mentalität und Infrastruktur zu tun. Auf den ersten Blick wirkt einiges interessant und spannend, ist jedoch noch weit weg von wirtschaftlicher Tragfähigkeit und breiterer Akzeptanz. Insbesondere der Datenschutz ist zudem bei uns ein erhebliches Regulativ, was geht und was nicht. Grundsätzlich sehe ich uns im internationalen Vergleich aber auf den vorderen Plätzen.

Wie muss ein Geschäft aus Ihrer Sicht heute gestaltet sein, um Kunden anzulocken?

Es muss alle Sinne des Kunden ansprechen und somit seine Stärken zum Onlinehandel ausspielen, ohne dabei omnikanale Vertriebsansätze auszuschalten. Neben der Gestaltung ist die Beratungsqualität von entscheidender Bedeutung. Mensch zu Mensch bleibt auch in Zukunft die wichtigste Basis.

Welche Erfahrungen machen Sie als Geschäftsführer von Globetrotter Ausrüstung? Welche Strategie haben Sie entwickelt?

Kompetente Beratung, hohe Qualität in Sortiment und Produkt, innovativ, glaubwürdig und authentisch – sind unsere Rezepte erfolgreich im Markt zu sein. Ökologische Aspekte spielen dabei für uns und unsere Kunden eine immer zunehmende Rolle.

Welche Beobachtungen machen Sie bei der Entwicklung des Einzelhandels in Hamburg?

Die gegenwärtige und künftige Attraktivität Hamburgs steht sicher außer Frage und stellt eine wichtige Basis dar. Ich mache mir jedoch große Sorge, was die Verkaufsflächenentwicklung insbesondere in der Innenstadt in den nächsten Jahren betrifft. Diese wird die Flächenproduktivität und Mieten weiter erheblich unter Druck setzen. Viele Marktteilnehmer werden dies nicht überleben.

Denken Sie, dass der stationäre Einzelhandel immer mehr als Teil der Logistikkette des E-Commerce fungieren wird (z.B. als Abholstation)?

Auf alle Fälle, da die Kunden dies künftig auch zunehmend erwarten und einfordern. Wenn sich der stationäre Handel hier nicht weiter öffnet, wird er der Umsatzerosion weiter ausgesetzt sein. Dabei darf man die Entwicklung gerne als Chance und nicht als Risiko sehen.

Andreas BartmannBeim 23. Immobilienstandort Hamburg 2018 wird Andreas Bartmann, Geschäftsführer, Globetrotter Ausrüstung, Vizepräsident des Handelsverband Deutschland zum Thema „Bestandsanalyse Einzelhandel“ sprechen.

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