„Jedes Konversionsprojekt ist einzigartig und es gibt keine Patentrezepte.“


Klaus Franken

Interview mit Klaus Franken, Catella Group, zum größten Umwandlungsprojekt von Büro zu Wohnen.

Sie stellen auf der Tagung als Best-Practice-Beispiel Ihr preisgekröntes Wohnen-Projekt „Living Circle“ vor. Was ist an diesem Projekt so besonders?

Es ist das bundesweit größte Umwandlungsprojekt von Büro zu Wohnen. Auffällig dabei ist, dass die Rundformen des Gebäudekomplexes erhalten blieben und so einzigartige Raumeindrücke entstanden sind, die sich wohltuend vom „Einerlei“ von Wohnungsneubauten absetzt. Ferner haben wir die reine Wohnfunktion mit Zusatznutzungen garniert. Aktuell gibt es 40 schwangere Frauen im Objekt, weil die Kinderbetreuung nicht nur über die Kita erfolgt, sondern über zusätzlich vier Betreuungseinrichtungen für Kinder der Altersklasse ab 4 Monaten – ideal für junge Familien mitten in der Stadt. 20 % der Wohnungen sind preisgedämpft zu 8,50 €/m², weshalb auch Krankenschwestern und Polizisten zu den Bewohnern gehören.

Auch in Hamburg gibt es Brachflächen, die umgenutzt werden könnten, was aber – wie so häufig – mit einigen Herausforderungen verbunden ist. Gibt es aus Ihrer Erfahrung heraus Tipps oder Empfehlungen, die Sie weitergeben können?

Jedes Konversionsprojekt ist einzigartig und es gibt keine Patentrezepte. Da hilft nur tief einsteigen, auf jede Form von Überraschungen gefasst zu sein und stets schnell und individuell entscheiden zu können. Umwandlungsprojekte taugen nicht für starre Businesspläne; hier ist unternehmerische Aufmerksamkeit und Entschlossenheit gefragt.

Im Rahmen der Tagung werfen wir auch einen Blick auf das zweite Halbjahr. Zu Beginn des Jahres haben Experten Wolken am Himmel gesichtet, jetzt wird wieder von Sonnenschein berichtet – wie schätzen Sie die Entwicklungen ein?

Das ist wie im April, mal Sonnenschein, mal Regen – im Ernst, das ist ein Beispiel für die typische „German Angst“. Es gibt keinen Anlass, weshalb der Immobilienmarkt insbesondere in Deutschland in den kommenden 12-24 Monaten negative Entwicklungen nehmen sollte. In den letzten Jahren haben internationale Risiken den deutschen Markt immer noch stärker in den Fokus rücken lassen. Wo auf der Welt kann denn Kapital sicherer investiert werden als in Deutschland?

Wie beurteilen Sie den Immobilienstandort Hamburg im deutschlandweiten Vergleich?

Ein absoluter Hot-Spot natürlich, starke Metropole, Schwarmstadt, Urbanisierungszentrum – alles Stichworte, weshalb der Hamburger Markt umschwärmt und stabil ist. Viele Neubauten und eine praxiserprobte Regulierung haben den Wohnungsmarkt vor Schlimmerem bewahrt.

Die Catella Group ist europaweit tätig – können Sie uns berichten, wie dort auf Deutschland geblickt wird? Wird die berühmte „German Angst“ belächelt?

In der Tat sind die Kolleg*innen zwischen Finnland und Spanien, von New York bis Hongkong neidisch über die Stabilität, die Deutschland prägt. Hier gibt es ein absolut sicheres Investitionsumfeld, hohe Verlässlichkeit und „Ordnung“. Allerdings ist Deutschland in Sachen Digitalisierung spät dran – das man hier noch mit Bargeld bezahlt, ist aus internationaler Sicht „süß altmodisch“.

Sie verfügen über Erfahrungen in so gut wie allen Assetklassen. Wenn Sie sich spezialisieren müssten, was ist für Sie die spannendste Assetklasse der nächsten Jahre?

Umgekehrt kann ich ausschließen, dass wir in klassischen Einzelhandelsentwicklungen einsteigen; Nahversorger, etc. mal ausgenommen. Der Strukturwandel ist noch nicht absehbar. Aber es wird eine Zeit kommen, wo wir gerne die Retail-Leerstände in den Städten aufgreifen und kaufen, um mit Mixed-Use neue Werte und Qualitäten schaffen zu können. Ansonsten ist Wohnen natürlich die sicherste aller Asset-Klassen; wer also der „German Angst“ erliegt, sollte sich allein darauf stürzen.

Klaus Franken ist Referent der 24. Jahrestagung Immobilienstandort Hamburg. Sein Vortrag „Düsseldorf Living Circle – Umsetzung für das Wohnen“ ist eines von mehreren Paxisbeispielen.

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