Dezentrale Wohnungsstationen zur Trinkwarmwasserbereitung im Durchflussprinzip – Interview mit Dirk Schulze

Dirk Schulze ist Referent der Uponor Academy und Fachreferent der DVGW Uponor GmbH.

Welche trinkwasserhygienischen Argumente sprechen grundsätzlich für den Einsatz von dezentralen Wohnungsstationen?

Dirk Schulze: Jahrzehntelang sind Trinkwasser-Installationen, oftmals aus Unwissenheit, überdimensioniert worden und boten so einen optimalen Nährboden für Keime. Heutzutage gilt beim Wasserinhalt die Maxime „So klein wie möglich, so groß wie nötig“.

Ich rede da gerne von einem „schlanken“ Rohrnetz. Wohnungsstationen erwärmen hier das Trinkwasser im Durchflussprinzip direkt vor Ort. Damit entfallen aufgrund der direkten Anbindung an den Heizungsvorlauf die zentralen Warmwasser- und Zirkulationsleitungen in den Versorgungsschächten. Weiterhin ist keine Bevorratung von Trinkwasser in Speichern mehr notwendig, wo sich ebenfalls häufig erhöhte Konzentrationen von Mikroorganismen finden. Unterm Strich wird so die Gefahr einer Verkeimung weitgehend ausgeschlossen.

Wie sieht es mit der Energieeffizienz aus?

Dirk Schulze: Zunächst einmal erfolgt die Energiespeicherung nicht mehr im Warmwasser-, sondern im Heizungspufferspeicher. Hier lassen sich also schon konstruktionsbedingt Einsparpotenziale nutzen. Darüber hinaus arbeiten Wohnungsstationen aufgrund der hohen thermischen Länge des Wärmetauschers mit niedrigen Vor- und Rücklauftemperaturen. Damit sinken die Bereitschaftsverluste, während sich gleichzeitig die Effizienz des Wärmeerzeugers erhöht. Zusätzlich steht der Heizungspufferspeicher für die Nutzung regenerativer Energien zur Verfügung.

Es gibt die Meinung, dass nur zentrale Warmwasserspeicher einen hohen Komfort bringen. Welchen Komfort bieten die dezentralen Wohnungsstationen?

Dirk Schulze: Das ist ein Mythos. Wenn viele Bewohner gleichzeitig Warmwasser entnehmen, muss auch bei zentralen Warmwasserspeichern mit Nachladezeiten gerechnet werden. Der Komfort der dezentralen Wohnungsstationen steht der zentralen Trinkwassererwärmung in fast nichts nach. Durch den modularen Aufbau der Wohnungsstationen mit einem breiten Leistungsspektrum lassen sich nahezu alle Komfortansprüche in den verschiedensten Wohnungstypen erfüllen. Dies sorgt jederzeit für frisch erwärmtes Trinkwasser.

Wie sehen die Investitionskosten des Gesamtsystems im Vergleich zu zentraler Trinkwassererwärmung aus?

Dirk Schulze: Zunächst einmal sollte man im Hinterkopf behalten, dass bei der zentralen Trinkwassererwärmung neben dem zusätzlichen Speicher und den Warmwasser- und Zirkulationsleitungen auch noch eine Reihe weiterer Kostenpunkte zu berücksichtigen sind. Das ist objektspezifisch zu betrachten. Im direkten Vergleich dazu bewegen sich die Investitionskosten für das Gesamtsystem aus dezentralen Wohnungsstationen, Systempumpengruppen mit Regelung und Pufferspeicher häufig auf demselben Niveau, oftmals auch darunter.

Dirk SchulzeErleben Sie Dirk Schulze live als Referenten zum Thema „Mit Wohnungsstationen effizient und hygienisch planen“ auf dem Haustechniktag 2017 am 20. und 21. Juni in Mainz.