Trinkwasser

Trinkwasserhygiene sollte ein politisches Thema werden – Interview mit Günter Dülk

Auch in diesem Jahr treffen sich auf dem Haustechniktag 2017 zum wiederholten Male Experten und Entscheider der Haustechnikbranche und diskutieren die aktuellsten Themen rund um die Bereiche Trinkwasserhygiene, Lüftung/Raumklima und Brandschutz. Einer der diesjährigen Referenten ist Günter Dülk, Geschäftsführender Gesellschafter der WimTec Sanitärprodukte GmbH. Im Interview spricht er über wichtige Aspekte der Trinkwasserhygiene, wie den Einfluss der Bauphysik auf die Hygieneanforderungen und die Energieeffizienz von Trinkwasser-Installationen.

Trinkwasserhygiene ist ein viel diskutiertes Thema, muss hierfür stärker sensibilisiert werden?

Günter Dülk: Ja, es sollte sogar ein politisches Thema werden, damit es in der Öffentlichkeit stärker in den Fokus rückt. Denn Wasser ist ein Lebensmittel, das zwar kein Verfallsdatum hat, aber trotzdem „schlecht“ werden kann. So kommt es bei einer zu langen Stagnationszeit zu einer rasanten Vermehrung von Krankheitserregern, wodurch das Trinkwasser eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellt. Außer verschiedenen Normen gibt es wenig, das zu einer Sensibilisierung für das Thema Trinkwasserhygiene beiträgt.

Einwandfreie Trinkwasserhygiene und Energieeffizienz – geht das überhaupt?

Günter Dülk: Das Grundgesetz formuliert prägnant das Recht des Einzelnen auf körperliche Unversehrtheit. Trinkwasserhygiene geht somit immer vor Energieeffizienz. Übertriebener Sparwahn stellt eine ernsthafte Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Laut Normierung darf die Warmwassertemperatur 55° C zu keiner Zeit unterschreiten. In vielen Trinkwasser-Installationen wird dieser Wert aufgrund eines falschen Verständnisses für Energieeffizienz aber nicht erreicht. Es nützt also nichts, wenn eine Trinkwasser-Installation zwar für den bestimmungsgemäßen Betrieb geplant, dann aber nicht so betrieben wird. Die Folge ist eine rasante Vermehrung von mikrobakteriellen Krankheitserregern.

Welche – einem Fachpublikum vielleicht noch weniger bekannte – Faktoren beeinflussen die Trinkwasserhygiene in Gebäuden?

Günter Dülk: Hier wäre zum Beispiel der Einfluss der Bauphysik zu nennen. Dass eine gemeinsame Leitungsführung Probleme vor allem im Bereich der Kaltwassertemperatur verursacht, ist bekannt. Noch wenig berücksichtigt wird, dass auch externe Wärmequellen wie die Sonneneinstrahlung, schlecht gedämmte Heizungsanlagen oder die Beheizung von Räumen abhängig von der Wärmedurchlässigkeit von Baumaterialien einen Faktor darstellen.

Wie lassen sich Wassersparziele und Hygieneanforderungen miteinander vereinen?

Günter Dülk: Um die Trinkwasserhygiene sicherzustellen, ist ein regelmäßiger Wasseraustausch und damit Verwurf von potenziell kontaminiertem Trinkwasser nötig. Die Verantwortung für unser Trinkwasser und seine Hygiene steht immer vor monetären Zielen, wie der Wasserersparnis. Der Wasserverbrauch ist in Deutschland seit den 90er-Jahren immer weiter gesunken und auf einem absoluten Tiefststand angelangt. Ein noch geringerer Verbrauch ist kaum mehr möglich, wobei sich bei Kosten von nur rund 4 Euro pro Kubikmeter Wasser ohnehin die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt.

 

Günter DülkErleben Sie Günter Dülk live als Referenten zum Thema „Auswirkungen der Bauphysik auf die Trinkwasserhygiene“ auf dem Haustechniktag 2017 am 20. und 21. Juni in Mainz.