Kreditprozesse der Zukunft – 5 does and dont´s, um in volatilen Zeiten sicher zu navigieren

Interview mit: Philip Keil, Berufspilot und Autor

Wir freuen uns, Sie als Out-of-the-Box Speaker mit einem Perspektivwechsel aus der Luftfahrt zu begrüßen. Vorab würden wir gern von Ihnen erfahren, was wir aus der Luftfahrt lernen können.

Führung und Change bewegt Entscheider in der Kreditwirtschaft momentan enorm. Was können wir von Ihnen als Pilot lernen?

Als Pilot kann ich mein Handwerk, das Fliegen, noch so gut beherrschen. Wenn ich im Cockpit kein ausgesprochener Teamplayer bin, gut kommunizieren kann und bei unvorhergesehenen Situationen nicht souverän und fokussiert bleibe, bin ich völlig ungeeignet für diesen Job. Insofern sind die Kernkompetenzen einer Führungskraft im Unternehmen und eines Piloten sehr ähnlich. Niemand bekommt diese Schlüsseleigenschaften in die Wiege gelegt – kein Manager und kein Pilot. Deshalb trainieren wir regelmäßig im Flugsimulator genau das: gemeinsam schwierige Entscheidungen treffen, auf den Punkt kommunizieren und mit plötzlichen Notfällen wie Feuer an Bord oder einem Triebwerksausfall mental fertig werden. Auch Führungskräfte müssen in Ihre verantwortungsvolle Rolle erst hineinwachsen. Diesen Transfer stelle ich in meinen Vorträgen und Leadership-Workshops her. Ein spannender Perspektivenwechsel aus der täglichen Praxis.

Was sind Ihrer Meinung nach kritische Erfolgsfaktoren, um die Zielgerade zu halten?

Zunächst mal erfordert es Klarheit, was überhaupt ganz konkret das Ziel ist. Was genau wollen wir erreichen? In welchem Zeitraum? Mit welchen Mitteln? Sind die Verantwortlichkeiten geklärt? Und ist das auch wirklich jedem im Team genauso klar? Erreiche ich meine Mitarbeiter mit unserem gemeinsamen Ziel? Wer Ziele erreichen will, muss es schaffen, Menschen zu erreichen. Dafür braucht es einen „inneren Kompass“, meine Intuition, meine innere Stimme. Gerade schwierige Entscheidungen gehen weit über das Rationale hinaus – im Cockpit wie in der Chefetage eines Unternehmens. Nur wenn das gewährleistet ist, behalte ich auch die Motivation und den klaren Fokus als Kollektiv auf der Zielgeraden.

Was sollte man tun, wenn es einmal turbulent und ruckelig wird? Wie nimmt man die Mitarbeiter in den Teams mit?

Neben den eben erwähnten Faktoren ist das Thema Vertrauen elementar. Wenn alles genau nach Plan läuft, sind wir alle tolle Piloten, tolle Führungskräfte, echte Teamplayer. Aber weder am Boden noch in der Luft verläuft immer alles genau nach Plan. Egal, wie gut der Plan ist. Und dann wird es spannend, außerhalb unserer Komfortzone. Vertrauen ist der Treibstoff für Erfolg. Einer guten Führungskraft geht es nicht darum, dass die Mitarbeiter ihr vertrauen. Sie schafft es vielmehr, dass sich die Mitarbeiter selbst vertrauen. Wie erreiche ich das? Indem ich mich ein Stück weit zurücknehme ihnen Verantwortung überlasse, selbst mal die Perspektive wechsle und Fehler zulasse. Genau das passiert in den Cockpits weltweit schon seit Jahrzehnten. Die Piloten wechseln nach jedem Flug die Rollen, wer fliegt und entscheidet, während der Kollege die Kommandos ausführt, monitored und ihn unterstützt. Ganz unabhängig von Dienstgrad und Flugerfahrung. Und wenn der junge Co-Pilot eine etwas härtere Landung hinlegt? So what? Dann hat er für seine nächste Landung wieder etwas gelernt.

Was sind Ihre 5 abschließenden Handlungsempfehlungen (does and dont´s) für die Kreditwirtschaft, wenn Sie in die Zukunft blicken, um sicher zu navigieren?

  1. Weniger Autopilot, mehr Neues wagen: Routinen sind gut und wichtig. Aber sie dürfen nicht neuen Ideen im Wege stehen.
  2. Finde Deinen Fokus: je komplexer und vielschichtiger unsere Aufgabenbereiche werden, desto wichtiger und gleichzeitig schwieriger wird es, den Blick für das wirklich Wichtige zu schärfen. Delegieren, vertrauen und `Nein`-Sagen erfordert Mut.
  3. Nicht eine Fehlhandlung führt zum Absturz. Sondern fast immer das Fehlen einer Handlung! In der Luftfahrt ist das eine nachgewiesene Tatsache. Auch in der Wirtschaft muss man sich klarmachen, dass in Zeiten des Wandels eine Fehlentscheidung im Zweifel meist besser ist, als keine Entscheidung zu treffen.
  4. Du bist der Pilot: Piloten und Manager haben auf viele äußere Faktoren keinen Einfluss. Trotzdem dürfen wir uns nie das Steuer aus der Hand nehmen lassen. Was wir immer kontrollieren können, ist unsere Einstellung zu den Dingen.
  5. Gehen Sie als Team doch mal in den Krisensimulator: welche Ereignisse würden uns richtig hart treffen? Und was würden wir dann ganz konkret tun? Wer würde dabei welchen Part übernehmen? Kann man daraus vielleicht sogar am Ende eine Checkliste für den Notfall erstellen?

Vielen Dank für das Interview.