Geschwindigkeit und Effizienz als wesentliche Erfolgsfaktoren

Dr. Ingo Kipker, Partner, Horváth & Partners Management Consultants, Düsseldorf

Steigende Ambitionen und Investitionen treffen auf abnehmende Nachfrage

Alle Banken planen in den kommenden Jahren mit einem weiteren Wachstum im Kreditgeschäft, sie bauen ihre Kapazitäten aus und erhöhen mit Investitionen ihre Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig erwarten die Institute eine Abkühlung der konjunkturellen Situation in Deutschland, eine zunehmende Investitionsunsicherheit und daraus resultierend zumindest eine Stagnation der Kreditnachfrage. Die konjunkturelle Abkühlung dürfte zusätzlich zu einem Anstieg der Risikokosten führen. Zuletzt wurden auch die Hoffnungen einer Zinswende begraben. Die deutsche Bankenlandschaft stellt sich somit auf weitere Jahre im Zinstief ein.

Der Wettbewerb im Kreditgeschäft dürfte sich daher in den kommenden Monaten weiter zuspitzen, ambitionierte Ziele und Investitionen treffen auf eine abnehmende Kreditnachfrage. Geschwindigkeit und Effizienz werden zu wesentlichen Erfolgsfaktoren im Kreditgeschäft. Banken sind gut beraten, weitere Anstrengungen zur Erhöhung der Effizienz und Geschwindigkeit zu unternehmen.

Aktuelle Horváth-Studie zeigt Stellhebel der Effizienzgewinnung auf

Horváth & Partners hat im Zeitraum November 2018 und März 2019 die Studie „Kreditprozesse der Zukunft“ durchgeführt. Die Teilnehmer stammen aus Geschäftsbanken, Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen, Spezialinstituten und Service-Dienstleistern. Befragt wurden die Teilnehmer nach dem Umsetzungsstand von rund zwanzig Effizienzhebeln im Kreditgeschäft. Von diesen 20 Stellhebeln wurden 15 als relevant für eine hohe Leistungsfähigkeit nachgewiesen.

FinTechs im Kreditgeschäft setzen auf E2E-digitalisierte Kreditstrecken und damit neue Marktstandards in Effizienz und Geschwindigkeit und werben mit Zusagen sowie Auszahlungen in kürzester Zeit. Daher beleuchtet die Studie Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten von Banken und die bereits umgesetzten Effizienzhebel in allen Kreditarten.

Im Bereich der Ratenkredite weist ein Großteil der Institute einen hohen Reifegrad auf. Bei bereits mehr als der Hälfte (51%) der Teilnehmer beträgt die Durchlaufzeit vom Eingang der vollständigen Kundenunterlagen bis zur Auszahlung des Ratenkredits weniger als eine halbe Stunde. Die meisten Teilnehmer nutzen Ratenkredit-Spezialisten, die einen E2E-digitalen Kreditprozess anbieten und erreichen somit eine Top-Performance.

Die Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten in der Baufinanzierung sind stark abhängig vom Digitalisierungsrad der Teilnehmer. Die Bearbeitungszeit für Baufinanzierungen beträgt bei knapp zwei Drittel der Institute weniger als einen halben Tag. In Bezug auf die Durchlaufzeiten zeigt sich ein heterogenes Bild: Bei rund der Hälfte der Institute beträgt diese mindestens einen und maximal drei Arbeitstage, bei 41% der Institute sogar mehr als drei Arbeitstage

Besonders heterogen ist der Reifegrad der Institute bei gewerblichen Krediten – nur wenige Ausnahmen schaffen es in das Segment der Top Performer. Durchlaufzeiten bei gewerblichen Krediten sind im Durchschnitt am längsten. Bei 53% der Institute beträgt diese mehr als 5 Arbeitstage, obwohl die Bearbeitungszeiten nicht wesentlich abweichen: Bei 57% der teilnehmenden Institute liegt diese bei weniger als einem halben Tag. Nach unserer Einschätzung ist der Digitalisierungsgrad im gewerblichen Kreditgeschäft am geringsten. Dabei müssen sich Banken auch hier auf leistungsstarke Wettbewerber aus der FinTech-Szene einstellen.

Institute mit einer hohen Anzahl umgesetzter Effizienzhebel im Kreditgeschäft schneiden über sämtliche Kreditarten hinweg überdurchschnittlich ab.


Handlungsempfehlung: Vorbereitung auf eine weitere Wettbewerbseskalation

Aus unserer Sicht ergeben sich drei wesentliche Stoßrichtungen zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit im Kreditgeschäft. Wir erachten zum ersten den Ausbau des Performance-Managements für essenziell. Die Top Performer im Kreditgeschäft haben eine hohe Transparenz über Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten, haben verbindliche Ziele und Vorgaben (SLA-Management) und verfolgen eine kontinuierliche Optimierung dieser Zeiten im Sinne eines KVPs. Zum zweiten empfehlen wir die Umsetzung der wesentlichen nachgewiesenen Effizienzhebeln in Prozessgestaltung und Digitalisierung. Wir regen drittens an, sich für Kooperationen mit Dritten wie FinTechs, Plattformen und weiteren Kooperationspartnern zu öffnen, um eine Erhöhung der Umsetzungsgeschwindigkeit zu erreichen.