Flächenumsatz am Industrie- und Logistikimmobilienmarkt Nordrhein-Westfalen: Abwärtstrend gestoppt


Interview mit Rainer Koepke, CBRE

„Nordrhein-Westfalen ist ein äußerst diverser, großer und damit recht stabiler Industrie- und Logistikimmobilienmarkt. Mit seinem Ergebnis auf dem Vorjahresniveau spiegelt der Markt jenen von Gesamtdeutschland – eine starke Nachfrage auch in der Krise.

Gegenüber den Top-5-Märkten bietet Nordrhein-Westfalen aufgrund seiner Diversität jedoch immer noch Flächenmöglichkeiten, auch wenn sie begrenzter sind als es viele Akteure aus der Vergangenheit gewohnt sind. Der wichtige Standortvorteil, dass die Logistikbranche in Nordrhein-Westfalen auf ein überdurchschnittliches Arbeitskräftepotenzial zugreifen kann, bleibt aber nach wie vor erhalten.“ sagt Rainer Koepke, Head of Industrial & Logistics Germany

Der Industrie- und Logistikimmobilienmarkt Nordrhein-Westfalen erzielte 2020 einen Flächenumsatz von 1,4 Millionen Quadratmetern. Nachdem sich das Volumen der neu angemieteten beziehungsweise von Eigennutzern bezogenen Flächen seit dem Rekordjahr 2016 mit 2,3 Milliarden Euro kontinuierlich reduziert hatte, konnte mit dem nun erreichten Ergebnis der Abwärtstrend gestoppt und das Niveau von 2019 gehalten werden. Auch stabil waren die Umsatzvolumen und damit auch die Umsatzanteile in Neubauten sowie von Eigennutzern. 2020 entfielen 930.000 Quadratmeter auf Neubauten, was einem Anteil von 67 Prozent entspricht. Eigennutzungen machten 34 Prozent des Marktes aus – 480.000 Quadratmeter. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des globalen Immobiliendienstleisters CBRE.

Während der Anteil der Eigennutzungen und Neubauten insgesamt stabil blieb, dominierten beide Faktoren bei den fünf größten Deals des Jahres. So waren abgesehen von einer 84.000-Quadratmeter-Vermietung in Kamen an Tedi, dem größten Deal des Jahres, alle vier weiteren Großdeals Eigennutzungen. Alle fünf Großdeals waren sogar Neubauten. „Noch vor wenigen Jahren gab es jährlich einen oder mehrere Abschlüsse jenseits der 100.000-Quadratmeter-Grenze. Diese Zeiten scheinen aufgrund mangelnder geeigneter Grundstücke in dieser Größenordnung erst einmal vorbei zu sein – Ausnahmen wird es aber natürlich dennoch immer wieder geben“, erklärt Koepke.

Stärkster Markt war mit 580.000 Quadratmetern erneut das Ruhrgebiet, das im Vergleich zu 2019 jedoch einen Umsatzrückgang um 17 Prozent verzeichnete. Deutlich zulegen konnten hingegen Düsseldorf (plus 41 Prozent auf 166.000 Quadratmeter) und die Region Köln (plus 64 Prozent auf 170.000 Quadratmeter). Die sonst starke Region Mönchengladbach spielte mit 37.000 Quadratmetern (minus 65 Prozent) keine nennenswerte Rolle. Das übrige Nordrhein-Westfalen legte um 13 Prozent auf 430.000 Quadratmeter zu. „Auch wenn Düsseldorf 2020 eine rege Marktaktivität gezeigt hat ist der Flächenmangel dort besonders stark ausgeprägt, sodass das dortige Umsatzvolumen zukünftig sehr begrenzt sein dürfte“, kommentiert Koepke.

Mit mehr als 500.000 Quadratmetern Flächenumsatz entfielen rund 36 Prozent auf Handelsunternehmen. Ähnlich groß war der Anteil der Branche Transport/Logistik. Auf Produktionsunternehmen entfielen hingegen lediglich gut 200.000 Quadratmeter. „Nordrhein-Westfalen ist ein Markt mit einem überdurchschnittlichen Anteil von Handelsunternehmen, darunter viele Online-Händler mit großen Flächenbedarfen. Bevorzugt wird das Bundesland von diesen Unternehmen wegen der zentralen Lage innerhalb Deutschlands und den guten Anbindungen an Benelux, dem Arbeitskräftepotenzial und den immer noch verfügbaren Flächenangeboten, die im preislich mittleren Niveau liegen“, sagt Koepke.

Ausblick 2021
„Aufgrund der pandemiebedingten Unsicherheiten ist eine Prognose für das Umsatzvolumen 2021 aktuell schwierig. Wir gehen jedoch von einem regen Markgeschehen aus, dass vor allem durch die Flächenverfügbarkeit begrenzt wird. Da die Preise für geeignete Grundstücke weiter gestiegen sind, werden vermutlich auch die Mieten etwas anziehen“, sagt Koepke. „Aktuell befinden sich zwar mehrere ehemalige Kraftwerksareale in der Vorbereitung zur Umnutzung für Logistik- und Gewerbeflächen, bis dort aber Neubauten bezogen werden können, dauert es noch einige Jahre.“

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