Interview mit Walter Wiese


Was sind aus Ihrer Sicht die Fehler bei der Realisierung von Immobilien-Großprojekten, die am häufigsten begangen werden?

Die meisten Fehler sind einer mangelnden Vorbereitung zuzuschreiben. Oftmals wird gebaut, obwohl die Planung noch nicht ihren finalen Stand erreicht hat. Es beginnt mit einer unzureichenden, oder fehlenden Analyse der Ausgangssituation und das Projekt kann von Beginn an zum Scheitern verurteilt sein. Abläufe werden nicht bis zur letzten Konsequenz durchdacht und die Realisierung eines Projekts entwickelt sich zu einem Glücksspiel.

Ebenfalls spielt die Zusammenstellung der Projektbeteiligten eine große Rolle. Herrscht keine sachgerechte und konsequente Kommunikation zwischen den einzelnen Beteiligten, kann sich der Prozess immens in die Länge ziehen.

Bei Baumaßnahmen im öffentlichen Bereich liegt der Fehler meist in sachfremden Beweggründen. (Beispiel: „Wir bauen ein Sportstadion, damit ich mir ein Denkmal setzten kann.“)

Würden auch politische Maßnahmen helfen, um schneller und im Kostenrahmen bauen zu können?

Der größte Kontaktpunkt zwischen uns und den politischen Instanzen sind die Bauämter.

Durch mangelndes Personal kommen wir oft in zeitlichen Verzug und das kostet uns Geld.

Eine bessere personelle Ausstattung würde Prozesse beschleunigen, eine qualifizierte Zusammenarbeit ermöglichen und den Abstimmungsprozess vereinfachen.

Digitalisierung ist das Schlagwort der Stunde, nicht zuletzt auch Prozesse sind davon betroffen. Blicken Sie eher optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft?

In vielen Bereichen bringt die Digitalisierung eine Revolution mit sich. In der Baubranche kann man die Digitalisierung jedoch auf das Building Information Modeling (BIM) runterbrechen. Es beschreibt eine Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mit Hilfe von Software. Auch wenn die Software ein unglaubliches Potenzial mit sich bringt, wird sich BIM nicht durchsetzen, da das Personal nicht ausreichen geschult ist.

Die Digitalisierung wird auch den Arbeitsmarkt nicht vehement verändern, da Software die Arbeit erleichtern kann, jedoch die eigentliche Ingenieurleistung nicht ersetzt.

Was sind die Besonderheiten bei der Mediation von Logistikprojekten?

Mediation ist nicht nur in der Logistik einsetzbar. Es ist ein standardisiertes Verfahren, welches auf jeden Lebenssachverhalt, egal aus welchem Bereich er stammt, erfolgreich eingesetzt werden kann.

Bei Logistikprojekten besteht die Besonderheit in der Einbindung der öffentlichen Hand und der Öffentlichkeit.

Best Practice Projektbeispiel: Projektablauf, City-Hochhaus Leipzig

Aufbau und konsequente Umsetzung einer vorrausschauenden Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten und Organisation aller Abläufe. Hierdurch wurden Konflikte vermieden bzw. minimiert. Die Bauzeit wurde eingehalten und die Baukosten wurden nicht überschritten.

Walter Wiese
Aachen, 11.12.2018