Logistikimmobilien müssen nicht nur heutigen, sondern auch künftigen Anforderungen entsprechen


Logistikanlagen mit Wohlfühl-Charakter: In unserem Interview spricht Philipp Feige, Vice President, Head of Capital Deployment bei Prologis, über nachhaltige Immobilienentwicklung, ein Leuchtturmprojekt im nordrhein-westfälischen Datteln und den Nutzen von Flächenrevitalisierung.


Welche Entwicklungen und Trends bewegen derzeit die Logistikimmobilienbranche?

Das Thema, das in den letzten Jahren am meisten an Bedeutung gewonnen hat und auch in Zukunft noch wichtiger werden wird, ist natürlich die Nachhaltigkeit. Dazu gehören Gesichtspunkte des Umwelt- und Klimaschutzes, wie die Reduktion von Abfall, Energie- und Wasserverbrauch, aber auch die Gestaltung und der Betrieb von Gebäuden, die die Gesundheit der Mitarbeiter unserer Kunden und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessern. Damit helfen wir unseren Mietern, in einem zunehmend kompetitiven Arbeitsmarkt einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil zu erlangen, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden und halten.

Lage, Funktionalität und Qualität von Logistikimmobilien müssen nicht nur heutigen, sondern auch künftigen Anforderungen entsprechen. Langfristig orientierte Investoren suchen sich ihre Märkte sorgfältig aus und investieren dort dauerhaft und nachhaltig. Es reicht heute nicht mehr aus, die Nachhaltigkeitsziele beim Neubau einer Logistikimmobilie nach den Minimalanforderungen des Gesetzgebers auszurichten. Wer großzügige Nachhaltigkeits-Features schon beim Bau berücksichtigt, erspart sich unter Umständen teure Nachrüstungsmaßnahmen, wenn strengere Gesetze erlassen werden sollten oder Nutzer ihre Anforderungen erweitern.

Was sollte eine nachhaltige Logistikimmobilie heute mitbringen?

Unser neuestes Leuchtturmprojekt in diesem Bereich ist ein Logistikpark in Datteln, den wir nach den Vorgaben des internationalen WELL Building Standard entwickelt haben. Der WELL Building Standard umfasst sieben Kategorien der Gebäudeleistung, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht: Luft, Wasser, Ernährung, Licht, Fitness, Komfort und mentale Gesundheit. In diesem Gebäude werden deshalb die Luft- und Wasserqualität durchgehend überwacht, es gibt Wasserspender und eine „Living Zone“ mit einem besonderen Belichtungs- und Belüftungskonzept. Der Außenbereich verfügt über eine Sitzecke, ein Kräuterbeet und eine Fahrradreparaturstation. Alles ist darauf ausgerichtet, ein angenehmes und gesundes Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter unseres Kunden zu schaffen und so den Standard der Immobilien zu erhöhen. Dafür wurde das Objekt im vergangenen Jahr mit dem Logix-Award ausgezeichnet.

Was können Immobilienentwickler noch tun?

Der Logistikmarkt Deutschland ist ein sehr dynamischer und überproportional wachsender Zukunftsmarkt. Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit wird durch die Verfügbarkeit hochwertiger Logistikimmobilien an optimalen Standorten mitbestimmt. Um dem weiterhin großen Bedarf gerecht zu werden und gleichzeitig nachhaltig zu agieren, setzen wir auf Brownfield-Developments – wie zum Beispiel unser Projekt in Datteln. Das Grundstück wurde vorher von der Ruhr Zink zur Herstellung von Metalllegierungen genutzt. Aufgrund der jahrzehntelangen Belastung mussten wir Grundstück aufwändig sanieren.
Nutzbare Greenfields gibt es fast nur noch in ländlichen Gebieten, in denen oft Fachkräftemangel herrscht. Die Kommunen sind zudem oft nicht bereit, Grundstücke „auf der grünen Wiese“ für logistische Aktivitäten auszuweisen. Die naheliegende Alternative ist die Revitalisierung von brachliegenden Industrieflächen. So schaffen wir zusätzlichen Raum für die Logistik, ohne weitere Flächen zu versiegeln.