Résumé der 18. Euroforum Jahrestagung „Die Logistik-Immobilie“


Die Logistikimmobilie boomt weiterhin als Asset-Klasse, viele Händler strukturieren ihre Logistiknetzwerke um, Logistiker tragen der zunehmenden Digitalisierung Rechnung und die Kommunen suchen nach Lösungen für die „Letzte Meile“.

So breit die Themen, so bunt war auch der Teilnehmerkreis aus Investoren und Entwicklern, Wirtschaftsförderern, Beratern, Bauunternehmen und Banken, sowie natürlich auch den Nutzern von Logistikflächen. Über 150 Teilnehmer aus diesen Bereichen waren diesmal beim Klassentreffen der Branche zum Jahresauftakt dabei, diesmal im Sofitel am Alten Wall in Hamburg.

Wie immer wurde die Veranstaltung intensiv für den fachlichen Austausch untereinander genutzt. Dafür fanden sich mit dem Begrüßungs-Lunch, zahlreichen Pausen und dem gemeinsamen Abendessen mit anschließendem Get-Together mit Blick auf die Elbphilharmonie zahlreiche Gelegenheiten.

Aber auch inhaltlich war Einiges und viel Neues geboten: Wie üblich machten die beiden Vorsitzenden der Konferenz Rainer Koepke (CBRE) und Uwe Veres-Homm (Fraunhofer SCS) den Anfang: Rainer Koepke zu aktuellen Markttrends und Entwicklungen in Deutschland, Uwe Veres-Homm zum Wettbewerb der Logistikstandorte und der neuen Online Research-Plattform für Logistikimmobilien. Dr. Wiebke Mellwig von der BWVI Hamburg komplettierte die Auftaktvorträge mit ihrem Blick auf die Logistik-Region Hamburg und die damit verbundenen Potentiale und Perspektiven.

Nach einer ersten Networking-Pause ging es dann in die einzelnen Themenblöcke, die jeweils einen Vortrag und eine dazugehörige Podiumsdiskussion beinhalteten.

Die Frage nach den verschiedenen Letzte-Meile-Konzepten und welche Immobilien dafür jeweils in Frage kommen, konnte auch Horst Manner-Romberg von der Hamburger MRU-GmbH nicht allgemeingültig beantworten. Dafür stellte er aber eine Vielzahl verschiedener Ansatzpunkte vor und wies darauf hin, dass gerade die häufig diskutierten Mikro-Depots noch keine Entsprechung auf der Angebotsseite der Immobilienwirtschaft gefunden haben. Die anschließende Diskussionsrunde machte deutlich, dass die größten Chancen für innerstädtische Logistikflächen in ehemaligen Einzelhandelsflächen von Einkaufszentren sowie in neuen, mehrstöckigen Logistikimmobilien gesehen werden.

Diese werden u.a. von der Four Parx GmbH entwickelt, deren Managing Director Francisco-J. Bähr in seinem Vortrag jedoch stärker auf die veränderte Marktsituation bei der Projektentwicklung eingegangen ist. Der Bauboom bei Logistikimmobilien führt zu einer hohen Auslastung bei GUs und Genehmigungsbehörden, weshalb sich die Branche an deutlich längere Realisierungszeiten für neue Logistikimmobilien gewöhnen muss.

Der daran anschließende Themenblock „Innovation“ wurde von einem Panel zum Thema Automatisierung und Digitalisierung in der Logistikimmobilie eröffnet, der deutlich machte, wie sehr die letztendlichen Nutzer für den Innovationsgrad einer Logistikimmobilie verantwortlich sind. Beispiele für „Smarte“ Lagerhallen, die selbstständig Daten erfassen und verarbeiten sind nach wie vor rar. Vielmehr sind es die Prozesse im inneren, und damit die individuellen Logistikkonzepte der Nutzer, die über Automatisierungsgrad und Datentransparenz entscheiden.

In diesem Kontext war es besonders spannend zu verfolgen, wie sich die für die abschließende Pecha Kucha Startup-Session qualifizierten Unternehmen mit Ihren digitalen Innovationen im Bereich der Logistikimmobilie schlagen. 20 Folien mit jeweils 20 Sekunden Zeit mussten pro Kandidat genügen, um das Publikum von dem Geschäftsmodell der vorgestellten Start-Ups zu überzeugen. Nach einer sehr knappen Abstimmung konnte Rick Mädel als Geschäftsführer von Brownfield 24 die Siegerurkunde entgegennehmen. Er und seine Kollegen treiben die Nutzung von Brachflächen für Immobilienentwicklungen durch eine Online-Plattform voran, auf der Brownfields gesucht und die passenden Partner für deren Revitalisierung gefunden werden können.

Das anschließende Abendessen in der Eventlocation „elbdeck“ in der Hafencity fand regen Anklang, auch das nachfolgende Get-Together in den Räumen von Taylor Wessing an der Wiederkehrspitze wurde bis zu später Stunde zur Diskussion der Themen des Tages in lockerer Atmosphäre genutzt.

Der zweite Veranstaltungstag startete in guter Tradition mit einer Besichtigungstour, diesmal standen das Still Logistikzentrum in Hamburg Billbrook und der VGP-Park südlich von Neu-Wulmstorf auf dem Programm. Die Teilnehmer konnten so den direkten Vergleich zwischen einem Built-to-suit-Objekt und teilweise spekulativ errichteten Standard-Logistikimmobilien ziehen, die beide sehr gut in ihrem jeweiligen Markt funktionieren.

Das Nachmittagsprogramm startete mit einem Vortrag von Jörg de Boer, Head of Business Development bei Fiege Real Estate. Er zeigte anhand dreier konkreter Beispiele die Entscheidungshintergründe auf, die hinter einer Kauf-, Miet- oder Leasinglösung als Betreibermodell für eine Logistikimmobilie stehen können. Die darauffolgende Podiumsdiskussion ergänzte das Thema aus Nutzer und Beratersicht und kam zu dem Schluss, dass der nach wie vor hohe Flexibilitätsanspruch der Nutzer auch weiterhin für eine überproportionale Nachfrage nach Mietlösungen sorgen wird.

Nach einer weiteren Networking-Pause kamen die Teilnehmer des Panels zum Thema Brownfield und Revitalisierung zusammen. Hier wurde deutlich, welch attraktive Ansiedlungsmöglichkeiten gerade für Logistikimmobilien von Brownfields ausgehen, die trotz üblicherweise höherer Kosten für alle Beteiligten eine Erfolgsgeschichte sein können – wenn Developer, Nutzer und die öffentliche Hand eng zusammenarbeiten.

Im letzten Themenblock wurde schließlich der Investmentmarkt und der weiter zunehmende Renditedruck thematisiert. Bodo Hollung, Managing Partner bei LIP Invest GmbH zeigte in seinem Vortrag seine Erwartungen für die absehbare Zukunft auf. Dabei trifft ein unverändert hoher Anlagedruck auf weiterhin niedrige Zinsen, was eine weitere Renditekompression und die Reduzierung des Rendite-Spreads zu anderen Anlageklassen zur Folge hat. Auch die anschließende Podiumsdiskussion machte deutlich, dass bis Ende 2019 keine radikalen Veränderungen der Rahmenbedingungen für den deutschen Logistikimmobilienmarkt erwartet werden.

Damit gingen zwei spannende und abwechslungsreiche Konferenztage zu Ende, jedoch nicht ohne vorher das Publikum über den Ort der nächstjährigen Veranstaltung abstimmen zu lassen. Mit Leipzig als eindeutigem Favoriten richtet sich der Blick der Veranstalterinnen auf die aktuelle Boom-Town im Osten Deutschlands, die auch bzgl. Logistikimmobilien einiges zu bieten hat…

Uwe Veres-Homm,
Geschäftsfeldkoordinator Logistik, Transport & Mobilität, Fraunhofer SCS, Vorsitzender 18. Euroforum Jahrestagung „Die Logistik-Immobilie“