Stellungnahme zum Coronavirus

Die Führungskultur ist im Wandel. Streng hierarchische Strukturen in Unternehmen werden gebrochen - der Trend geht hin zur Netzwerkorganisation. Moderne Führungskonzepte wie „Der Chef als Coach auf Augenhöhe“ versprechen viel – doch bringen in der Praxis zahlreiche Schwierigkeiten mit sich. Sollten Führungskräfte tatsächlich coachen?


Coaching ist en vogue. Doch was ist das überhaupt?

Coachen ist Hilfe zur Selbsthilfe. Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis eines wirksamen Coachings.
Es setzt mehr voraus, als nur ein bisschen Empathie und Verständnis zu zeigen und umfasst seitens des Coaches zahlreiche Gesprächstaktiken, um einen Menschen selbst auf eine Lösung kommen zu lassen.
Selbstreflexion, Entwicklungsbegleitung, Freiwilligkeit und persönliche Förderung sind hier die Schlüsselfaktoren, die ein Trainer an den Tag legen sollte. Kommt es zu Konflikten zwischen Coach und Coachee, ist das Coaching kontraproduktiv und erfolglos.

Betrachtet man das Coaching-Thema im Arbeitskontext, müssen zunächst zwei wesentliche Arten unterschieden werden: „Persönliches Coaching im Job“ und „Training-on-the-job“.
Persönliches Coaching im Job findet statt, wenn der Mitarbeiter gecoacht wird, um seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln und so erfolgreicher im Job – aber auch im Privatleben - werden zu können. Training-on-the-job zeichnet sich dadurch aus, dass es darauf ausgerichtet ist, bestimmte Arbeitsvorgänge effizienter zu gestalten (zum Beispiel Vertriebstraining). Hierbei geht es nur um das Training von Skills, die im Berufsalltag benötigt werden und um die Verbesserung von technisch-fachlichen Kompetenzen. Training-on-the-job wird häufig als Coaching interpretiert, was jedoch nicht zutreffend ist, weil die persönliche Entwicklung des Mitarbeiters außen vor bleibt.
Wichtig ist: Beim Coaching durch Führungskräfte darf es nicht primär um die Verfolgung wirtschaftlicher Ziele gehen, sondern um die persönliche Entwicklung des zu coachenden Mitarbeiters.

Chef, Coach oder beides? Und vor allem: Wann bin ich wer?

Wenn Führungskräfte von Zielen und Budgets getrieben sind, die es einzuhalten gilt, und dann auch noch coachend mit ihren Mitarbeitern umgehen sollen, ist das eine sehr hohe Erwartung und hat meist einen Rollenkonflikt zur Folge. Der Vorgesetzte muss nicht nur wissen, wann er welche Rolle verkörpert, sondern er muss auch vom Mitarbeiter als „Coach“ oder „Chef“ unterschiedlich wahrgenommen werden.

Voraussetzungen für die Wirksamkeit von Coaching als Personalführungsinstrument:

  • Die Führungskraft kann den Zusammenhang zwischen persönlicher Entwicklung und Arbeitsleistung erkennen
  • Mitarbeiter werden als Menschen mit Interessen und Facetten begriffen
  • Die coachende Führungskraft sollte bestenfalls keine disziplinarische Personalverantwortung tragen
  • Konsequent verständnisvolle, offene, ehrliche und neutrale Haltung des Coaches
  • Kein Pseudo-Coaching, sondern fachlich fundiertes Coaching

Mitarbeiter durch geniale Fragen selbst auf die Lösung bringen

Der beste Coach ist die Führungskraft, die Ihre Mitarbeiter durch geniale Fragen selbst auf die Lösung kommen lässt. Und das immer auf Augenhöhe, indem sie die Biografien und Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter einbezieht. Führung in Kombination mit Coaching gelingt dann, wenn der Mitarbeiter das Gefühl hat, das Ziel von sich aus erreicht zu haben – und am Ende stolz auf seine Leistung ist.