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Wenn Einsen und Nullen den Energiemarkt verändern

30.09.2016EnergieBlockchain, Energie, Microgrid

In New York hat die Revolution des Energiemarktes begonnen, denn mit der ersten Microgrid startete im April der erste Feldversuch, eine Blockchain im Energiesektor aufzubauen. Im Stadtteil Gowanus versorgen Haushalte einer Straßenseite die andere mit Energie, die Abrechnung erfolgt aber nicht über Energieversorgungsunternehmen, sondern direkt über die Blockchain.


Das Revolutionäre daran lässt sich folgendermaßen zusammenfassen. Zum einen findet Blockchain in diesem Fall ein Anwendungsgebiet außerhalb des Bankensektors, in dem die Technologie dank Bitcoin einen Hype ausgelöst hat. Auf der anderen Seite sorgt die Blockchain dafür, dass Energieversorgung neue Vermarktungswege findet, abseits vom klassischen Modell über einen Versorger. Kein Wunder, dass die gesamte Energiebranche in Aufruhe gerät, denn Blockchain kann den Versorgern helfen und schaden zur gleichen Zeit. Dies liegt zum einen an der Möglichkeit, eigene Innovationen basierend auf Blockchain zu entwerfen und auf den markt zu bringen, zugleich ist aber die Gefahr gegeben, dass sich die Energieversorgung unabhängig von Energieunternehmen entwickelt und die Versorger damit überflüssig macht. Ob sich die Blockchain-Technik in der Energiewelt durchsetzen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Energieversorger blicken diesbezüglich bisher in eine ungewisse Zukunft.

Was ist Blockchain

Blockchain ist eine Methode, dezentral Daten zu speichern und zu nutzen. Die Basis bilden Peer-to-Peer-Netzwerke, die Daten gegenseitig austauschen und somit einen zentralen Server zur Speicherung einsparen. Dies hat insbesondere den Vorteil, dass die Änderung von Daten nur einvernehmlich erfolgen kann, also eine Manipulation ausgeschlossen werden soll. Falls Daten manipuliert werden, können die Originaldaten durch die anderen angebundenen Rechner wiederhergestellt werden.

Durch die Dezentralität können Kosten vermieden werden, da die Wartung einer Zentrale eingespart wird. Durch die direkte Kommunikation zwischen den Rechnern werden Transaktionen schneller durchgeführt. Auch die Flexibilität ist besser gegeben, da eine Einführung neuer Anwendungen viel leichter getestet und viele Arbeitsschritte automatisiert erfolgen können. Doch noch ist Blockchain sehr neu und die Entwicklung im vollen Gange. Welche Stolpersteine im realen Umfeld vorkommen und welche Sicherheitsprobleme es geben kann, das wird momentan erst erforscht und dabei helfen auch solche Pilotprojekte wie das in New York.

Wo wird die Blockchain heute schon getestet

Neben der „Brooklyn Microgrid“ in New York, die auch das auffälligste Projekt zurzeit ist, sind viele Energieversorger mit eigenen Projekten in der Versuchsphase. RWE hat zusammen mit dem Startup Slock.it zwei Blockchain-Konzepte entworfen, die das Aufladen von Elektroautos vereinfachen sollen. Das erste Konzept vereinfacht die Bezahlung während des Auftankens, so dass das Auto selbstständig mit der Ladestation kommuniziert und die Zahlungsmodalität klärt. Die Zahlung über eine Kryptowährung (vergleichbar mit Bitcoin) trägt zur leichteren Abwicklung bei. Beim zweiten Konzept soll die Aufladung von Elektroautos standortunabhängig gestaltet werden, so dass überall (solange eine Strominfrastruktur vorhanden ist) das Elektroauto geladen werden kann. Der universelle Ladestecker übernimmt dann die Kommunikation mit dem Stromnetz, damit die Zahlung richtig eingeleitet wird und der Ladefortschritt beobachtet werden kann.

Der Anbieter LO3 Energy hat es sich mit dem Projekt Exergy zur Aufgabe gemacht, in den USA die in Rechenzentren von Computern freigesetzte Wärme in die benachbarten Häuser zu leiten. Bevor die Anwohner die Wärme nutzen können, wird diese gespeichert. Dank Blockchain wird dann die Bestellung und Bezahlung von den Hausbesitzern durchgeführt.

Ist Blockchain die Zukunft des Energiesektors?

Die Frage, ob Blockchain wirklich die Zukunft des Energiesektors bestimmen wird, hängt von vielen Entwicklungen ab. Einer der Hauptfaktoren wird sein, ob die Technik beim Kunden die Anforderung der Echtzeitverarbeitung erfüllen kann. Dabei gilt auch zu beachten, ob bei zunehmender Datenmenge Übertragungsprobleme entstehen, also die Skalierbarkeit gewährleistet ist. Auch die technischen Voraussetzungen vor Ort müssen in soweit geklärt sein, dass die Kunden neben Smart Metern auch über weitere notwendige Front- und Backend-Lösungen verfügen, aber dafür müssen auch die Datenschutz-Richtlinien beachtet werden. Am Ende stellt sich aber auch die Frage, ob man eine Technologie wie Blockchain flächendeckend einführen kann, wenn manche Kunden kein Smartphone besitzen oder sich Smart Metern verweigern.

Wenn Blockchain an Einfluss gewinnt, wird der Wettlauf der Anwendungen beginnen, bei dem Energieversorger und Startups gegenseitig um die Akzeptanz beim Kunden kämpfen. Dabei werden nicht nur technische Fragen (Was macht man, wenn die Anmeldedaten verschwunden sind?) eine Rolle spielen. Auch preislich kann Blockchain für den Kunden attraktiv werden, solange man nicht den Überblick über die neuen Angebote verliert.