Interview: Mentale Stärke im Service und Management – was wir von Olympiasiegern & Weltmeistern lernen können


Marc Habermann

Wie wichtig ist mentale Stärke? Was können wir von Spitzensportlern lernen? Wie funktioniert mentales Training? Unser Referent Marc Habermann gibt in diesem Interview einen kleinen Vorgeschmack auf seinen Out-of-the-Box-Vortrag am zweiten Konferenztag der Service Desk & Service Management World 2018.

Euroforum: Weshalb ist mentale Stärke heute nicht nur im Spitzensport ein Thema?

Marc Habermann: Trotz oder gerade wegen der vielen technischer Errungenschaften, die der Mensch im Laufe der Geschichte erfunden hat ist unser Leben heute sehr komplex und fordernd. Wir sind meist mehrmals täglich mental gefordert. Wir sollen konzentriert sein, aufmerksam, moti-viert, engagiert, ausgeglichen, geduldig, ausdauernd, usw. Zusammengefasst fallen all diese Eigenschaften und Fähigkeiten unter den Begriff der mentalen Stärke. Mit den Erkenntnissen verschiedener Wissenschaftsrichtungen wie Psychologie und Neurowissenschaften ist mentale Stärke heu-te sehr gut trainierbar.

#sdworld – jetzt anmelden!

Euroforum: Können Sie uns ein oder zwei mentale Gesetze der Spitzensportler vorab verraten?

Marc Habermann: Die Tennisspielerin Maria Sharapova hat einmal gesagt: “Gott hat mir das Talent gegeben, aber es liegt jeden Tag an mir, das beste daraus zu machen.“ Diese Aussage spiegelt das mentale Gesetz der Eigenverantwortung. Sie werden erfolgreiche Sportler nie Ausreden verwenden hören, wenn sie einmal verlieren. Sie übernehmen immer selbst die Verantwortung für Ihr Tun. Ein zweites mentales Gesetz ist das Gesetz der Motivation. Rafael Nadal, derzeit Nr. 1 der Welt im Tennis sagt: „Ich spiele jedes Training wie ein Finale. Wie soll ich sonst im Match, wenn es darauf ankommt meine beste Leistung bringen.“ Die Eigenmotivation immer auf diesem Niveau zu halten ist sicher eines der Geheimnisse von erfolgreichen Sportlern und mit bestimmten mentalen Tricks auch trainierbar.

Euroforum: Welche Rolle spielt dabei das Unterbewusstsein, auf das Sie in Ihrem Vortrag auch explizit eingehen?

Marc Habermann: Unser Unterbewusstsein bestimmt rund 80-90% unserer Handlungen. Das heißt, dass wir den Großteil unserer Entscheidungen unbewusst treffen und diese so unser Leben bestimmen. Dessen muss man sich erstmal bewusst sein, wenn wir etwas ändern wollen, wenn wir mental stärker werden wollen. Daher ist es grundlegend unser Unterbewusstsein zu verstehen, wie es funktioniert und wie wir es, ähnlich der Software eines Computers umprogrammieren können.

Euroforum: Welche Rolle spielt die Neurowissenschaft im Bereich des mentalen Trainings?

Marc Habermann: Die Neurowissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht die Funktionsweise unseres Gehirns zu entschlüsseln. Wir wissen nun schon sehr gut, wie unser Gehirn aufgebaut ist und wann sich welche Areale im Gehirn entwickeln und auch wie diese unsere Emotionen, unsere Entscheidungen, unser Denken und Handeln beeinflussen. Diese Erkenntnisse nutzen wir heute auch im Bereich des mentalen Trainings um hier entsprechend nachhaltig Einfluss auf unsere mentale Stärke nehmen zu können.

Euroforum: Haben Sie zum Abschluss noch einen konkreten Tipp um seine mentale Stärke zu trainieren?

Marc Habermann: Grundlage um seine mentale Stärke zu trainieren ist die Selbstreflexion. In einer ehrlichen Auseinandersetzung mit sich selbst und am besten in Begleitung eines Profis in Form eines Mentaltrainers oder Psychologen muss man sich in einem ersten Schritt einmal seiner unbewussten Entscheidungsfindungen, Handlungen, Bedürfnisse und Motive bewusst werden. Wenn ich diese einmal verstanden habe kann ich mir einen Trainingsplan erstellen, mit dem ich dann die verschiedenen Bereichen der mentalen Stärke mit zielgerichteten Methoden trainieren kann.

Marc Habermann

Marc Habermann

Der Österreicher Marc Habermann ist Sportwissenschaftler, Lebens- Sozialberater und Coach, Trainer, Keynote Speaker, Wirtschaftsmediator und macht gerade seinen Master of Cognitive Neuroscience in Köln, wobei er sich intensiv mit den Erkenntnissen der Gehirnforschung für die Themen Kommunikation, Mitarbeiterführung, Persönlichkeitsentwicklung und mentale Stärke auseinandersetzt.