Stellungnahme zum Coronavirus und Hygienekonzept bei Live Events

In unserem Seminar folgen Sie einer medizinisch-naturwissenschaftlichen Spur. Existieren neue Hirnforschungserkenntnisse, die uns das menschliche Denken besser verstehen lassen?


Die Antwort liefert hier sogar weniger die Hirnforschung, bei der es natürlich auch ständig neue Erkenntnisse gibt, sondern die Neurokardiologie. Seit wenigen Jahren ist der Wissenschaft bekannt, dass es einen starken Zusammenhang zwischen Herz und Gehirn gibt. Die Leistungsfähigkeit des Denkens hängt sehr stark von der persönlichen Herzintelligenz ab. Unter dieser versteht man die Summe aus natürlichen Fähigkeiten und der abgespeicherten Informationen. Sie kann den Denkprozess stark beeinflussen.

Sie erwähnten die Intelligenz des Herzens. Könnten Sie die Funktion des Organs als Speicherort für Informationen und die Interaktionen mit dem Hirn näher erläutern?

Lassen Sie es mich so erklären: Es gibt faktische Informationen, beispielsweise „Was ist wann genau passiert?“, und es gibt Informationen, die die Beziehung zu einem Fakt darstellen. Gerade die Beziehungen zu Dingen, Menschen oder Ereignissen sind es, die die Herzintelligenz kennzeichnen. Die besten Worte dafür sind Emotionen und Gefühle – nicht „Wie ist etwas?“, sondern „Wie fühlt es sich an bzw. was löst es aus?“. Als Trauma abgespeicherte Ereignisse bewirken meistens ein angstvolles Denken. Der Informationsaustausch zwischen Herz und Gehirn hat unter anderem Einfluss auf das Bewusstsein, die Wahrnehmung, die Inhalte des Denkens, die Denkgeschwindigkeit, die Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken, die Konzentrationsfähigkeit, die Leistungsfähigkeit, die Gesundheit und damit auf die Lebensqualität eines Menschen. Die Botschaften, die vom Herzen kommen, haben einen substantiellen Einfluss darauf, wie wir die Welt wahrnehmen und auf sie reagieren.

Ist dem Potenzial des menschlichen Denkens eine biologische Grenze gesetzt?

Unser Denkvermögen lässt sich gut mit einer Festplatte in einem Computer vergleichen. Jede Festplatte hat ihre Grenzen. So ist das auch bei uns Menschen. Jeder hat ein persönliches Potenzial, in welchem er oder sie sich von Natur aus bewegen kann. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Diese Grenzen sind bei den allermeisten Menschen so weit weg, dass Sie es sich kaum vorstellen können. Wir haben also eine Menge Spielraum, den wir uns noch erschließen können.

Einige Studien über das Denken des Menschen bestärken die Theorie des zu hohen Aufkommens an täglichen Eindrücken. Sind Sie derselben Meinung, dass die Vielzahl an Wahrnehmungen und die Gesamtheit an vorhandenem Wissen uns keine Möglichkeit der Auswertung geben?

Das ist vollkommen richtig. Das Gehirn kann nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Informationsflut aufnehmen. Diese geschieht durch selektive Wahrnehmung, die abhängig ist von Interessen, Motiven, Zustand und der Situation, in der man sich befindet. Alle Informationen werden aber vom Unterbewusstsein aufgenommen und beeinflussen unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen teilweise sehr stark. Es kann also festgestellt werden, dass die gesamte Informationsflut den Menschen erreicht, beeinflusst und steuert – nur nicht bewusst. Das hat zur Folge, dass unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen für uns manchmal schwer nachvollziehbar sind.

Wie Sie erwähnten, wirkt sich die Herzintelligenz auf unser Denken aus. Um die Kette fortzuführen, wie wirkt sich das Denken auf unser körperliches Wohlbefinden aus?

Jeder Gedanke hat sofort Auswirkungen auf den Körper. Was Du denkst, das bist Du, das wirst Du, das strahlst Du aus und das ziehst Du an. Es gibt Gedanken, die einem Energie geben, neutrale Gedanken und auch Gedanken, die einem Energie nehmen. Letztere sind in unserer westlichen Welt leider die häufigsten. Man kann das Wirken von Gedanken leicht mit kinesiologischen Tests messen. Aber wenn wir in uns reinhören, merken wir auch so, wie ein Gedanke wirkt. Negative Gedanken fahren die Energie in Bezug auf Kraft, Wohlbefinden, sowohl emotional als auch körperlich, Kreativität, Kommunikationsstärke, Belastbarkeit und natürlich unsere Gesundheit herunter.
Machen wir ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, es regnet. Der einfache Gedanke „Es regnet“ ist neutral, hat also keinerlei Auswirkungen. Denken Sie aber über diesen Fakt „Scheiß Wetter“, weil Sie vielleicht einen Picknick-Ausflug machen wollten, fahren Sie sofort ihre Energie herunter, auch wenn Sie es vielleicht gar nicht merken. Der Gedanke „Endlich regnet es, die Natur braucht dringend Wasser“ gibt sogar Energie, wirkt also positiv.

Ihre Erläuterung würde doch eine aktive Steuerung unseres Denkens und des daraus resultierenden Gemütszustands zulassen oder werden wir eher von unserem Unterbewusstsein gesteuert?

Das ist richtig. Wir werden stark von unterbewussten Mechanismen gesteuert. Eben diesen Zusammenhang greift ja gerade auch die Neurokardiologie auf. Alles, was abgespeichert ist – man spricht auch von Zellerinnerung –  wirkt. Und wir Menschen speichern eigentlich alles ab, selbst das, was wir gar nicht bewusst wahrnehmen. Wenn mir aber bewusst ist, dass der Großteil meiner Gedanken eigentlich von „woanders“ gesteuert wird, dann kann ich auch bewusst mit der Steuerung beginnen. Denke ich immer im gleichen Muster, auf die gleiche Art, die mir nicht gefällt oder mich nie ans gewünschte Ziel bringt, sollte ich mein Muster ändern. Das setzt voraus, dass man sich stark mit sich selbst beschäftigt – für die meisten Menschen die allergrößte und schwerste Herausforderung. Das Instrument, um zu unterscheiden, ob ein Gedanke mir Energie gibt oder nimmt, heißt Achtsamkeit. Achtsamkeit kann trainiert werden.

Du kannst nicht negativ denken und Positives erwarten. Trotzdem tappen wir immer wieder in Denkfallen.

Die größte Falle ist aus meiner Sicht, dass wir immer von Annahmen ausgehen. Dabei beziehen wir unser Denken immer auf die Vergangenheit, auf Dogmen, Vorgaben, auf die Meinung anderer, aber auch auf eigene Erfahrungen aus der Vergangenheit. Ich nenne das Richtungsdenken.
Wenn es uns gelingt, unser Denken nach vorne zu richten und alte Erkenntnisse beiseite zu lassen, kommen auch neue Gedanken heraus. In der Forschung ist bekannt, dass man grundlegende neue Zusammenhänge nur dann erkennt, wenn man alles bereits Bekannte leugnet. Kreativität beim Denken entsteht nur aus der Sicht nach vorne.
Wenn man etwas anderes machen, etwas anderes erreichen will, muss man es anders denken, anders nennen und anders tun. Das ist der eigentliche Schöpfungsgedanke.
 

Dr. Sven DeglowGerhard Conzelmann
Präsident, Cortus International
Experte für Strategie, Bewusstsein und Leadership