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Leben ohne Zinsen

19.02.2019FinanceAltersvorsorge, Niedrigzins, GeldanlageWie alternative Altersvorsorgekonzepte die gelernte Zinsbelohnung ablösen

von Dr. Patrick Dahmen

Der Niedrigzins ist keine Phase mehr, sondern hat sich zum Normalzustand entwickelt. Mit Blick auf die zentralen Treiber der Zinsentwicklung, insbesondere das erwartete Wirtschaftswachstum sowie die demographischen Entwicklungen in den entwickelten Wirtschaftsnationen, ist zukünftig nicht von einem stark ansteigenden Zinsniveau im Euro-Raum auszugehen.

Gleichzeitig liegt die Inflationsrate bei circa zwei Prozent. Gerade wir Deutschen mit unserer Präferenz für Sicht- und Terminlagen bei Banken mit einer Verzinsung von im besten Fall nahezu null Prozent müssen somit einen realen Kaufkraftverlust erleiden, da die Verzinsung niedriger ist als die jährliche Infl ationsrate. Dieses Risiko ist real, wird jedoch von der Bevölkerung als sich kontinuierlich verstärkendes Risiko nicht als solches wahrgenommen.

Wir als Vorsorgeanbieter haben uns früh damit befasst, welche neuen Lösungen im Niedrigzins Sicherheit und Rendite bieten. Doch wissen wir auch, dass nicht jeder in Deutschland Zeit und Muße findet, sich mit Themen wie Altersversorgung und Geldanlage im Detail auseinanderzusetzen.

Die Angst vor Altersarmut nimmt in Deutschland zu

Die aktuellen Ergebnisse des AXA Deutschland-Reports – eine jährliche Studie zur Ruhestandsplanung – gleichen einem regelrechten Renten-Aufschrei in Deutschland. Eine große Mehrheit in allen Bundesländern, unabhängig von Geschlecht und Alter, fordert, Ruheständler in Deutschland fi nanziell besser zu stellen. Insbesondere die Generation der 50- bis 64-Jährigen wird hier laut: 78 Prozent stimmen für „Höhere Renten für Menschen im Ruhestand“ als wichtigstes staatliches Vorhaben. Die rentennahen Jahrgänge haben den Ruhestand schon vor Augen, doch wächst bei allen Erwerbstätigen mit Blick auf die Rentenzeit vermehrt ein Gefühl von Angst und Sorge. 64 Prozent der Berufstätigen geben an, dass ihnen das Thema Altersvorsorge heute mehr Angst als früher bereite. Und diese Angst ist nicht unbegründet. Während 2016 noch 24 Prozent der Ruheständler angeben konnten, dass sich ihre Lebensqualität verbessert habe, sind es in diesem Jahr nicht einmal halb so viele (10 Prozent). Die Unzufriedenheit zur Rentensituation in Deutschland entzündet sich an der finanziellen Fallhöhe zwischen Berufs- und Rentnerleben. Doch es ist genau diese Fallhöhe, gegen die man sich absichern kann.

Renditechancen dürfen nicht mit der Rentenphase enden

Gesundheit und Fitness im Alter sind ein schönes Geschenk unserer leistungsstarken medizinischen Versorgung, doch bringt dieses Geschenk nicht nur mehr Möglichkeiten der Lebens- und Freizeitgestaltung mit sich. Rentner reisen, suchen sich neue Hobbys und sind gut vernetzt – dieser angestrebte Lifestyle muss auch fi nanziert werden. Gleichzeitig nimmt die Lebenserwartung stetig zu und wird unterschätzt („Du lebst sieben Jahre länger als Du denkst“ stellt der GDV in seiner langfristigen Kampagne zur Lebenserwartung fest). Am Markt haben sich verschiedene Lösungen entwickelt. Renditemotoren sind meist Fonds- oder Index-basierte Ansätze. Die Rentenversicherung ist jedoch das einzige Produkt, das eine attraktive Rendite absichert sowie eine lebenslange Auszahlung garantiert.

Bei AXA haben wir mit der Relax Rente Comfort Plus eine neue Variante der Rentenversicherung auf den Markt gebracht, die nicht nur während des Erwerbslebens in der Ansparphase, sondern auch während der Rentenphase die Chance auf Rendite ermöglicht. Durch die Auszahlphase Performance Flex sind dabei bis zu 25 Prozent „mehr Rente fürs gleiche Geld“ im Vergleich zu einer konventionellen Verrentung möglich. Die Relax Rente vereint die zentralen Bedürfnisse des Kunden bei der Altersvorsorge: Sicherheit und Renditechancen. Sicherheit bietet eine Bruttobeitragsgarantie und eine garantierte Rente, die ergänzt wird um die Renditechancen des sogenannten Sondervermögen Plus. Hierüber können Kunden in dynamische Anlagen wie zum Beispiel Aktien investieren. Somit wird der Anteil der renditestarken Anlageklassen erhöht, wobei die Kombination der Anlagen im Sicherungsvermögen und im Sondervermögen Plus für jeden Versicherten vertragsindividuell ausbalanciert wird. Aus einer aktuellen AXA Befragung zum Anlegerverhalten der Deutschen geht hervor, dass die Mehrheit zwar das Potenzial von Geldanlagen an der Börse erkannt hat, sich aber nicht zutraut, ihr Vermögen selbst aktiv zu managen. In der Relax Rente Comfort Plus werden daher sowohl das Sicherungsvermögen als auch das Sondervermögen Plus von AXA Experten gemanagt, sodass Kunden bei Änderungen der Marktlage nicht selbst eingreifen müssen. Je näher der Rentenbeginn rückt, umso stärker verschieben die Experten dann die Anteile aus den renditeorientierten Anlageformen in die Anlagen des Sicherungsvermögens. Für zusätzliche Renditechancen wird das Vertragsvermögen darüber hinaus an einem Index beteiligt – mit einem finanziellen Sicherungsnetz: Das Vertragsvermögen nimmt positive Kursentwicklungen mit, negative Kursentwicklungen des Index werden abgepuffert und bedeuten demnach keine Verluste für den Kunden.

In Zeiten niedriger Zinsen ist eine sichere und gleichermaßen attraktive Geldanlage, um zumindest die reale Kaufkraft abzusichern, entscheidend.

Angst vor Verlusten und Vorurteile lähmen die Anlagebereitschaft an der Börse

In Zeiten niedriger Zinsen ist eine sichere und gleichermaßen attraktive Geldanlage, um zumindest die reale Kaufkraft (also nach Berücksichtigung von Inflation) abzusichern, entscheidend. Hierzu gehört auch die Geldanlage an der Börse, die noch immer fast jeder Dritte (30 Prozent) aus Prinzip ablehnt. Mögliche Risiken an der Börse werden oft höher gewichtet als die Renditechancen, die sich durch Anlage in Aktien ergeben. Für knapp die Hälfte (46 Prozent) der Deutschen gleicht die Anlage an der Börse einem Gang ins Spielcasino. Diese Ergebnisse unserer Studie zeigen uns einen hohen Bedarf an Sicherheit, aber auch an Aufklärung. Mit unserer Portfolio Plus Police gehen wir genau auf diese Bedürfnisse ein. Sie wurde für einmalige Anlagebeträge entwickelt. Gerade die rentennahe Generation kann so trotz eines mittelfristigen Anlagehorizonts mögliche Vorsorgelücken schließen. In drei verschiedenen Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen finden alle Anlegertypen ab einer Mindestlaufzeit von drei Jahren ihre individuelle Balance zwischen Sicherheit und Chance. Die von uns entwickelte Risikokontrolle über definierte Schwankungsbreiten, die für jedes Portfolio festgelegt sind, macht es möglich. Auch hier greifen die Vorteile einer Rentenversicherung. Der Kunde profitiert zudem von einer attraktiven Versteuerung, und kann zwischen einer lebenslangen Rente oder der Auszahlung seines Kapitals wählen.

Altersvorsorgeprodukte – kosteneffizient, flexibel und transparent

Rentenversicherungen gelten gemeinhin als teuer. Ein fairer Vergleich mit alternativen Sparprodukten führt zu interessanten Erkenntnissen. Betrachtet man sowohl die gesamte Laufzeit einer Rentenversicherung, also die Phase der Einzahlung in den Vertrag sowie die Phase der Rentenauszahlungen, ergibt sich im Durchschnitt eine Kostenbelastung (ausgedrückt als mittlere Minderung der Anlagerendite) von 0,92 Prozent bei der Relax Rente Comfort Plus. Zum Vergleich: Die impliziten Kosten bei vergleichbaren Berechnungen für ein Girokonto oder eine Fondsanlage belaufen sich auf 0,69 Prozent beziehungsweise 1,76 Prozent im Mittel. Zudem bieten wir mit der Relax Rente Comfort Plus auch in der Rentenphase Möglichkeiten der Flexibilität – so wird die Rentenversicherung zu einem Rentenkonto mit Ein- und Auszahlungsoptionen.

Die Vorteile der Rentenversicherung mit lebenslanger Kapitalauszahlung liegen auf der Hand. Dennoch besteht auch hier Weiterentwicklungsbedarf: Eine noch stärkere Kosteneffizienz durch Verteilung der Kosten auf die gesamte Vertragslaufzeit, eine deutlich einfachere, verständlichere und transparentere Darstellung unserer Produkte und ihrer Kernleistung sowie eine erhöhte Modularität der einzelnen Komponenten der Absicherung sind wichtige Notwendigkeiten der Weiterentwicklung, um sich auch in Zukunft in einer verstärkt digitalen Welt erfolgreich positionieren zu können.

Den Niedrigzins akzeptieren

Nur wer die neue Zinsumgebung als gegeben akzeptiert, kann wieder mehr aus seinem Geld machen. Passende Lösungen sind am Markt etabliert und erprobt, es fehlt also nicht an Angeboten. 86 Prozent der Deutschen halten ein gutes Anlageprodukt für ein wichtiges Kriterium, um bei der Geldanlage gute Ergebnisse zu erzielen. So lange jedoch noch jeder Fünfte (19 Prozent) der 18- bis 24-Jährigen im Sparbuch die beste Anlagemöglichkeit für einen langfristigen Vermögensaufbau sieht, werden die sinnvollen Anlageprodukte gar nicht erkannt. Wir müssen den Niedrigzins als dauerhaften Zustand begreifen und neue Wege gehen. Es ist ein politischer – aber auch unser Auftrag als Versicherung – die Vorsorge-Landschaft in Deutschland zu verbessern und dies auch den Menschen zu erklären und zu beweisen.

 

Dr. Sven DeglowDr. Patrick Dahmen
verantwortlich für das Vorsorgegeschäft im Vorstand der AXA Konzern AG
 

 

 

Dieser Beitrag ist Teil der Ausgabe des Handelsblatt Journals „Versicherung neu gedacht“, das Sie hier erhalten können.