Stellungnahme zum Coronavirus

Die Anzahl der Todesopfer durch schwere Krankheiten geht seit Jahren quer über den Globus konstant zurück. So manche Krankheit, welche die Menschheit jahrhundertelang gegeißelt hat, ist besonders in hochentwickelten Industrienationen heute in Vergessenheit geraten. Auch wenn Krankheiten wie die Pocken, die Schwindsucht, Kinderlähmung oder Cholera entgegen dem Glauben vieler noch nicht zu 100 Prozent ausgerottet sind, so lassen sie sich doch in weit entwickelten Staaten mit ausgereiften Gesundheitssystemen besiegen oder erfolgreich kontrollieren. Immer neue Behandlungsmethoden und Medikamente werden erforscht und angewendet, die Lebenserwartung steigt – es scheint, als würde der Mensch langsam die Kontrolle über die stark lebensverkürzenden Faktoren gewinnen und sich gegen die Natur durchsetzen. Diese Annahme fällt jedoch rasch in sich zusammen, wenn man die Ratlosigkeit der Medizin gegenüber Krebserkrankungen und den darunterliegenden Ursachen betrachtet.

Es ist in den letzten 20 Jahren gelungen, die Lethalitätsrate vieler Krebsformen bedeutsam zu senken. Anteil daran haben vor allem die drei Behandlungssäulen der modernen Medizin: Die klassische Operation, die Strahlen- sowie die Chemotherapie. Trotzdem stellt die Heilung, insbesondere bösartiger Tumorbildung die Medizin gestern wie heute vor ein Rätsel. In Fällen besonders später Erkennung und weit fortgeschrittenen wuchernden Zellwachstums führt die Krankheit nur allzu oft zum Tod. Neue Behandlungsmethoden zweier Forscherteams versprechen nun entscheidende Durchbrüche im Kampf gegen Krebs. Eine der Vorhersagen: Krebs könne in weniger als einem Jahr besiegt sein. Was ist da dran?

„Multi Target Toxin Method“ als Universalheilmittel gegen Krebs?

Ein dreiköpfiges Team israelischer Forscher kündigte Anfang des Jahres eine Sensation an: Der Sieg gegen den Krebs innerhalb eines Jahres. Mithilfe des sogenannten „multi-target-toxin“, was übersetzt etwa so viel wie „Mehrzellen-Gift“ bedeutet, wollen die Forscher gleich mehrere Rezeptoren der Krebszelle angreifen. Das Gift soll auf Peptidbasis wirken und zuvor unter Zuhilfenahme von Gewebeproben individuell für jeden Patienten hergestellt werden. Dan D. Aridor, Vorsitzender der AEBI (Accelerated Evolution Biotechnologies) wurde am 28.01.2019 in der Jerusalem Post folgendermaßen zitiert: „We believe we will offer in a year's time a complete cure for cancer." (Wir glauben, dass wir binnen eines Jahres eine komplette Heilung von Krebs anbieten können.) Der Ansatz, die Mutation von Krebszellen durch den Angriff an „mehreren Fronten“ zu unterbinden, klingt aussichtsreich. Doch die deutsche Krebsgesellschaft warnt: Die Methode wurde bislang nur an Mäusen getestet und es gibt kein wissenschaftliches Paper, in dem der Behandlungsvorgang der Scientific Community zugänglich gemacht und für Reviews geöffnet wurde. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass ein dreiköpfiges Forscherteam mit begrenzten finanziellen Mitteln einen Durchbruch erzielt hat, der den renommiertesten Wissenschaftlern der Welt bislang verwehrt geblieben ist. Es gilt nun abzuwarten, ob das Team finanzielle Unterstützung erhalten wird und das Vorhaben realisieren kann, tatsächliche Schritte in Richtung einer Universalheilung für Krebs zu unternehmen. Eins steht fest: Es klingt zu schön um wahr zu sein.

So haben Forscher Brustkrebs-Zellen in Fettzellen umgewandelt

Im Rahmen eines weiteren vielversprechenden Forschungsprozesses haben Wissenschaftler der Universität Basel es geschafft, Brustkrebs-Zellen in Fettzellen umzuwandeln. Trotz der angesprochenen Steigerung der Überlebensrate, steigt auch die Zahl der Erkrankungen an Brustkrebs in den letzten Jahren immer weiter an. Deswegen sind Bemühungen, neue Behandlungsmethoden zu erschließen, besonders wichtig. Ein Schlüssel dafür könnte im zellulären Prozess Epitheliale-Mesenchymale-Transformation (EMT) liegen, den Krebszellen nutzen, um sich im Gewebe auszubreiten und Metastasen zu bilden. Die Forscher haben Mäusen, um die Metastasierung zu stoppen, drei Wochen lang täglich zwei Medikamente gegeben. Es handelt sich hierbei um das Krebsmedikament Trametinib und das Diabetes 2 Medikament Rosiglitazon. Die Ergebnisse waren verblüffend: Die Brustkrebszellen entwickelten sich zum einen zu Fettzellen, und stoppten zum anderen komplett die Bildung von Metastasen. Zwar könne der Tumor nicht komplett in Fettzellen umgewandelt, aber durch die Behandlung deutlich geschwächt werden. „In Zukunft könnte unser Ansatz in Kombination mit konventionellen Methoden wie der Chemotherapie eingesetzt werden, um sowohl die Ausbreitung des Primärtumors als auch die Bildung tödlicher Metastasen zu verhindern“, hoffen die Wissenschaftler. (Cancer Cell, 2019; doi: 10.1016/j.ccell.2018.12.002)

Ein Allheilmittel gegen Krebs – Geht die Suche weiter?

Die Senkung der Sterberate bei Krebserkrankungen zeigt, wie wichtig die Erforschung neuer Behandlungsmethoden gegen Krebs ist. Sie macht zugleich einen positiven Trend aus, der allerdings durch einen Anstieg der Neuerkrankungen von Brustkrebs getrübt wird. Auch wenn heute Symptome von Krebserkrankungen viel effektiver bekämpft werden können als noch vor 10 oder 20 Jahren, so wäre es ein Trugschluss zu vermuten, dass der endgültige Sieg über den Krebs unmittelbar bevorsteht. So verlockend und logisch die genannten Behandlungsmethoden auch klingen mögen – sie sind nicht die ersten ihrer Art, die ein Allheilmittel gegen Krebs versprechen. Die Behandlungen wurden auf dem heutigen Stand bisher nur an Tieren getestet; es wäre zu früh, sich ein abschließendes Urteil aufgrund von Erfolgen an Mäusen zu bilden. Sollte sich die Wirksamkeit auch weiterhin beweisen, so könnte der Durchlauf weiterer Testphasen noch Jahre oder gar Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Es ist nichtsdestotrotz enorm wichtig, dass Forschungsprojekte wie die Beschriebenen finanzielle und ideelle Förderung erhalten. Es sind ebenjene Ansätze auch kleiner Forschungsteams, die es der Menschheit vielleicht eines Tages erlauben, Ausprägungen von Krebs auf die Liste der vergessenen Krankheiten zu setzen.

Quellen:
http://www.aebi-bio.com/
https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/vergessenekrankheiten/
https://www.bildderfrau.de/gesundheit/article216327245/krebs-heilbar.html
http://www.xinhuanet.com/english/2019-02/02/c_137793072.htm
https://www.businessinsider.de/forscher-haben-moeglichkeit-gefunden-krebs-in-fettzellen-umzuwandeln-2019-1
https://www.scinexx.de/news/medizin/aus-krebszellen-werden-fettzellen/
https://www.cell.com/cancer-cell/fulltext/S1535-6108(18)30573-7