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Digitale Währungen

Welche Chancen offenbaren digitale Währungen wie Bitcoin? Und welche Gefahren? Welche der Kryptowährungen wird sich durchsetzen? Und wer sind die größten Gegner der Privatisierung des Geldes?  Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Sprecher des Liberalen Aufbruchs in der FDP, Frank Schäffler, nimmt in unserem Interview Stellung.

Der Wettbewerb zwischen staatlichem und privatem Geld

Herr Schäffler, Sie sehen die Privatisierung des Geldes als einen möglichen Weg aus der Krise an? Was sind Ihre konkreten Ideen?

Der Staat manipuliert über seine Notenbank die Geldmenge und den Preis für das Geld (den Zins) nach belieben. Dies führt immer wieder zu Blasen entweder an den Vermögensgütermärkten (Immobilien, Aktien) oder an den Konsumgütermärkten. Diese Fehlinvestitionen, die durch das billige Geld der Notenbanken erzeugt werden, korrigieren sich, sobald die Investoren diese als solche erkannt haben und sich zurückziehen. Anschließend regieren die Notenbanken mit noch billigerem Geld und noch niedrigeren Zinsen auf diese Bust-Phase und eine neue, viel größere Blase entsteht. Diese sich immer stärker aufschaukelnden Krisen können nur durch ein wettbewerbliches Geldsystem überwunden werden. Neben staatlichem Geld sollte daher auch privates Geld zugelassen werden, dann kann sich am Markt das beste Geld durchsetzen.

Wie passen digitale bzw. virtuelle Währungen dazu?

Sehr gut, digitales Geld ist dieser private Wettbewerber zum staatlichen Geld. Welches private Geld sich durchsetzt und geeignet ist für den täglichen Gebrauch als Tauschmittel ist jedoch unklar und wird die Entwicklung zeigen.

Mittlerweile gibt es neben Bitcoins zahlreiche weitere Kryptowährungen. Glauben Sie, dass sich eine davon durchsetzen wird bzw. sollte sie das überhaupt?

Ich glaube und hoffe das schon. Jedoch wird der Staat mit seiner Regulierungskeule versuchen, den Wettbewerb zu unterbinden. Die Staaten und ihre Notenbanken wollen ihr Geldmonopol behalten und werden es mit Zähnen und Klauen verteidigen.

Welche unternehmerischen Gefahren bergen digitale Währungen und welche Chancen?

Die Gefahren sehe ich insbesondere auf der Regulierungsseite. Der Staat wird versuchen, die Abwicklung und den Bezahlvorgang mit Bitcoins über "geregelte Märkte" und "Plattformen" zu lenken. Dies wird zu einer Konzentration der Marktteilnehmer führen. Ob dies von Dauer ist, wird man sehen. Unternehmerisch ist Bitcoin sicherlich mit Facebook und Google zu vergleichen. Bitcoin und anderes digitales Geld werden den Zahlungsverkehr revolutionieren.

Welche Unternehmen sollten Zahlungen in virtueller Währung unbedingt von Kunden akzeptieren, welche nicht?

Viele Unternehmen im  B2B- und B2C-Bereich akzeptieren heute schon Bitcoin. Dieser Trend wird anhalten. Erst kürzlich hat der Computerhersteller Dell bekannt gegeben, Bitcoin-Zahlungen zu akzeptieren. Der Staat wird sicherlich als letztes Bitcoin-Zahlungen akzeptieren. Daher werden Steuern auch künftig in Euro zu begleichen sein.

Die Möglichkeit anonymer Zahlungen kann für ein negatives Image sorgen. Zu Recht?

Nein, die allermeisten Drogen- und Schwarzgeldgeschäfte auf dieser Welt werden mit Dollar, Euro oder Yen abgewickelt. Das Image dieser Währungen leidet zwar derzeit erheblich, aber nicht aufgrund dieser Geschäfte.

Notenbanken und Regierungen interessieren sich immer mehr für Digitalwährungen. Droht das Ende der großen Freiheit?

Das ist die große Frage. Gelingt es den Regierungen, die Marktwirtschaft und das Entdeckungsverfahren der Marktwirtschaft zurückzudrängen oder nicht. Auf kurze Sicht glaube ich das schon. Die Krise des staatlichen Geldsystem wird jedoch auf lange Sicht digitale Währungen wie Bitcoin und andere wieder nach vorne bringen. Davon bin ich überzeugt.

Interviewpartner: Frank Schäffler, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Sprecher des Liberalen Aufbruchs in der FDP

Interview führte Frederic Bleck, Senior-Konferenz-Manager,  EUROFORUM  | XING

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