Stellungnahme zum Coronavirus

Die Digitalisierung der Industrie ist längst in vollem Gange, die Robotikbranche boomt. Mehr und mehr verschmilzt die Automation mit der Robotik und die Robotik mit der Industrie 4.0. Große Player der Branche, u.a. Google-Mutter Alphabet Inc., IBM Watson, KUKA Robotics u.v.m.  treiben die Entwicklung der Industrie stetig voran und übertrumpfen sich gegenseitig mit neuen Innovationen. Wie jedoch wirkt sich die Invasion der Roboter auf die Menschen aus, die im industriellen Umfeld arbeiten? Werden sie bei der Arbeit von den robotischen Kollegen entlastet oder müssen sie um ihren Job bangen, wenn intelligente Maschinen ihre Aufgaben übernehmen und möglicherweise besser ausführen?

Cobots und Co.

Sogenannte Cobots (Co-Worker Robots), sind in vielen Industrieunternehmen bereits fester Bestandteil der Produktionskette. Bei Daimler montieren KUKA Industrieroboter bereits Getriebe, beim australischen Energiekonzern Woodside Energy unterstützt IBM Watson als digitaler Kollege die Mitarbeiter auf den Offshore-Plattformen. Die Idee, die bei diesen und anderen Unternehmen hinter der Kombination von Mensch und Roboter steckt, ist die der Entlastung des menschlichen Mitarbeiters durch die Maschine. Trotzdem tauchen auch immer wieder Horrormeldungen auf, die von wegfallenden Arbeitsplätzen und der Bedrohung durch Roboter berichten. Cobots führen Aufgaben präziser und schneller aus, künstliche Intelligenz schlägt das Fachwissen eines Menschen um Längen. In Einzelfällen kam es bei Testläufen sogar zu Verletzungen von menschlichen Mitarbeitern durch die Roboter – Terminator-Fans denken hier wahrscheinlich „Skynet lässt grüßen“.

Industrieroboter - Entlastung oder Bedrohung?

Sieht die Zukunft des Zusammenspiels von Mensch und Maschine in der Industrie jedoch wirklich so düster aus? Bei Studien zu eben diesem Thema scheiden sich die Geister. Einige der größten Beratungen für Industrieunternehmen arbeiteten in Studien heraus, dass Roboter gerade die Arbeitsplätze in der Industrie drastisch bedrohen. Andere Studien kamen zu weitaus nüchterneren Schlüssen, nämlich dass Roboter größtenteils assistieren, während der Mensch sich übergeordneten Aufgaben widmet.

Positivbeispiele: Lastenbeförderung und Krankheitsvertretung

Ein Positivbeispiel für rosige Aussichten auf das Zusammenwirken von menschlichen und robotischen Mitarbeitern bietet u.a. der Automatisierungsriese Festo mit bionischen Ameisen, die Lasten transportieren. Produktionsmitarbeiter profitieren davon, Lasten nicht selbst heben und bewegen zu müssen – das Verletzungs- und Krankheitsrisiko sinkt, das Zeitkontingent für das Ausführen anderer Aufgaben steigt.

Auch bei Bosch müssen Mitarbeiter nicht fürchten, komplett durch Arbeitsmaschinen ersetzt zu werden. Theoretisch könnte ein Arbeiter an der Fertigungsinsel durch zwei Roboter ersetzt werden, doch würden die Kosten zum Betreiben der Roboter dies zu einer unwirtschaftlichen Entscheidung machen. Wichtiger ist dem Konzern die Nutzung der Cobots, um krankheitsbedingte Ausfälle der Mitarbeiter auszugleichen.

Die Weltherrschaft bleibt in menschlicher Hand

Das ausgeglichene Zusammenspiel von Mensch und Technologie sollte bei der digitalen Transformation im Mittelpunkt stehen und auf ein „Mensch und Maschine“ statt „Mensch versus Maschine“ hinarbeiten. Eine Entwicklung hin zu solch einer Symbiose ist wünschenswert und bei Betrachtung der momentanen Lage der Industrie 4.0 durchaus möglich. Der digitale Wandel wird mit Sicherheit auch zukünftig Berufsbilder ändern und neu erfinden – Veränderung ist bekanntlich gefürchtet, jedoch in den seltensten Fällen schlecht. Schließlich säße die Menschheit sonst noch immer in Felle gekleidet um‘s Lagerfeuer.

Der Blick in die Zukunft fällt also nicht ganz so dramatisch aus, wie Schwarzenegger es uns als Terminator  1984 vorgelebt hat. Vorerst übernehmen die Roboter nicht die Weltherrschaft, sondern erledigen monotone und körperlich anstrengende Aufgaben, um den Menschen in der Industrie zu entlasten. Der Aspekt der Bedrohung von Arbeitsplätzen sollte natürlich bei der Weiterentwicklung und Disruption von industriellen Prozessen trotzdem nicht außer Acht gelassen werden.