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Partnerschaftliche Modelle beschleunigen Digitalisierung der Immobilienwirtschaft

28.11.2017ImmobilienDigitalisierung, Immobilienunternehmen, Asset ManagerFeatured Article

von Jens Wilhelm
Laut einer aktuellen Umfrage des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) und der Unternehmensberatung EY haben heute 90 Prozent aller  Immobilienunternehmen in Deutschland das Thema Digitalisierung auf ihrer Agenda. Dieses Ergebnis ist wenig überraschend. Viel entscheidender im gegenwärtigen Diskurs ist die Frage, wie die Immobilienbranche die Digitalisierung umsetzt und welche gemeinsamen Standards für ein digitales Asset Management dabei gebildet werden können. Die Grundwerte eines genossenschaftlichen Denkens, eines kooperativen Miteinanders, sind dafür aktueller denn je.

Asset Manager nutzen Kooperationen
Der digitale Asset Manager ist ein Leitbild, das Union Investment früh für sich formuliert hat und das immer mehr zur Wirklichkeit wird. Der digitale Asset  Manager automatisiert Geschäftsprozesse, verwaltet und analysiert Daten in Plattformen, optimiert die Wertschöpfungskette rund um die Immobilie und erweitert am Ende sogar sein Geschäftsmodell um innovative Elemente. Gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter sind dazu die wichtigste Ressource. Fast genauso wichtig ist aber die Fähigkeit, strategische Partnerschaften einzugehen, die das Potenzial haben, entscheidende Bereiche der Immobilienwirtschaft zu verändern. Etablierte Asset Manager haben so die Möglichkeit, aussichtsreiche Ideen frühzeitig zu fördern und mit ihrer Erfahrung an der Weiterentwicklung intelligenter Lösungen mitzuwirken.

Beispiel: Daten gehören auf eine digitale Plattform
Eine solche Lösung bietet zum Beispiel das junge PropTech-Unternehmen Architrave aus Berlin. Das ehemalige Start-up hat sich auf den Bereich Datenmanagement für die Immobilienwirtschaft spezialisiert und verfolgt das Ziel, einen Branchenstandard für das Erfassen von Immobiliendaten in einer  offenen, digitalen Plattform zu etablieren. Das heißt: Je mehr Asset Manager ihre mieter- und objektbezogenen Daten unter strenger Einhaltung aller Datenschutzrichtlinien auf die Architrave-Plattform bringen, desto mehr profitiert die gesamte Branche davon. Ein einheitlicher Datenbestand ohne Schnittstellenprobleme erleichtert unter anderem massiv den Abschluss von Transaktionen, da Mieter- und Objektdaten im virtuellen Datenraum gleich mittransferiert werden können. Union Investment ist von diesem Ansatz überzeugt. Zum einen haben wir die Bestandsdaten von über 400  Gewerbeimmobilien in die Plattform einfließen lassen. Zum anderen haben wir eine Minderheitsbeteiligung von 13 Prozent an Architrave erworben. Inklusive unseres Datenschatzes befinden sich auf der Plattform aktuell Daten von rund 2.800 Objekten im Wert von rund 55 MilliardenEuro. Eine strategische Partnerschaft dieser Art zeigt den Weg für weitere mögliche Kooperationen zwischen etablierten Asset Managern und jungen Tech-Unternehmen auf. Mit entsprechenden Anknüpfungspunkten für andere intelligente Geschäftsmodelle.

PropTechs werben um Investoren – und umgekehrt
Dass aufstrebende PropTech-Unternehmen die Zusammenarbeit mit den Branchengrößen suchen, ist im Übrigen nicht selbstverständlich. In der Umfrage von ZIA und EY sagen 63 Prozent der Jungunternehmer, sie wollen die Platzhirsche eher herausfordern als gemeinsame Lösungen mit ihnen zu erarbeiten. Das bedeutet im Umkehrschluss: Asset Manager stehen auch vor der Aufgabe, sich als interessanter Partner und möglicher Investor zu positionieren. Einen solchen Schritt geht Union Investment beispielsweise zusammen mit dem German Tech Entrepreneurship Center (GTEC). Im Mai 2018 verleihen wir bereits zum zweiten Mal den PropTech Innovation Award - eine internationale Auszeichnung, die gleichzeitig eine Plattform bietet, als ambitioniertes Start-up das Investoreninteresse auf sich zu ziehen.

Digitalisierung verändert Mieterstruktur in Immobilien
Insgesamt wirkt die Digitalisierung nicht nur auf die immobilienwirtschaftlichen Prozesse ein, sondern auch auf die Immobilien selbst. Der Onlinehandel und Hotelalternativen wie Airbnb sind vielzitierte Phänomene. Gerade beim Einzelhandel lohnt sich ein zweiter Blick, da immer mehr Geschäftsmodelle entstehen, die Onlineshop und Ladenfl äche miteinander in Verbindung setzen. Ein Beispiel ist das Unternehmen Holymesh, das vor Kurzem seinen ersten Store in einem unserer Fondsobjekte, dem Shopping Center Alexa am Berliner Alexanderplatz, bezogen hat. Das Startup bietet Fashionartikel an, die parallel von jungen YouTubern in ihren Video-Blogs vorgestellt wird. Weitere Beispiele zur Verbindung von Online- und Offline-Welt ließen sich zahllos ergänzen. Denn eines bleibt: Auch der digitale Asset Manager erwirtschaftet seine Renditen mit realen, mit physisch greifbaren Werten.

 

Jens Wilhelm,
Vorstandsmitglied der Union Asset Management Holding AG,
verantwortlich für Portfoliomanagement, IT-Infrastruktur und Immobilien

www.union-investment.de

 

 

Dieser Beitrag ist Teil der Ausgabe des
Handelsblatt Journals „Immobilienwirtschaft“,
das Sie hier erhalten können.